Rekordtief bei Kriminalfällen 2020 und höchste Aufklärungsquote seit 20 Jahren

Kaufbeuren ist die sicherste kreisfreie Stadt in Südbayern

Polizeioberkommissar Jakob Wich präsentiert Kaufbeurens Kriminalstatistik 2020
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Polizeioberkommissar Jakob Wich präsentiert Kaufbeurens Kriminalstatistik 2020.

Kaufbeuren – Schon bei den alten Griechen hieß es „es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist“. Das scheint sogar für Corona zuzutreffen: Zumindest die Einbruchsdiebstähle sind wegen der Ausgangssperren deutlich zurückgegangen. Das zeigten die Zahlen der Kriminalstatistik 2020, die Polizeioberkommissar Jakob Wich am vergangenen Donnerstag präsentierte.

Anwesend waren auch der Dienststellenleiter der PI Kaufbeuren, Polizeihauptkommissar Markus Ziegler, und der Leiter der Kripo im Bereich Kaufbeuren und im Landkreis Ostallgäu in den PI-Bereichen Buchloe und Kaufbeuren, Kriminalhauptkommissar Andreas Buchmiller. Wegen der unterschiedlich großen Zuständigkeitsbereiche konnten die Kripo-Zahlen nicht in allen Details, sondern nur pauschal auf Kaufbeuren heruntergebrochen werden.

Bayerns Polizei meldete für 2020 insgesamt die niedrigste Anzahl Straftaten seit 1979. In Schwaben Südwest gab es einen leichten Anstieg (2,2 Prozent) der Delikte, deren Zahl jedoch schon 2019 vergleichsweise niedrig war. Kaufbeuren hatte gegenüber 2019 einen weiteren Rückgang um 1,9 Prozent auf ein absolutes Rekordtief an Fallzahlen zu verzeichnen: Die absolute Zahl der Gesamtstraftaten in Kaufbeuren fiel im Vergleich zum Vorjahr von 2.270 auf 2.226 Delikte. Die Kriminalität in Kaufbeuren hat sich seit 2010 kontinuierlich verringert. Dazu kommt in ganz Bayern die höchste Aufklärungsquote seit 26 Jahren, in Schwaben Südwest sogar die höchste seit Bestehen und in Kaufbeuren die höchste seit über 20 Jahren. Die Gefahr erwischt zu werden habe auch eine präventive und abschreckende Wirkung auf potentielle Straftäter und könne den Einwohnern ein gutes subjektives Sicherheitsgefühl vermitteln. Kaufbeuren sei derzeit „die sicherste kreisfreie Stadt in Südbayern“, so Polizeioberkommissar Wich.

Von den von der Kriminalpolizei 2020 bearbeiteten 366 Fällen betreffen rund zwei Drittel (225) die Stadt Kaufbeuren. Diese sind in den Kaufbeurer Gesamtzahlen enthalten. Das sind zwar sieben mehr als 2019, die Aufklärungsquote bei der Kripo beträgt jedoch stolze 88,4 Prozent. Auch hier sind die schweren Diebstähle um rund 34 Prozent zurückgegangen (von 39 auf 26), hiervon wurden jedoch nur 50 Prozent der Täter überführt. Oft gebe es kaum verwertbare Spuren oder die „Spurenverursacher“ (=Täter) seien nicht aktenkundig, erläuterte Kriminalhauptkommissar Buchmiller. Zum statistischen Ausgleich wurden jedoch 98,1 Prozent aller schweren Rauschgiftdelikte aufgeklärt, obwohl diese von 37 auf 54 angestiegenen sind. Mit der um 3,3 Prozent auf 75,2 Prozent gestiegenen Gesamt-Aufklärungsquote, die deutlich über dem bayernweiten Schnitt (68,1 Prozent) liege, zeigte sich die Kaufbeurer Polizei äußerst zufrieden.

Die Verteilung der Tatverdächtigen auf Alter und Geschlecht ist nahezu gleich geblieben: Der Anteil von Kindern (drei Prozent), Jugendlichen und Heranwachsenden beträgt zusammen rund 22 Prozent, 74 Prozent aller Täter sind männlich. Die Anzahl der nicht-deutschen Straftäter ist um zwei Prozent auf 28 Prozent gesunken.

Zum Glück kein Mord und Totschlag

Was den Bereich der Gewaltkriminalität betrifft, wurden mit 206 leichten Körperverletzungen 19 weniger als 2019 verzeichnet, mit 91 schweren Körperverletzungen zehn mehr, Raub und Vergewaltigungen stiegen um jeweils einen auf zwölf und zehn Fälle, es kamen 2020 jedoch weder Totschlag noch Mord vor. Bei Diebstählen wurde ein Rekordtief von 460 Fällen erreicht, fast die Hälfte des Durchschnitts der letzten zehn Jahre (753) und 187 weniger als 2019 (647). Unter anderem wurde das dem verstärkten Einsatz von Streifen im Bahnhofsbereich zugeschrieben, der 2019 als Brennpunkt von Fahrraddiebstählen identifiziert worden war. Diese gingen um 45 auf 100 Fälle zurück. Auch mit sechs Wohnungseinbrüchen gab es rund 57 Prozent weniger als im Vorjahr (14). Angestiegen sind dagegen weiterhin die Vermögens- und Fälschungsdelikte (von 304 auf 326) sowie Betrugsfälle (von 227 auf 236). Die Straftaten haben sich spürbar in den digitalen Raum verlagert, wobei organisierte Banden meist vom Ausland oder von „unbekanntem Ort“ aus operieren. Somit handelt es sich hierbei um so genannte Tatort-Kriminalität und die meisten dieser Fälle werden zentral von der Abteilung „Cybercrime“ bearbeitet, wo das hierfür erforderliche umfangreiche Fachwissen vorhanden ist. Ebenfalls angestiegen ist die Rauschgiftkriminalität insgesamt von 166 auf 190 Fälle, wobei die Verstöße mit Heroin (einer) und Kokain (fünf) gleich geblieben und Vorkommnisse mit Cannabis sogar von 84 auf 78 zurückgegangen sind. Der Anstieg wurde auch in Zusammenhang mit verstärkter Kontrolltätigkeit gebracht. Betroffen machte die Polizei allerdings, dass die Täter bei Vorfällen mit Cannabis immer jünger würden und „bald mehr Cannabis als Alkohol“ im Spiel sei, so Polizeihauptkommissar Markus Ziegler. Auch bei der Straßenkriminalität gab es einen Zuwachs mit 132 Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (Vorjahr 116) und 92 (gegenüber 59) Sachbeschädigungen an Straßen und Plätzen, die vor allem als Graffiti-Schmierereien festgestellt wurden. Widerstand und Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte haben sich von 30 auf 27 Fälle vermindert, was man auf den Einsatz von Bodycams zurückführt.

Zusammenfassend stellte Polizeioberkommissar Wich noch einmal fest, dass es sich in Kaufbeuren nicht nur gut, sondern auch sicher leben lasse. Präventive Maßnahmen gegen Callcenter-Betrügereien an vor allem älteren Mitbürgern (zum Beispiel „Enkeltrick“, „Love Romance“ oder „Falscher Polizist“) könne übrigens jeder einzelne treffen, indem man in der Nachbarschaft aufeinander aufpasse und miteinander rede.

von Ingrid Zasche

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