Sozialarbeit und Kinderbetreuung im Visier

"Auf dem Prüfstand"

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Eine Bilanz: „Sozialtraining“ an der Gustav-Leutelt-Schule mit positiven und negativen Aspekten.

Der Kaufbeurer Jugendhilfeausschuss nimmt in seiner jüngsten Sitzung die Sozialarbeit und Kinderbetreuung ins Visier

„Etwas tun, bevor Probleme überhaupt entstehen“ – unter dieses Motto könnte die jüngste Sitzung des Jugendhilfeausschusses gestellt werden. Auf der Tagesordnung standen sowohl der Abschlussbericht der Kaufbeurer Jugendsozialarbeiterin Andrea Serwuschok über ein sogenanntes Sozialtraining an der Gustav-Leutelt-Schule, welcher neben einigen positiven Aspekten auch die möglichen Schwachpunkte eines solchen Projekts offenlegte, als auch die Aner- kennung der künftig benötigten beziehungsweise geplanten Kindergarten- und Krip- penplätze im Stadtgebiet. Cornelia Wagner von der Koordinierenden Kinderschutzstelle („KoKi“) stellte das „Willkommenspaket Baby aktiv“ vor, das frischgebackenen Eltern präventiv die örtlichen Hilfs- und Betreuungsangebote nahe bringen will. Und Michael Böhm vom Stadtjugendring beantragte, bezüglich der Sozialarbeit an Schu- len alle drei Jahre künftig einen detaillierten Bericht einzufordern. 

Die Begleitung im Form von sozialen Projekten und Trainingsprogrammen wird allgemein als wichtiges Mittel angesehen, gesellschaftlich oder finanziell benachteiligte Jugendliche auf ihrem Werdegang zu unterstützen. So gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Ansätzen und Projekten. Dass es aber umso wichtiger ist, die entsprechenden Ergebnisse kritisch und objektiv zu betrachten, wurde auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses klar. Andrea Serwuschok, Jugendsozialarbei- terin an der Gustav-Leutelt-Schule (GLS) und Mitarbeiterin des Erziehungs- und Jugendhilfeverbundes, stellte das Ergebnis eines Sozialtrainings vor, welches von Januar bis Juli dieses Jahres durchgeführt wurde. Ziele der wöchentlich stattfindenden Einheiten in den Jahrgangsstufen sechs, sieben und acht waren unter anderem die Förderung sozialer Kompetenzen wie realistische Selbstwahrnehmung, Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen sowie der Abbau von sogenanntem „Mobbing“ innerhalb der Klassen. Zwar habe man einige wichtige Erkenntnisse gewonnen und das soziale Miteinander habe in mehreren Punkten verbessert werden können, jedoch habe sich vor allem die Betreuung der Jugendlichen durch schulfremde Sozialtrainer als „problematisch“ herausgestellt, resümierte Serwuschok. So hätten die regulären Lehrkräfte der entsprechenden Klassen „nicht viel von dem Pro- gramm mitbekommen. Serwuschoks Fazit: Man habe gewisse Erfolge erzielt, zum Beispiel habe die Zahl aggressiver Vorkommnisse innerhalb der Klassengemeinschaft um rund 25 Prozent abgenommen. Zukünftig sei es aber unabdingbar, ein solches Sozialtraining in enger Kooperation, im besten Fall sogar zusammen mit dem jeweiligen Klassenlehrer beziehungsweise Klassenlehrerin durchzuführen. Auch sollten laut Abschlussbericht ausführliche Informationsrunden für die übrigen Lehrkräfte sowie die Eltern der betreffenden Schülerinnen und Schüler stattfinden. Dies helfe dabei, sowohl Vorbehalte gegen das Sozialtraining abzubauen als auch den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern gegenüber selbstbewusster auftreten zu können. Dem stimmte Alfred Riermeier, Leiter des Jugend- und Familienreferats, zu: „Schule und Jugendhilfe sollten wie ein Tandem funktionieren. Das vorliegende Projekt war definitiv einen Versuch wert, aber wir brauchen künftig Programme, in denen die Jugendhilfe und Schule ganz eng zusammen arbeiten“. Für die unvoreingenommene und kritische Auf- arbeitung des Sozialtrainings bekamen Serwuschok und Riermeier einigen Zuspruch vom Gremium. Allerdings gab Otto Richard Zobel zu bedenken, dass es grundsätzlich schwierig sei, die Erfolge solcher Projekte objektiv zu bemessen. 

Künftig Berichtspflicht für Sozialarbeit an Schulen

Um künftig auch den Einsatz der Kaufbeurer Schul-Sozialarbeiter besser steuern zu können und unnötige oder ineffektive Einsätze derselben zu vermeiden, beantragte Michael Böhm, Geschäftsführer des Stadtjugendrings (SJR) einen detaillierten Bericht in Drei-Jahres- Rhythmus darüber, wann, wo und wie lange die Sozialarbeiter tätig geworden sind. Da für die momentan 7,5 Vollzeitstellen für Sozialarbeit an Schulen einige Kosten entstünden, sei es wichtig, von Seiten des Jugend- und Familienreferats beziehungsweise des Jugendhilfeausschusses flexibel eingreifen zu können, so Böhm. Er rannte damit bei den Auschussmitgliedern offene Türen ein, denn nach der Zustimmung von Alfred Riermeier: „Eine regelmäßige Auswertung ist sicherlich immer gut“, mündete der Antrag in einen einstimmigen Beschluss. Ab 2014 sollen nun regelmäßige Berichte über die Schul-Sozialarbeit verfasst werden. 

