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Werden wir das gebacken kriegen? Handwerkskammer 
Schwaben warnt: Stromkosten treiben Wirtschaft in den Ruin

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Von: Angelika Hirschberg

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Bäckermeister mit Tochter  2022
Bäckermeister Christian Körber und Tochter Selina sehen in der Krise auch eine Chance. © Hirschberg

Kaufbeuren/Landkreis – Mit einem Hilferuf wendet sich das Handwerk an die Politik. Die Lage sei dramatisch, denn extrem hohe Stromkosten würden viele Betriebe in den Ruin treiben, meldet die Handwerkskammer für Schwaben (HWK).

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert mehr Unterstützung für energieintensive Gewerke wie Müller, Bäcker und Brauer. Auch Christian Körber, Obermeister der Bäckerinnung Ostallgäu spricht von einer prekären Situation. Doch der Inhaber von Körbers Backstube in Kaufbeuren strahlt Zuversicht aus: „Wir werden auch diese Krise meistern.“

Wirtschaftsverbände zeichnen eine bedrohliche Lage und berichten von Anrufen verzweifelter Handwerksbetriebe, die durch die extrem hohen Strompreise an ihre Grenzen kämen. Mit Strompreissteigerungen von bis zu 300 Prozent sei zu rechnen, schreibt die Handwerkskammer Schwaben, und ihr stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Alfred Kailing, fordert in einem Brief an die schwäbischen Bundes-, Europa- und Landtagsabgeordneten: „In dieser außergewöhnlichen Krisenzeit müssen außergewöhnliche Maßnahmen greifen. Wir müssen handeln, um irreparable Schäden zu verhindern.“

Eine Umfrage der IHK Schwaben bestätigt die alarmierenden Rufe aus Produktion, Handel und Dienstleistungen. Demnach gibt mehr als ein Drittel der Unternehmen an, von den Kostensteigerungen bei Strom stark oder sehr stark betroffen zu sein. Beim Energieträger Gas ist es ebenfalls mehr als ein Drittel. Höhere Energiekosten schlagen bei nahezu allen Befragten (98 Prozent) durch.

Bäckermeister Christian Körber sieht die größte Herausforderung in der steigenden Planungsunsicherheit. Preise für Energie oder Rohstoffe ließen sich kaum realistisch über einen größeren Zeitraum kalkulieren, Lieferketten seien nur bedingt abrufbar, fehlende Stellen schwer zu besetzen. Bei Zucker, Sahne und Mehl seien Preissteigerungen von fast 100 Prozent keine Seltenheit mehr.

Und so rechnet auch er mit Preissteigerungen bei Brot und Backwaren. Körber betont: „Wir Bäcker jagen die Preise jedenfalls nicht deshalb hoch, um unseren nächsten Urlaub zu finanzieren.“ Im Gegenteil, er sehe sich in der Verantwortung für seine Familie und seine zehn Mitarbeiter.

Seine Zuversicht lässt sich der Obermeister der hiesigen Bäcker­innung jedoch nicht nehmen. „Wir Bäcker werden auch diese Krise bestehen“, sagt Körber und ist seinen Kundinnen und Kunden für Treue und Verständnis dankbar. Und er sieht auch eine Chance in der Krise: „Womöglich steigt nun unsere Wertschätzung für Brot und Backwaren wieder.“

Die Politik möchte er jedoch nicht ganz aus der Pflicht nehmen. „Unser Auftrag ist die Herstellung eines Grundnahrungsmittels“, erinnert er. „Die Politik ist nun gefordert, die Energiepreise zu deckeln und zu gewährleisten, dass wir weiterhin gute Arbeit für die Menschen von nebenan leisten können.“

Damit werden die Stimmen immer lauter, die von der Bundesregierung ein rasches Eingreifen fordern. Der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer, Kailing, kann sich beispielsweise auch eine direkte Subvention des Gaspreises ausschließlich für Gaskraftwerke vorstellen. „Der Hebeleffekt einer solchen Subvention wäre enorm, da er zu einer sofortigen Reduktion des allgemeinen Strompreises führen würde“, schreibt Kailing. Bäckermeister Körber indes lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Wir werden auch das gebacken kriegen.“

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