Kaufbeuren nimmt Vorreiterrolle ein

Integrationsbeauftragter von Kaufbeuren Walter Nocker (li.) mit dem Bayerischen Staatsminister des Inneren Joachim Herrmann auf der Beiratsbörse der AGABY in Fürth. Foto: kb

„Kaufbeuren hat einen sehr guten Ruf und nimmt eine Vorreiterrolle bei der Integrationspolitik ein.“ Zu diesem Ergebnis kommt der Integrationsbeauftragte der Stadt und Stellvertretende Vorsitzende des Integrationsbeirats, Stadtrat Walter Nocker (CSU), am Rande der Haupt- und Delegierten-Vollversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY) in Fürth.

Nocker fiel auf, dass viele Städte und Gemeinden sich zum Beispiel entsprechende politische Vertreter wie Bürgermeister oder Beiratsmitglieder, eine überfraktionelle Unterstützung des Stadtparlamentes oder eine „so gute finanzielle Ausstattung für Integrationsprojekte wie es in Kaufbeuren der Fall ist“ (20.000 Euro im Jahr) wünschen würden. Auch stieß das Konzept des Kaufbeurer Integrationsbeirats mit seiner Zusammenstellung aus einer großen Vielfalt der hier vertretenen Nationen, für das Nocker warb, im Gegensatz zu den allgemeinen „Ausländerwahlen“ auf großes Interesse und Zuspruch der anderen Anwesenden. Nocker versprach daraufhin, die Satzung, die Geschäftsordnung und das Konzept des hiesigen Integrationsbeirats an verschiedene Kommunen weiterzuleiten – so zum Beispiel an Forchheim und Zirndorf. „Zwar leisten wir im Beirat wertvolle Integrationsarbeit, aber verbessern können wir uns immer. So ist mir momentan noch die Verteilung von Geldern für Integrationsprojekte zu gering“, so der Kaufbeurer Stadtrat, der neben der Präsentation eigener Ideen auf der AGABY selbst auch weitere Ideen und Anregungen sammeln konnte. Dazu gehörten unter anderem eine Integrationszeitung, Stadtteilbroschüren, Projekte wie „Migranten Lotsen Migranten“ oder „Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung“, Ideen für Flyer, Präsentationen des Integrations- leitbildes oder Aids- und Hepatitisaufklärung in den Muttersprachen. Insbesondere kontaktierte Nocker die Integrationsbeiräte aus Kempten um Siegfried Oberdörfer und aus Memmingen mit Georgios Fargamis, welche ihrerseits großes Interesse an einem weiteren Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit bekundeten, so Nocker. Neben der allgemeinen Tagesordnung, verschiedenen Anträge und dem Finanzbericht der AGABY standen auf der Delegierten-Vollversammlung vor allem die Resolutionen zur Flüchtlingspolitik in Bayern, zur Anerkennung von landesrechtlich geregelten Berufen und zur Bekämpfung rechtsradikalen Terrors und Rassismus im Mittelpunkt. Bei dieser Gelegenheit sprach sich die Versammlung einstimmig gegen salafistisches Gedankengut aus und verurteilte die Vorgehensweise der Agitatoren auf das Schärfste, wie Nocker berichtete. Besonders „leidenschaftlich“ sei die Diskussion beim Thema „Migrantenquote bei Kommunalwahlen“ geworden. Der Kaufbeurer Integrationsbeauftragte hat dazu seine eigene Meinung: „Ich persönlich halte von den ganzen Quoten nichts. Jeder mündige Wahlberechtigte sollte frei entscheiden können, wen er wählt“. Er möchte dazu aufrufen, dass Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund (mit deutschem Pass oder europäischer Nationalität) sich für die nächste Kommunalwahl in Kaufbeuren auf die Listen von Parteien und Wählervereinigungen aufstellen lassen. Dadurch sei ein Höchstmaß an politischer Partizipation von Mitmenschen mit Zuzugsgeschichte gegeben: „Ich wünsche mir Stadträtinnen und Stadträte mit Migrationshintergrund in Kaufbeuren!“ Kaufbeuren sei schließlich eine Stadt mit langer Tradition und reichem kulturellen Erbe. „Um auch in der Zukunft diesen kulturellen Reichtum sicherzustellen, wollen wir die vorhandene Vielfalt und die Potenziale aller hier lebenden Menschen nutzen, fördern und zusammenführen“, so Nocker. Die Verständigung zwischen den vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen sei die Grundlage für ein funktionierendes Gemeinwesen und gelungene Integration. „Maßnahmen und Dienstleistungen der Stadt sollen die vorhandenen Fähigkeiten aller in Kaufbeuren leben- den Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft, Be- hinderung, Weltanschauung oder sexueller Identität stärken“. Ein besonderes Augenmerk verdienten hierbei Kinder und Jugendliche. „Alles in allem konnte dieses Treffen wertvolle Beiträge leisten“ zog Nocker sein persönliches Fazit von der Delegierten- Vollversammlung.

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