Der leidige Abfall

Kaufbeuren: Maßnahmen gegen steigende Entsorgungskosten in der Diskussion

Frau entsorgt Müllsäcke.
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Die Stadt Kaufbeuren bietet mit den vorhandenen Wertstoffhöfen einen ausgesprochen guten Service für ihre Bürger im Bereich der Entsorgung.

Kaufbeuren – Der Müll ist ein ungeliebtes Kind: Jeder produziert ihn und niemand will ihn! Dass die Müllmengen aber jährlich steigen, ist eine belegte Tatsache. Und damit auch die anfallenden Kosten für die Entsorgung, die in der Stadt in den letzten drei Jahren um 20 Prozent gestiegen sind. Dies machte Christian Mayer als zuständiger Abteilungsleiter für Entsorgung seitens der Stadt in seinem Vortrag bei der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Mobilität deutlich. Auch die Ende 2015 geschlossene Deponie muss durch eine neue Aktiventgasungsanlage ersetzt werden, da die seit 26 Jahren bestehende Anlage veraltet ist und aufgrund der gesunkenen Gasmengen nicht mehr rentabel arbeitet.

Die Ursachen für die gestiegenen Kosten haben verschiedene Gründe. Dieser sich weiter abzeichnende Aufwärtstrend liegt einerseits in den weitergehenden gesetzlichen Anforderungen an die Umweltverträglichkeit von Entsorgungstechnologien sowie andererseits auch im geplanten Neubau des Wertstoffhofes auf dem Gelände der Kläranlage, wie der Fachmann für Entsorgung erläuterte. Aus Sicht der Verwaltung sollten die Müllgebühren in der Zukunft stabil gehalten werden.

Mögliche Maßnahmen hierzu könnten seiner Meinung nach Anlieferbegrenzungen und die strikte Unterbindung der Anlieferung von Gewerbe- und Fremdabfall sein. Letztgenannter Abfall entstehe auch durch Bürger aus den Umlandgemeinden, die ihren Müll entsorgen, und damit von den nahezu kostenlosen und mengenmäßig unbegrenzten Müllabgaben der Kaufbeurer Privathaushalte profitieren. Insbesondere an den rund um die Uhr zugänglichen Grüngutsammelstellen in Neugablonz wurden mehrfach Fahrzeuge mit auswärtigem Kennzeichen beobachtet, die Grüngut und auch andere Abfälle dort ablagern und zusätzlichen Reinigungsaufwand verursachten. Unterstützt werde das unter anderem durch die Tatsache, dass Kaufbeuren mit bis zu 47 Stunden pro Woche gegenüber Germaringen und Pforzen mit sechs Stunden wesentlich günstigere Abgabezeiten anbiete.

Weit über Durchschnitt

Da für Hausmüll und Biomüll ein Abholsystem eingerichtet ist, sind Fremdanlieferungen ausgeschlossen. Der Fokus liegt nach einer Analyse der Verwaltung auf Altholz, Grünabfälle und Sperrmüll. In diesen Bereichen liegen die Mengen zwischen 50 Prozent bis zum Zweifachen über dem bayerischen Durchschnitt. Eine Senkung auf diesen Durchschnitt könnte bis zu 150.000 Euro pro Jahr einsparen. Das jährlich zweimalige kostenlose Angebot für die Abholung von Sperrmüll führe teilweise dazu, dass ganze Einfamilienhäuser zulasten des Gebührenzahlers entrümpelt werden.

Maßnahmen in der Diskussion

Der Entsorgungsfachmann hatte aus zwei Schritten bestehende Lösungen vorbereitet (siehe Infokasten). Diese stießen nicht alle auf Zustimmung im Ausschuss. Catrin Riedl (SPD) sagte, „die Kaufbeurer Bürger trennen fleißig Müll“, da sie bei Hausmüll unter und dem Gelben Sack über dem Bayerndurchschnitt lägen und nicht bestraft werden sollten. Eine Einschränkung bei Sperrmüll fand sie schlecht, schlug aber eine Schließung der beiden Grüngutsammelstellen in Neugablonz und eine Kennzeichenerkennung beim Befahren der Wertstoffhöfe vor. Sie empfahl auch ein Gespräch mit den Umlandgemeinden Pforzen und Germaringen bezüglich derer kurzen Öffnungszeiten. Karl Eichinger (FW) dagegen warnte vor wilden Müllablagerungen bei Schließung der Grüngutsammelstellen.

Markus Holste (CSU) schlug vor, die Öffnungszeiten anders zu staffeln, um insbesondere am Samstag berufstätigen Menschen entgegenzukommen. Dem schloss sich Holger Jankovsky (Grüne) an und konnte sich auch Anreize über eine Belohnung für gute Mülltrennende vorstellen. Marcus Kühl (Grüne) regte an, über eine Beteiligung an den Kosten mit den Nachbargemeinden zu sprechen. Da der Ausschuss sich nicht auf konkrete Maßnahmen im Detail einigen konnte, werden die Vorschläge in den Fraktionen nochmals besprochen und in der nächsten Stadtratssitzung entschieden.

Gasmengen gesunken

Die organischen Bestandteile des auf der Müllhalde abgelagerten Hausmülls werden im Deponiekörper durch Mikroorganismen verstoffwechselt. Durch die stetig gesunkenen Gasmengen musste die Verwertung des Deponiegases in einem Blockheizkraftwerk bereits 2017 eingestellt werden. Das noch vorhandene Deponiegas besteht überwiegend aus brennbarem und klimaschädlichem Methan, welches durch die vorhandene und veraltete Aktiventgasungsanlage abgesaugt wird. Mayer schlug die Beschaffung einer sogenannten Schwachgasanlage vor, die jedoch eine Nutzung der Abwärme nicht rentabel zulässt. Die für 2021 geplante Beschaffung der Anlage mit Kosten in Höhe von etwa 210.000 Euro segnete der Ausschuss einstimmig ab.

Wolfgang Becker

Vorschläge für Müllreduzierung und Kostensenkung

  • 1. Kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zum 1. Januar 2021:
  • Keine Abnahme von Altreifen mehr, da dies nicht zur Verpflichtung als Entsorgungsträger gehört. Reifenhändler und Werkstätten bieten Entsorgung an.
  • Beibehaltung der jetzigen Corona-bedingten Öffnungszeiten an den beiden Wertstoffhöfen am Samstag, da diese im Gleichklang mit den Öffnungszeiten des Umlandes stehen.
  • 2. Maßnahmen ab 1. Januar 2022 bzw. mit Eröffnung neuer Wertstoffhof:
  • Herkunftskontrolle bei Grüngut- und Altholzanlieferungen
  • Schließung der beiden Grüngutannahmestellen in Neugablonz
  • Begrenzung der Sperrmüllabholung auf drei Kubikmeter, Anlieferung von Sperrmüll am neuen Wertstoffhof generell gebührenpflichtig
  • Deutliche Reduzierung für angelieferten Restmüll (bisher 20 Euro)
  • Bestimmung von Sammelplätzen für Behälter an schwer zugänglichen Grundstücken
  • Kein Anspruch auf hauseigene Biotonne

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