Mehr Betreuungsplätze für Kaufbeuren

Ein weiteres wichtiges Grundsatzthema im Rahmen der Sitzung war die Anerkennung der Bedarfe an Kindergarten- beziehungsweise Krippenplätzen. Direkt damit verbunden sind die Beschlüsse zum Ausbau bestimmter Einrichtungen sowie die finanzielle Förderung pro Betreuungsplatz. Vor rund zwei Jahren hatte die Stadt Kaufbeuren zuletzt eine entsprechende Bedarfsanerkennung vorgenommen. Demgegenüber gibt es nun einige Änderungen:

• Im AWO Kindergarten Oberbeuren wird der Bedarf an einer Krippen-Gruppe mit insgesamt zwölf Ganztagsplätzen anerkannt

• In der Kindertageseinrichtung „Klinikum“ werden 24 Ganztagsplätze in zwei Krippen-Gruppen und 50 Plätzen für Kindergartenkinder eingerichtet

• In der Kindertageseinrichtung Blattneiweg wurde die Anzahl der Kindergarten-Plätze nach Absprache mit der Regierung von Schwaben um fünf auf nunmehr 55 Plätze erweitert

• Im „Haus für Kinder St. Josef“ erfolgt eine Anerkennung von 25 Plätzen für Kinder im Grundschulalter aufgrund eines „erhöhten Betreuungsbedarfs seit dem Schuljahr 2012/13“ – bislang waren es 14 Plätze; zudem werden die 86 Krippenplätze, die eigentlich reduziert werden sollten, doch weiter vorgehalten.

Vor allem bei den letzten beiden Punkten nennt die Beschlussvorlage als Begründung, es müsse einem „derzeitigem Mangel an Kindergartenplätzen in Kaufbeuren entgegen gewirkt werden“, zudem bestünden „Unwägbarkeiten“ im Zusammenhang mit dem ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. In Bezug auf die Erweiterung der sogenannten „Hortplätze“ für Grundschulkinder im Haus St. Josef erklärte Werner Maurer vom Jugendamt , diese sei der Stadt „nicht ganz leicht gefallen“: „Eigentlich legen wir für diese Altersgruppe das Augenmerk eher auf den Ausbau der Ganztagsschule“. Im Bereich Innenstadt gebe es derzeit einen Mangel an Kindergartenplätzen, jedoch keine Möglichkeit, diese auszubauen. Die Aufstockung der Plätze im „Blattneiweg“ sei daher als „Puffer“ gedacht. Otto Richard Zobel brachte es mit seiner Frage auf den Punkt, als er einwarf: „Wie sieht die Situation konkret für die ganze Stadt aus? Müssen Eltern abgewiesen werden?“ So direkt könne die Frage nicht beantwortet werden, betonte Maurer: „Bislang konnten wir nötige Plätze immer vermitteln, allerdings ist das auch darin begründet, dass nicht alle Eltern auf einen einmal nachgefragten Platz bestehen“. Zudem bedeute ein „Eins zu Eins“-Verhältnis von Kindern und Betreuungsplätzen nicht automatisch bedeute, dass es keine Belegungsprobleme mehr gebe: „Dabei spielt nicht nur das zahlenmäßige Vorhandensein von Plätzen, sondern auch Faktoren wie Öffnungszeiten oder Erreichbarkeit eine Rolle“. 

"Willkommenspaket"  für neue Eltern

Um eine andere Art der Unterstützung von Kaufbeurer Eltern ging es bei Cornelia Wagner von der Koordinierenden Kinderschutzstelle („KoKi“). Sie stellte das neue Programm „Willkommenspaket Baby aktiv“ vor. 10.000 Euro hat die Abteilung Kinder und Familie im Haushalt 2013 für diese Präventivmaßnahme eingeplant. Eltern eines Neugeborenen sollen mit einem „Willkommenspaket“ in Form einer Schultüte gleichzeitig das Angebot erhalten, verschiedene Hausbesuche oder Gesprächsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. 

Unter Zugrundelegung der Erfahrungen anderer Kommunen gehe man davon aus, dass ungefähr ein Drittel der frischgebackenen Eltern davon Gebrauch machen werde, so Wagner. Das Angebotsspektrum reiche „von A wie Adressen von Beratungsstellen über Krabbelgruppe bis hin zu W wie Wochenbettdepression“. Beabsichtigt werde mit dem Programm, dass Eltern wüssten, wohin sie sich bei Problemen wenden könnten, bevor eine Situation aus dem Ruder laufe. Auch wolle man den Eltern eine langwierige Suche nach den richtigen Ansprechpartnern ersparen. Frisch

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