Wohin mit dem Hochschul-Campus?

Pohl und Bosse bei Finanzminister Füracker: Minister steht voll hinter dem Projekt

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Auf der so genannten Moserwiese könnte der Hochschul-Campus entstehen. Doch noch sind die Eigentumsverhältnisse und eine Verkaufsabsicht ungeklärt.

München/Kaufbeuren – Einen guten Verlauf nahmen die Gespräche des Kaufbeurer Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (Freie Wähler) und Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) mit dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags, Josef Zellmeier, und Staatsminister Albert Füracker (beide CSU).

Die klare Botschaft des Ministers: Der Freistaat ist fest entschlossen, am Standort Kaufbeuren einen Campus zu bauen und damit die Hochschule für Öffentliche Finanzen zu verstetigen.

Zu klären sind nun noch der genaue Zeitplan und der Standort. Nachdem beides voneinander abhängig ist, sollte das Gespräch vergangener Woche Klarheit schaffen. Mit Blick auf die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden großen Herausforderungen für der Staatsregierung müsse laut Pohl noch mehr als bisher auf die richtige Prioritätensetzung geachtet werden. Zudem sei der jetzige Zustand mit den Lehrsälen am Kaiserweiher und der Unterbringung an verschiedenen Standorten in Kaufbeuren und im Stadtteil Neugablonz „eine nur noch kurzfristig tragbare Lösung“. „Wir stellen fest, dass wir einen echten Campus brauchen, der den normalen Hochschulstandards entspricht“, beschreibt Pohl die Zielsetzung. Man sei sich einig gewesen, dass diese Maßnahme nicht nur notwendig ist, sondern auch zeitnah realisiert werden soll.

Laut Bosse will Minister Für­acker den zur Verfügung stehenden zeitlichen Spielraum jetzt nutzen, um eine Lösung zu finden, die möglichst keine Folgekosten für die Stadt beinhaltet. Daher sollen zunächst alle Alternativen (siehe unten) gleichberechtigt untersucht werden.

Geld für die Planung

Pohl zufolge habe Füracker mitgeteilt, dass im nächsten Doppelhaushalt bereits Planungsmittel für das Vorhaben eingestellt werden sollen. „Einen Baubeginn wird es zwar bis Ende 2022 nicht geben. Das wäre allerdings auch ein höchst sportlicher Zeitplan, da der Freistaat zuvor noch die Grundstücke kaufen und den Hochschulcampus planen muss“, erläutert Pohl.

Das Vorhaben sei zudem ein sehr großes Projekt. Die Kosten dieser Baumaßnahme werden laut Pohl in einer Größenordnung zwischen 50 und 100 Millionen Euro liegen. „Das Vorhaben gehört damit zu den größten staatlichen Hochbaumaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte in unserer Region“, so Pohl.

Mögliche Standorte

Derzeit seien aus Pohls Sicht zwei Standorte in der engeren Auswahl. Nachdem das ursprünglich vorgesehene Areal am Kaiserweiher aus Gründen des Landschafts- und Naturschutzes eine solche intensive Bebauung nicht vertrage und auch die Verkehrsführung nicht ganz einfach sei, blieben laut Pohl noch das Parkstadion, die Moserwiese und eventuell das Bahnhofsgelände. „Wir benötigen ausreichend Platz, da die Zahl von 300 Studenten zukünftig eher noch zunehmen wird“, sagt Pohl. Bosse stellt diesbezüglich aber klar: „Alle denkbaren Lösungen in Kaufbeuren wären erweiterbar und könnten zusätzliche Studierende ohne Probleme aufnehmen“.

Sowohl OB Bosse als auch Pohl können sich beide Standorte (Fläche Parkstadion, Moserwiese) gut vorstellen. Um dem Freistaat maximale Planungssicherheit zu gewährleisten, haben sie auch in Aussicht gestellt, dass der Freistaat Bayern schon jetzt für das Parkstadion eine Kaufoption erhalten könnte. Sollte bis zum Beginn der Planungen allerdings ein Bau auf der Moserwiese in Betracht kommen, würde die Stadt diesen Standort nach den Worten des Oberbürgermeisters bevorzugen. Zumal, wie schon erwähnt, möglichst keine Folgekosten für die Stadt entstehen sollten (siehe auch unten).

Besuch in Kaufbeuren

Am 10. Juli werden sich Vertreter des Finanz- und Bauministeriums die Grundstückssituation vor Ort anschauen und eine Beurteilung abgeben, inwieweit diese sich für den geplanten Hochschul-Campus eignen. „Ich freue mich sehr, dass wir als Stadt Kaufbeuren hier sofort handlungsfähig sind. Ich halte beide Standorte für gut geeignet. Es ist kein Geheimnis, dass ich schon seit vielen Jahren für eine Bebauung des Parkstadions werbe. Nachdem in unmittelbarer Nachbarschaft auch das Behördenzentrum mit der Außenstelle der Staatskanzlei, dem Landesamt für Finanzen und dem BayernLAB angesiedelt wird, wäre das eine runde Sache. Natürlich müssen wir dann die Sportanlage an einem anderen Standort neu bauen. Insgesamt aber wird das ein Riesengewinn für Kaufbeuren und die Region werden“, so Pohl abschließend.

Die Standorte im Fokus

Parkstadion

Für die Nutzung als Campus müssten allerdings die Spielvereinigung Kaufbeuren und der Turnverein umziehen. Pohl favorisiert diese Lösung, da sie seiner Einschätzung nach schnell umzusetzen sei. Nachdem in unmittelbarer Nachbarschaft auch das Behördenzentrum mit der Außenstelle der Staatskanzlei, dem Landesamt für Finanzen und dem BayernLAB angesiedelt wird, wäre das für Pohl „eine runde Sache“. OB Bosse kann sich mit dieser Lösung zwar auch anfreunden, verweist aber auf die erheblichen Folgekosten für die Stadt. Denn der Erlös aus dem Grundstückverkauf gehöre zur Hälfte einer Stiftung. Als Ausgleich für die Vereine müssten zudem Alternativen ertüchtigt werden. Etwa das wenig genutzte Stadion an der Turnerstraße.

Moserwiese

Die Fläche wird aktuell landwirtschaftlich genutzt. Kosten für den städtischen Haushalt hätte diese Variante nicht zur Folge. Der Freistaat könnte die Fläche kaufen und dort bauen. Aber: noch ist nicht geklärt, wem die Wiese eigentlich gehört. Erbstreitigkeiten beschäftigen aktuell die Gerichte. Fraglich ist ferner, ob der neue Eigentümer dann die Fläche überhaupt verkaufen möchte.

Bahnhofsareal

Das Areal würde das alte Eisstadion, das ehemalige Gasthaus „Am Bad“ und die Parkplätze an der Johannes-Haag-Straße einschließen. Jedoch hält sich die Begeisterung bei allen Beteiligten in Grenzen, da hier kein wirklicher Campus-Charakter entstehen würde.

von Kai Lorenz

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