"Das Verfahren ist offen und die Prüfung noch nicht abgeschlossen"

Denkmalschutz prüft noch

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Haus Nummer 9: Hier lebte der Erfinder der Zentralheizung und spätere Großindustrielle Johannes Haag.

Kaufbeuren – Das Haus an der Johannes-Haag-Straße mit der Hausnummer 9 bildet aus Sicht des Heimatvereins Kaufbeuren zusammen mit anderen Gebäuden „ein relativ dichtes Ensemble von vorindustriellen Gewerbebauten“.

Auf Betreiben des Vereins hat das „Bayerische Landesamt für Denkmalpflege“ (BLfD) eine Begutachtung des Hauses vorgenommen. Dabei geht es um eine Prüfung für die Aufnahme in die Liste denkmalgeschützter Gebäude. Dr. Ulrich Klinkert vom Kaufbeurer Heimatverein hatte Anfang dieses Jahres durch Kontakt mit dem BLfD eine Begehung speziell im Hinblick auf das Haus mit der Nummer 9 angeregt. 

Hier war nach Informationen des Heimatvereins der Geburtsort der Zentralheizungsindustrie, die den Kaufbeurer Mechaniker Johannes Haag zum Großindustriellen aufsteigen ließ. Vor wenigen Wochen fand diese Besichtigung nun statt. 

Prüfverfahren läuft 

„Wir haben noch kein Ergebnis“, so Klinkert, „das Prüfverfahren läuft nach klar vorgegebenen Regeln ab.“ Dies bestätigte auch Ulrike Gerber als zuständige Sachbearbeiterin für Denkmalpflege bei der Stadt Kaufbeuren: „Die Besichtigung durch den BLfD hat Anfang April stattgefunden. Das Verfahren ist offen und die Prüfung noch nicht abgeschlossen.“ 

Ziel ist, das Bewusstsein von der historischen Bedeutung der Gebäude zu schärfen und die Denkmalliste gegebenenfalls zu komplettieren. Wie Helge Carl als Leiter des Baureferats erläuterte, hat das laufende Verfahren zur Überprüfung der Denkmaleigenschaft eines Gebäudes im rechtlichen Sinne grundsätzlich keine hemmende Wirkung auf die Entscheidung zu einem Abriss. 

Jedoch ist das Landesamt für Denkmalpflege zu beteiligen. Sollte eine Aufnahme des Hauses in die Liste denkmalgeschützter Häuser nicht möglich sein, ist ein Abbruch des Gebäudes jederzeit möglich. 

Entscheidung ausgesetzt 

Die Behörde in München bestätigte auf eine Anfrage des Kreisboten ebenfalls die laufende Prüfung. Dabei handelt es sich nach deren Worten um eine sogenannte dendrochronologische Untersuchung. 

Die Dendrochronologie (Anm. der Red.: „Lehre vom Baumalter“) stammt aus der Altersbestimmung für Bäume mittels Zuordnung ihrer Jahresringe anhand deren unterschiedlicher Breite. Anwendung findet dieses Verfahren auch für das besagte Gebäude, um das Dachwerk auf das Jahr genau datieren zu können, wie das Landesamt im aktuellen Fall mitteilte. 

Außerdem sei die Stadt Kaufbeuren auf Grundlage von Artikel 15 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes gebeten worden, eventuell baurechtliche Entscheidungen auszusetzen, bis die Frage der Denkmaleigenschaft abschließend geklärt ist. Bereits im Mai 2014 hatte das für den Denkmalschutz zuständige Amt in München eine erste Begutachtung des gesamten Areals vorgenommen.

von Wolfgang Becker

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