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Operationen für Samuels Arm

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Von: Selma Höfer

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Samuel
Nach fünf erfolgreichen Operationen kann Samuel (vier Jahre) den rechten Arm heben und die rechte Hand benutzen um etwas zu greifen und zu halten. Für den Kreisbote hält er stolz sein Spielzeugkrokodil in die Höhe. © Selma Höfer

Kaufbeuren – Fünf Jahre lang galt Brigitte Steigleders Engagement einer afrikanischen Geflüchteten namens Brutokan und ihren Sohn Samuel. Denn das Kind kam mit einem gelähmten rechten Arm auf die Welt. Mehrere Operationen, die nur in Aachen stattfinden konnten, musste das Kleinkind überstehen. Steigleder begann dafür Spenden zu sammeln. Heute, nach insgesamt fünf Operationen, kann der Junge seinen Arm heben und die Hand benutzen. Um den vielen Spendern und all den Menschen zu danken, die Anteil am Schicksal Samuels nahmen, möchte die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin nun zu einem „Dankcafé“ einladen. Das soll am Freitag, 9. September, ab 16 Uhr in der freien evangelischen Gemeinde Kaufbeuren stattfinden.

„Die Arbeit war meine ganze Freude. Ich war schon immer mit Leib und Seele Krankenschwester“, sagte die Kauf­beurerin. Obschon sie bereits seit ein paar Jahren die Füße hochlegen und ihre Rente genießen könnte („das genaue Alter müsse nicht in der Zeitung stehen“, sagte sie augenzwinkernd), engagiert sich Steigleder weiter in ihrem Beruf. Neunmal war sie mit humedica im Kosovo, zweimal in Afrika. Beim ersten Einsatz für die Hilfsorganisation war sie bereits 64 und überrascht aber sehr erfreut, dass „so eine alte Schachtel“ noch gebraucht wird. In der Flüchtlingshilfe hier in Kaufbeuren ist Steigleder seit über zehn Jahren aktiv. Selbst Mutter von drei Kindern, liegen ihr die jüngsten unter den Geflüchteten besonders am Herzen. Brutokan lernte die ehrenamtliche Helferin in der Flüchtlingsunterkunft in Rieden kennen. Bei der Geburt von Samuel, am 6. Oktober 2017, war Steigleder dabei. „Da habe ich gleich mitbekommen, dass bei dem Kind etwas nicht stimmte.“ Der rechte Arm hing schlaff herunter. Die Diagnose: „Fast komplette geburtstraumatische Plexusläsion rechts.“ Mit Physiotherapie und Übungen war da nichts zu machen, das habe sie direkt gewusst.

Steigleder fuhr wenige Monate nach der Geburt mit Brutokan und dem Kleinen nach Augsburg. Dort habe die behandelnde Ärztin Grund zur Hoffnung gegeben, als sie verkündete, der Arm könne operiert werden. „Da ist ein riesengroßer Stein von meinem Herzen gefallen“, erzählte Steigleder. Erst habe es geheißen, die chirurgischen Eingriffe wären in Günzburg möglich. Am Ende wurde der junge Patient aber in das gut 650 Kilometer entfernte Aachen überwiesen. In ganz Deutschland gibt es laut Steigleders Informationen nur zwei Ärzte, die die anspruchsvollen Nerventransplantationen durchführen.

So schön, so gut. Für Steigleder stand außer Frage, dass sie die beiden dorthin bringen wird. Doch die Krankenkasse übernahm keinerlei Reisekosten und bezahlte auch nicht für die Unterkunft der Mutter. Denn bei jeder OP war ein Aufenthalt von zwei Wochen nötig. Steigleder begann in ihrer Kirchengemeinde und bei Freunden um Hilfe zu bitten. Darüber hinaus machte sie die Geschichte publik. Die Hilfsbereitschaft sei groß gewesen und erleichtert habe sie sich an die Reiseplanung gemacht.

Steigleder fand eine Unterkunft die bezahlbar war. Mit dem eigenen Auto fuhr sie ihre Schützlinge vor vier Jahren zu einer Voruntersuchung in die Klinik in Nordrhein-Westfalen. Es folgten Operationen an der Schulter, dem Ellenbogen, der Hand und an den Fingern. Mit Erfolg. Samuel kann den einst gelähmten Arm heben, kann Dinge ergreifen und halten. Drei Mal ist die Seniorin zu den OPs mitgefahren und jeweils die gesamten zwei Wochen vor Ort geblieben. Für die letzten beiden Behandlungen reiste die junge Mutter alleine in die Großstadt. „Diese Frau ist wirklich spitzenmäßig“, möchte Steigleder an dieser Stelle betonen. Sie habe nicht nur gut Deutsch gelernt, in ihrer Kultur sei es nicht gewöhnlich, dass eine Mutter alleine mit ihrem Kind auf eine Zugreise gehe. „Brutokan hat immer mitgemacht ohne zu lamentieren.“ Auch die Physiotherapie-Termine jetzt nehme sie zuverlässig war und zur Ergotherapie bringe sie Samuel regelmäßig.

„Nun möchte ich von ganzem Herzen Danke sagen.“ Es seien über die vergangenen Jahre hinweg kontinuierlich Spenden eingegangen, „immer gerade so viel, dass es gepasst hat“. Es hätten sich viele Leute zudem nach dem Jungen und seiner Mutter erkundigt. „Ich bin so dankbar für die Anteilnahme, die begleitenden Gedanken und Gebete“, betonte Steigleder. Viele ihrer Unterstützer kenne sie und diese erhalten direkt eine Einladung für das „Dankcafé“. Allerdings hätte auch immer wieder jemand einen Umschlag mit Geld einfach in ihren Briefkasten geworfen. „Auf diesem Wege möchte ich auch diese Spender einladen“, freut sich die Krankenschwester darauf, die heimlichen Helfer kennenzulernen und alle, die an Samuels Schicksal Anteil genommen haben. Selbstverständlich werden der Junge und Brutokan am 9. September auch da sein. Ab 16 Uhr gibt es dann in den Räumen der freien evangelischen Gemeinde (Gartenweg 6) Kaffee, Kuchen, nette Gespräche und hoffentlich auch viel zu lachen.

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