OB-Kandidatin der FW Kaufbeuren

Freie Wähler schicken Bernadette Glückmann ins Rennen um OB-Wahl

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Bernadette Glückmann.

Kaufbeuren – Nach wochenlangen Spekulationen, wer für die Freien Wähler Kaufbeuren (FW) als Oberbürgermeister kandidieren wird, wurde heute Mittag bekannt, dass sie Bernadette Glückmann aus Freising ins Rennen schicken. Bernhard Pohl, Vorsitzender der FW-Stadtratsfraktion, stellte sie gemeinsam mit Stadtratskollege Richard Drexl der Presse vor.

Damit ist auch klar, Pohl tritt nicht, wie zuvor vielfach gemunkelt wurde, selbst an. Er gab zu, es sich durchaus reiflich überlegt zu haben. Er hat sich jedoch dagegen entschieden, weil es aus Sicht der Stadt besser sei, mit ihm einen Vertreter im Bayerischen Landtag zu haben. Er habe schließlich auch eine Verantwortung für die Bürger im Ost- und Unterallgäu.

Nun postiert sich also eine in Kaufbeuren gänzlich unbekannte Frau für das höchste Amt der Stadt. Die 54-jährige Bernadette Glückmann ist verheiratet und hat einen 24-jährigen Sohn. Seit 1989 ist sie bei der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd beschäftigt und hat dort einige Stationen durchlaufen. Sie war Vorsitzende des Prüfungsausschusses, persönliche Referentin der Vorsitzenden der Geschäftsführung, hat das Büro Selbstverwaltung und Unternehmenskommunikation geleitet und ist seit Mai dieses Jahres stellvertretende Abteilungsleiterin der Verwaltung und der Informationstechnologie.

Als OB-Kandidatin vorgeschlagen wurde sie von Richard Drexl, der sie und ihre Familie seit über zehn Jahren privat kennt. Er bezeichnete sie im Pressegespräch als hochkompetenten Menschen, mit dem man gut politische Diskussionen führen könne. Auffallend sei ihr ansteckender Optimismus. 

Die Anfrage der Freien Wähler sei mit einer großen Wertschätzung verbunden, bekundete Glückmann. Die Aufgabe reize sie sehr. Sie sei sich der Verantwortung des OB-Amtes bewusst und gehe mit dem nötigen Respekt und großem Optimismus an die Sache ran. Ihr Name sei Programm. Durch ihre berufliche Tätigkeit bringe sie Führungserfahrung mit, zudem habe sie viele Ideen für Kaufbeuren und den Willen, diese Stadt zu führen. „Ich möchte mit Energie und Akribie vorangehen und gestalten“, so Glückmann. Sich selbst bezeichnete sie als kommunikativ, sie werde auf die Menschen in Kaufbeuren zugehen. In ihren Augen hat Kaufbeuren „unglaublich viele Facetten“ und sei ein Ort der Vielfalt. Ihr Ehemann ist Sudetendeutscher, was eine persönliche Beziehung zu Kaufbeuren mit sich bringe.

Glückmann will sich ab Januar „mit aller Kraft und viel Elan dem Wahlkampf widmen“ und nimmt dafür ihren Jahresurlaub. Zuvor werde sie berufsbedingt noch zweigleisig fahren. Sie sehe es als klaren Vorteil von außen zu kommen. Pohl ergänzte, dass die FW Kaufbeuren darauf geachtet hätten, keinen Berufspolitiker für das Amt vorzuschlagen. „Wenn jemand von außen auf die Politik schaut, bringt er neue Ansichten ein“, so Pohl. Auch wenn es noch zu früh sei, ein detailliertes Wahlkampfprogramm zu präsentieren, lege sie ihre politischen Schwerpunkte auf Bildung und Jugend, generationenübergreifendes Denken und Handeln und die Stärkung des Gewerbes. Ihr sei ein harmonisches Miteinander in der Stadt wichtig. Besonders am Herzen liegt ihr die Kultur, ihre Leidenschaft gilt der Musik. Ihr Traum war, Opernsängerin zu werden. Im Rahmen einer Gesangsausbildung stand sie früher beispielsweise mit Fassbender auf der Bühne.

Weder für die Kommunalwahl 2008 noch 2014 hatten die Freien Wähler einen eigenen OB-Kandidaten gestellt und stattdessen den amtierenden Oberbürgermeister Stefan Bosse bewusst, wenn auch inoffiziell, unterstützt. Woher kommt der Sinneswandel der zweitstärksten Fraktion im Stadtrat? Die zuvor gute Zusammenarbeit mit Bosse habe sich „grundlegend geändert“, so Pohl. „Er hat Entscheidungen getroffen, die aus unserer Sicht in vielen Fällen falsch waren.“ Initiativen der Freien Wähler habe Bosse sogar „aktiv bekämpft“. Aktuelles Beispiel sei der FW-Antrag nach flächensparendem Bauen, den die CSU-Fraktion als „Luftschloss“ abschmetterte (wir berichteten). „Da fehlt es an Respekt und Kommunikation“, befand Pohl.

Die Kandidatur Glückmanns ist laut Pohl mit der Fraktion und dem erweiterten FW-Vorstand abgestimmt. Offiziell nominiert wird sie im Januar – „das hat eine eigene Würdigung verdient“, findet Pohl. Am Donnerstag fand nach Redaktionsschluss die Nominierung der Stadtratsliste statt.

von Martina Staudinger

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