Singe, wem Gesang gegeben!

Herbert Stumpe animiert donnerstags vor dem Gablonzer Haus zum Mitsingen

Herbert Stumpe auf Bühne in Neugablonz
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„Prof. Dr. Dr.“ Herbert Stumpe verführt zum Mitsingen. Zum Thema Wanderlieder hat er seinen charakteristischen Zylinder mit einem Dachshaar-Rasierpinsel als Gamsbart geschmückt.

Kaufbeuren-Neugablonz – Rund fünfzig Menschen hatten sich auch vergangenen Donnerstag ab 14 Uhr wieder vor dem Gablonzer Haus versammelt und schmetterten zur Gitarrenbegleitung von Herbert Stumpe fröhlich eine gute halbe Stunde lang wohlbekannte Wanderlieder – mit allen Strophen. Man saß auf mitgebrachten Camping-Stühlen oder einfach auf der Treppe oder lehnte am Bauzaun. Wer sich (spätestens ab der zweiten Strophe) nicht so ganz textsicher fühlte, durfte sich aus dem einladend offen daliegenden Gitarrenkasten ein Textheft holen. „Sing mit!“ kostet keinen Eintritt, aber Spenden sind willkommen.

„Prof. Dr. Dr.“ Stumpe, e-Gitarrist von „mauke-Die Band“, routinierte „Rampensau“ von Aufbruch-Umbruch, Gründer und Vorsitzender des Ortsverbandes Kaufbeuren von „Die PARTEI“ und bekennender Liederbuchsammler, veranstaltete dieses Format bereits zum sechsten Mal, jedes Mal mit einem anderen Thema: Begonnen hatte er mit einem Schlager-Medley, gefolgt von Beatles-Liedern am Donnerstag darauf. „Das kam nicht so gut an“, erzählt Stumpe. „Die englischen Texte gingen vielen dann doch nicht so flüssig über die Lippen“. Umso besser lief es mit den deutschen Schlagern der sechziger und der siebziger Jahre und mit den deutschen Volksliedern. Jetzt waren Wanderlieder dran, die Stumpe so witzig und ein bisschen frech moderierte, dass auch die Bauarbeiter, die noch an der Fassade Hand anlegten, ihren Bagger eine halbe Stunde ruhen ließen, um nicht zu stören. Es machte richtig Laune, bei diesen, meist schon in der Schule gelernten Liedern mitzusingen.

„Es kommen fast immer die gleichen, aber nicht bloß Neugablonzer, sondern auch aus Kaufbeuren und aus dem Umland“, freut sich Stumpe und erzählt, dass er diese Idee schon vor ein paar Jahren gehabt habe, als ein norddeutscher Künstler im ZDF-Morgenmagazin mit den Leuten Shanties gesungen hatte. „Dos konste ou machn“ habe er sich damals gedacht. Er wollte die Singaktion wochentags am frühen Nachmittag für Menschen durchführen, die entweder keine Arbeit haben oder in Rente sind und das Angebot eines interaktiven Zeitvertreibs dankbar begrüßen. Damals sei das aber so nicht machbar gewesen, weil er noch Vollzeit gearbeitet habe. Bei seinem neuen Job könne er sich die Zeit inzwischen besser einteilen. Jedenfalls ist es ihm auch ein Anliegen, die Menschen besonders jetzt aufzumuntern: „Gebt s ocke zu, uns dou ei Neugablunz gieht s doch gutt!“

Eigentlich hat Stumpe bereits im März mit dem Singen beginnen wollen, ist aber wie so viele andere durch Corona ausgebremst worden und die Stadt hat sein Projekt nicht freigegeben. Die Freigabe erfolgte erst nach der Vorlage eines Hygienekonzepts und wenn das Ganze unter freiem Himmel durchgeführt würde. Daher wird bei der Ankündigung auch immer empfohlen, nicht nur eine eigene Sitzgelegenheit, sondern sicherheitshalber auch einen Regenschutz mitzubringen.

Etwa zehn Stunden Arbeit steckt Herbert Stumpe in die Vorbereitung jedes-Donnerstags-Singens. Er bringt sein eigenes Ton-Equipment (Mikrophon, e-Gitarre, Verstärker) mit. Den Strom dafür darf er bei der Stadtbücherei abzapfen, wo er auch als Lesepate Kinderbücher vorliest. Die Druckkosten für die Texthefte werden vom Ingenieur-Büro Fiedrich gesponsert.

Nächsten Donnerstag sind Liebeslieder an der Reihe. Danach kann sich Stumpe auch noch Kinder- und Wirtshaus- bzw. Trinklieder vorstellen – er ist für alle Anregungen offen und will das Singen noch so lange fortsetzen, „wie Leute kommen und das Wetter mitspielt“.

von Ingrid Zasche

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