„Unternehmerischer Weitblick“

Gablonzer Siedlungswerk auf dem Weg in die Zukunft

Der Geschäftsführende Vorstand des Gablonzer Siedlungswerks, Christian Sobl
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Der geschäftsführende Vorstand des Gablonzer Siedlungswerks, Christian Sobl, beim Jahresabschluss 2019.
  • Wolfgang Becker
    VonWolfgang Becker
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Kaufbeuren – Es gab nur gute Nachrichten bei der 71. Mitgliederversammlung des Gablonzer Siedlungswerkes (GSW) zu verkünden. Das galt sowohl für die vom geschäftsführenden Vorstand Christian Sobl vorgestellten Zahlen und dessen Lagebericht ebenso wie für den Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Wolfgang Völsch. Auch der Prüfungsbericht vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) ließ keine Zweifel an einer gesunden Struktur des genossenschaftlichen Wohnungsbauunternehmens aufkommen. Darüber hinaus gab Sobl den Mitgliedern einen Ausblick über bereits angelaufene Maßnahmen und Investitionen in der Zukunft. Oberbürgermeister Stefan Bosse sprach in seinem Grußwort von „Mut und unternehmerischem Weitblick“ des Unternehmens.

Nach der Begrüßung durch Dr. Völsch und Verlesen der verstorbenen Mitglieder erfolgte Bekanntgabe des Prüfungsberichtes vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) als führender Fach- und Interessenverband für 492 Mitgliedsunternehmen. Erstmalig fand dies durch Bettina Kudla als Vertreterin des Prüfungsausschusses statt. In dem zusammengefassten Testat bescheinigte sie der Genossenschaft unter anderem eine „gute, sichere und verantwortbare Wohnungsversorgung, die alle Formalien erfüllt und gemäß Vorschriften und Satzung handelt“. Sie bezeichnete den vom Vorstand vorgelegten Lagebericht als „zutreffend und die Zahlungsfähigkeit auf absehbare Zeit gewährt sowie „die Arbeit von Aufsichtsrat und Vorstand ordnungsgemäß“.

Jahresabschluss und Lagebericht

In seinem Jahresabschluss ging der Vorsitzende ausführlich auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung ein (siehe Infokasten). Eine nennenswerte Veränderung erläuterte er in der Position Betriebs- und Geschäftsausstattung mit plus rund elf Prozent für eine neue Telefonanlage und bei den geleisteten Anzahlungen von 14.800 Euro auf 305.000 Euro für einen Grundstückskauf. Als besonders kritisch bezeichnete Sobl den Höchststand an Forderungen aus Vermietung in Höhe von 60.477 Euro. Die erhöhte Anzahl an Schuldnern sei nicht Corona geschuldet, sondern hänge mit mangelnder Kooperationsbereitschaft einzelner Mieter zusammen. Mit Bildern unterlegt Sobl die Hinterlassenschaften verwahrloster Wohnungen, die mit großem Aufwand saniert werden müssen.

Bilanz:

Jahresabschluss: 57,5 Millionen Euro (-1,4 Prozent zu 2019)

Grundstücke Wohn- u. Garagengebäude: 50,3 Mio. Euro

Grundstücke mit Geschäftsgebäuden: 1,35 Mio. Euro

Außenanlagen: 1,79 Mio. Euro

Noch nicht abgerechnete Leistungen: 2,27 Mio. Euro

Langfristig verfügbares Eigenkapital: 43,3 Prozent der Bilanzsumme (+3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

• Gewinn und Verlustrechnung Jahresüberschuss:

1,53 Mio. Euro

Einstellung in Rücklagen: 758.000 Euro

Bilanzgewinn: 776.374 Euro

• Entwicklung der Genossenschaft

Mitglieder 2020: 1627 (2019: 1638)

10.972 Anteile (2019: 10.995)

1458 Wohnungen

561 Garagen

61 sonstige Einheiten

Im Lagebericht legte Sobl die Ziele und Strategien für die Zukunft dar. Dazu gehöre auch der schon laufende Ausbau mit Glasfaserkabel. Mit Blick auf die jährlich um ein Prozent wachsende Bevölkerung in Kaufbeuren erhalte der Neubau von bezahlbarem Wohnraum eine höhere Bedeutung, auch barrierefrei. „Gute Freiraumplanung gehört für uns zu einem qualitativen Wohnumfeld“, sagte der Vorstand, „wir verstehen uns als dienstleistungsorientiertes, modernes Unternehmen der Wohnungswirtschaft.“

Investition

Dazu kündigte er an, dass zum Jahresende an der Falkenstraße Nummer zwei bis zehn der Abbruch der Gebäude erfolgt. Ab 2022 entsteht hier ein Neubauquartier unter der Bezeichnung „Generationencampus#Kleeblatt“. Abschließend beurteilte der Vorstand die wirtschaftliche Lage als positiv. Für die Genossenschaft seien keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar.

