Eine Million Euro Schaden – Keine Verletzten

Kaufbeuren-Gutwillen: 24 Menschen nach Großbrand obdachlos

Großbrand Gutwillen Großkenmnat Schutt
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Von dem Mehrfamilienhaus in Gutwillen ist nach dem Großbrand nicht mehr viel übrig. Der Sachschaden ist immens. Über Nacht wurden 24 Menschen obdachlos.
  • Martina Staudinger
    vonMartina Staudinger
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Kaufbeuren/Großkemnat – Am Dienstag haben 24 Menschen durch einen Großbrand in Großkemnat/Gutwillen ihr Zuhause verloren. Anwohner eines Mehrfamilienhauses bemerkten am Abend im benachbarten Tankreinigungsunternehmen eine starke Rauchentwicklung. Noch vor dem Eintreffen der ersten Feuerwehren stand der Gewerbeanbau, in welchem Öltanks gereinigt werden, in Vollbrand. Das Feuer breitete sich rasend schnell auf alle angrenzenden Gebäude sowie das Mehrfamilienhaus aus.

Bereits nach wenigen Minuten stand auch der komplette Dachstuhl des Wohnhauses in Flammen. Weit über 100 Feuerwehrkräfte aus Kaufbeuren, Neugablonz, Kemnat und Marktoberdorf, mehrere Drehleitern und ein Großaufgebot an Rettungsdienst und Polizei waren vor Ort. Glücklicherweise konnten alle Anwohner rechtzeitig evakuiert werden, so dass niemand verletzt wurde. Die Unversehrtheit der Bewohner haben drei anwesende Notärzte unmittelbar festgestellt. Die Lösch­arbeiten dauerten bis in den frühen Morgen und das volle Ausmaß des Brandes wurde erst am Mittwochmorgen bei Tageslicht sichtbar. Das Mehrfamilienhaus ist derzeit nicht mehr bewohnbar. Der Sachschaden wird auf eine Million Euro geschätzt.

Bereits während der Löscharbeiten lag ein beißender Ölgeruch in der Luft. Aus Fässern ist Öl in größeren Mengen ausgetreten ist. Auf Nachfrage des Kreisbote berichtete Dominic Geißler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schaben Süd/West, dass der verunreinigte Boden mit Baggern abgetragen wurde.

Zur Brandursache konnte die Polizei bisher noch nichts sagen. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung lägen nicht vor. Die Kriminalpolizei Kaufbeuren ermittelt. Auch ein Gutachter der Versicherung wird noch hinzugezogen. Sachdienliche Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Kaufbeuren unter Tel. 08341/933-0 entgegen.

Große Hilfsbereitschaft

Durch den Brand haben alle neun Parteien aus dem Mehrfamilienhaus, insgesamt 24 Menschen aller Altersstufen zwischen zwei und 60 Jahren, das Dach über dem Kopf verloren, einige sogar ihr gesamtes Hab und Gut. Zwölf Personen (zwei Familien mit kleinen Kindern und drei Einzelpersonen) wurden in zwei benachbarten Ferienwohnungen mit und vier Zimmern des Ambulanten Betreuten Wohnens (ABW) Fiebig untergebracht. Die übrigen sind bei Verwandten und Freunden untergekommen.

Stadtrat Holger Jankovsky (Grüne), Pädagogischer Leiter im ABW, startete am Mittwochmorgen spontan einen Spendenaufruf für die Betroffenen auf diversen Facebook-Seiten. Der Erfolg war überwältigend: Bereits drei Stunden später konnte er posten, dass die Lagerkapazität für Sachspenden ausgereizt sei und bat, nur mehr Geldspenden auf das inzwischen vom Lions Club Kaufbeuren eingerichtete Spendenkonto zu überweisen. Der Lions Club ist mit einer Spende von 1.500 Euro mit gutem Beispiel vorangegangen, gefolgt von „Kartei der Not“ ebenfalls mit 1.500 Euro. Seitens des Allgäuer Hilfsfonds e.V. wurde eine Soforthilfe für die Brandopfer veranlasst, so Zweiter Vorsitzender, Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Jeder von uns kann mit einer Spende ein Zeichen der Unterstützung und des Zusammenhalts in unserer Region setzen“, sagte Vorsitzender Altlandrat Gebhard Kaiser. „Der Allgäuer Hilfsfonds versichert, dass alle Spenden eins zu eins an die betroffene Familie weiter gereicht wird“, ergänzte AHF-Schatzmeister Simon Gehring.

Spendenkonten

Allgäuer Hilfsfonds e.V.:

Sparkasse Allgäu:

IBAN: DE 94 7335 0000 0000 0028 57

BIC: BYLA DEM1 ALG

Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu eG:

IBAN: DE 04 7336 9920 0000 8848 80

BIC: GENODEF1 SFO

Verwendungszweck: Brandfall KFB

Lions Club Kaufbeuren:

Lions Hilfswerk KF e.V.

IBAN: DE 96 7209 0000 0001 245279

Verwendungszweck: Gutwillen

Auch Toy Run Marktoberdorf hat eine Sammel­aktion für die Brandopfer angekündigt. Auf die angebotenen Möbel und Einrichtungsgegenstände will Jankovsky gerne zurückkommen, sobald bekannt ist, ob und wann die Familien in ihre Wohnungen zurück können oder ein neues Zuhause haben. Sachspenden, die nicht von den Brandopfern benötigt werden, kommen anderen sozialen Hilfseinrichtungen zugute.

Daniel Fiebig und seine Mitarbeiter vom ABW haben in jener Nacht bereits vor Ort vorbildliche Hilfe geleistet, haben mit den Evakuierten gesprochen und sie beruhigt, sie mit Decken und warmen Getränken versorgt, haben Kaffee gekocht, Betten überzogen und sich darum gekümmert, dass alle eine Unterkunft fanden. Nach nicht viel mehr als einer Stunde Schlaf waren dann die bereits eingehenden Sachspenden zu sichten und über 100 Mails zum Spendenaufruf zu beantworten. „Ich bin fix und fertig, aber wir sind froh, dass niemandem etwas passiert ist. Zum Glück war es noch früh am Abend, sie haben noch nicht geschlafen und sind alle selbst herausgekommen“, meinte Fiebig, und fügte hinzu, in den zur Verfügung gestellten Ferienwohnungen würden sich die Kinder wenigstens in der gewohnten Nachbarschaft befinden und nicht in fremde Unterkünfte gesteckt werden. Bei den Aufnahmen von Radio-Nachrichten am Nachmittag habe er gehört, wie eine der Bewohnerinnen äußerte, sie hoffe, dass das Haus wieder so hergerichtet werden könne wie vorher, weil das so eine tolle Hausgemeinschaft gewesen sei, und sie sei zuversichtlich und voller Dankbarkeit für die fabelhafte Hilfsbereitschaft und Solidarität der Kaufbeurer.

von Ingrid Zasche

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