Pin setzen und Idee posten

Interaktive Bürgerbeteiligung: Impulse einbringen für Aufwertung der Innenstadt

Fußgängerzone Kaufbeuren Brunnen
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Die Stadt Kaufbeuren schreibt aktuell den städtebaulichen Rahmenplan für die Innenstadt fort. Als nächsten Verfahrensschritt sollen die einzelnen Zielvorstellungen erarbeitet werden, wozu auch die Bürger eingebunden werden sollen.

Kaufbeuren – In welche Richtung soll sich die Innenstadt bei Themen wie Wohnen, Verkehr, Handel und Ökologie weiterentwickeln? Welche Projekte stehen in den nächsten Jahren im Mittelpunkt? Antworten auf diese Fragen erhofft sich die Stadt mithilfe von Ideen und Anregungen der Bürger, die dann in das Konzept des Rahmenplans für die Innenstadt mit einfließen werden. Möglich macht das in Corona-Zeiten ein sogenanntes Online-Bereitstellungstool.

Ab sofort und bis zum 15. November können sich alle Kaufbeurer und auch Gäste aus dem Umland mit ihren Vorschlägen in die Sanierung und Aufwertung der Kaufbeurer Innenstadt einbringen. Die Stadt führt in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Architektur- und Stadtplanungsbüro Haines-Leger ein Bürgerbeteiligungsformat durch, das auch in Zeiten von Corona möglich ist. Eine interaktive Onlinebeteiligung über das sogenannte ePIN-Verfahren ist nach der Registrierung bequem von unterwegs oder Zuhause aus möglich. Das Portal ist unter www.kaufbeuren.e-pin.eu mit PC, Tablet und Smartphone erreichbar.

Mit Hilfe der Städtebauförderung beabsichtigt die Stadt Kaufbeuren die Sanierung, Stärkung und Aufwertung der Innenstadt in einem erweiterten räumlichen Umgriff fortzusetzen sowie neu zu beleben. Dafür wird – aufbauend auf den Ergebnissen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) von 2017 – der vorliegende städtebauliche Rahmenplan für die Innenstadt aus dem Jahr 2008 fortgeschrieben und ergänzt.

Im Ergebnis soll der Rahmenplan ein Ziel- und Maßnahmenkonzept bereitstellen, das der Stadt als neues Instrument für die zukünftige Innenstadt­sanierung dient. Untersucht wird nicht nur der Kern der Altstadt mit dem südlichen Teil, sondern auch das angrenzende Gebiet und die Anbindung um den Jordanpark, das Bahnhofsumfeld, das Gebiet um die Kulturwerkstatt sowie der Afraberg. Somit wurde der Untersuchungsbereich laut Domini Koj, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtplanung, erweitert.

„Wir wollen den Bürgern keinen Projektkatalog vorlegen“, so der Baureferent der Stadt Kaufbeuren Helge Carl. Im Rahmen der Fortschreibung des Rahmenplans werden die Bürger aktiv in den Planungsprozess eingebunden. Das Baureferat zählt auf eine hohe Beteiligung der Bevölkerung durch wichtige Hinweise, Wünsche und Anregungen. „Ich würde mich über mehrere hundert Pins freuen“, sagte Carl.

Damit trotz der aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie die Kaufbeurer in dem Erstellungsprozess des städtebaulichen Rahmenplans eingebunden werden können, wurden die ursprünglich geplanten Beteiligungsformate angepasst. „Beteiligungsprozesse müssen sich angesichts der Abstandsregelungen verändern, um wirksam zu bleiben. Mit klugen digitalen Lösungen kann die Beteiligung für die Bürger interaktiver, breiter und natürlich auch einfacher gestaltet werden als bisher,“ so der Baureferatsleiter. Darüber hinaus eröffnet ePIN die Möglichkeit, Hürden zu senken und neue Gruppen der Bürgerschaft in den Beteiligungsprozess einzubinden, um somit eine breite Beteiligung zu erreichen.

So funktioniert die Bürgerbeteiligung

ePIN ist ein elektronisches Beteiligungsformat, das es den Bürgern ermöglicht, ihr Wissen um den Ort sowie Visionen und Wünsche für die Innenstadt Kaufbeurens einzubringen. Letztlich sind sie diejenigen, die die Innenstadt nutzen und denen Dinge auffallen – vom fehlenden Mülleimer bis hin zu Vorschlägen für leerstehende Einzelhandelsflächen. Das Format lasse alle Themen zu, auch Vorschläge zu Veranstaltungen.

Mit ePIN können Ideen online und anonymisiert durch Pins in einem Stadtplan platziert sowie Beiträge der Mitbürger verfolgt und kommentiert werden. Personenrelevante Daten werden dabei nicht preisgegeben. Mit den Daumen-Buttons „gefällt mir“ und „gefällt mir nicht“ besteht die Möglichkeit, bereits eingestellte Ideen von anderen zu bewerten. So können alle gemeinsam auch digital in einen bürgerschaftlichen Dialog treten. „Je mehr virtuelle Erörterung stattfindet, umso besser“, so Carl.

Oberbürgermeister Stefan Bosse ist gespannt auf die Hinweise aus der Bevölkerung bittet um rege Beteiligung am Verfahren. „Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger diese Chance nutzen, um die weitere Entwicklung unserer Innenstadt aktiv mitzugestalten. Sie sind schließlich die Experten des Alltags.“ Er kann sich vorstellen, dass etwa das Thema „Wasser erlebbar machen“ in den Vordergrund rücken könnte und verwies auf den Schwanenweiher. Alte Bachläufe könnten wieder sichtbar gemacht werden. Er persönlich sieht die Innenstadt als „starken Wohnstandort mit hoher Aufenthaltsqualität in der Zukunft“.

Informationsstand

Neben dem Online-Beteiligungstool wird heute, 1. Oktober, auf dem Wochenmarkt ein Informationsstand errichtet. Während des Marktes besteht für die Bürger Kaufbeurens und von ­außerhalb die Möglichkeit sich über das Verfahren zu informieren und mündlich oder schriftlich Anregungen vorzubringen. Das Maskottchen der städtischen Baumaßnahmen, die Bauameise, wird Flyer verteilen und für Aufmerksamkeit sorgen.

von Martina Staudinger

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