Dr. Völsch listete die Tätigkeiten des Aufsichtsrates und der beiden Ausschüsse anhand der durchgeführten Sitzungen und Prüfungen auf. Er ging auch auf die besondere Situation des vergangenen und laufenden Jahres ein und sagte auch mit Blick auf die unterschiedlichen Kommunikationsmittel: „Stimmungslagen ändern sich, Emotionen werden sichtbarer und trotzdem steht das Wohl unserer Mitglieder und Mitarbeiter immer im Vordergrund.“ Er dankte dem Vorstand und allen Mitarbeitern des Unternehmens. Sein Vorschlag für Ausschüttung einer Dividende in Höhe von drei Prozent fand die volle Zustimmung der Versammlung.

Klare Zustimmung

Die Wahlen zum Aufsichtsrat wegen routinemäßig endender Amtszeit konnten zügig abgewickelt werden, da die anstehenden Mitglieder Rosemarie Basl, Christine Böhm und Anica-Laura Westermayr einstimmig für weitere drei Jahre im Amt bestätigt wurden. Auch der Jahresabschluss und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erhielten das einstimmige Votum der anwesenden Mitglieder.

„Man kann lange gut reden, wenn das Herz übergeht“, so OB Bosse eingangs seines Grußwortes. Er bezeichnete das GSW als „Gestalter der Heimat und Motor des Stadtteils“. „Neugablonz entwickelt sich großartig, mit Mut und unternehmerischem Weitblick und ich freue mich auf weitere spannende Entwicklungsschritte“, sagte der Rathauschef. Der Aufsichtsratvorsitzende bedankte sich seinerseits bei der Stadt als „offener und guter Diskussionspartner“.

Anträge am Ende der Veranstaltung waren nicht zu behandeln, aber Mitglied Klaus Queisser sprach dem Vorstand und dem zuständigen Personal ein dickes Lob aus: „Ich freue mich sehr über die Blumeninseln zwischen den Häusern, die nicht nur für Bienen, sondern auch für andere Insekten ein Paradies darstellen.“

Kommentar von Wolfgang Becker

  • Wohnbau ohne Profitdenken
  • Die gerade in Zeiten des Wahlkampfes verstärkt aufgeflammte Diskussion um den Wohnungsmangel reicht tief in die Gesellschaft und endet bei den Menschen in den Kommunen. Die Schere zwischen machbarem und bezahlbarem Wohnraum öffnet sich immer weiter. Da ist es geradezu ein Glücksfall für den Stadtteil Neugablonz, ein Wohnungsbauunternehmen wie das Gablonzer Siedlungswerk (GSW) vor Ort zu haben. In bewährter Tradition einer Genossenschaft geht das GSW mit seinen Vorstellungen für bezahlbaren Wohnraum in einem qualitativen Wohnumfeld voran.
  • Es sind die innovativen Ideen gepaart mit unternehmerischem Mut bei einem weit in die Zukunft gerichteten Blick auf neue Projekte. Und die bisher bereits umgesetzten Maßnahmen zeigen deutlich, dass der eingeschlagene Weg nicht nur richtig, sondern auch erfolgreich ist. Das funktioniert aber nur, weil alle Akteure mit heißem Herzen und kühlem Verstand sowie dem genossenschaftlichen Ziel für ihre Mitglieder am Werk sind und sich ein klares Ziel auf ihre Fahne geschrieben haben: eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung!
  • Dabei sprechen die von Vorstand Christian Sobl vorgestellten Zahlen in der Mitgliederversammlung eine deutliche Sprache. Es geht also doch: Investitionen in Wohnbau sind auch ohne überzogenes Profitdenken für Menschen aller Generationen möglich . . . !

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