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So wenig Verkehrstote wie noch nie

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Von: Selma Höfer

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Beliebtes Diebesgut: E-Bikes. Mehr als zehn Räder haben Unbekannte aus einer Fahrradwerkstatt in Dieburg gestohlen. (Symbolbild)
Rund zwei Drittel aller Verkehrstoten 2021 im südlichen Schwaben entfallen auf die Gruppe der ungeschützten Verkehrsteilnehmer, also der Rad-, Pedelec- und Kraftradfahrer. Von insgesamt 37 Verkehrstoten gehören 23 zu dieser Gruppe.  © Patrick Seeger/dpa

Landkreis/Kaufbeuren – Die Zahl der Verkehrstoten ist mit 37 auf einem „historischen Tiefstand angelangt“. Noch nie habe in der Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West eine Zahl gestanden, die unter der aktuellen liegt. 

Das und weitere Details zur Unfallstatistik 2021 teilte Dominikus Stadler, Leiter der Abteilung Einsatz des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, in einem Pressegespräch am vergangenen Montag mit. Trauriger Spitzenreiter sind dabei die Zweiradfahrer. 23 Motorrad-, Pedelec- und Radfahrer verloren auf den Straßen des südwestlichen Schwabens ihr Leben. Insgesamt krachte es häufiger als noch 2020, als Corona die Welt überrollte und Deutschland zum ersten Mal in den Lockdown ging. Dabei ging der Anteil jener, die mit leichten Verletzungen davon kamen, um zwei Prozent nach oben. Die Gesamtzahl der Schwerverletzten wiederum sank um zwei Prozentpunkte.

Wie Stadler berichtete, gab es im vergangenen Jahr insgesamt 26.393 Verkehrsunfälle (VU) im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums. 72 VU täglich wurden demnach im Schnitt gemeldet, das seien zwei mehr als 2020. Im Vergleich zum Vorjahr, dem ersten Corona-Jahr, stieg die Zahl der Unfälle um rund vier Prozent an, so Stadler. Dennoch habe die Gesamtanzahl der VU das bisherige Allzeithoch aus dem Jahr 2019 nicht erreicht, als 30.345 Einsätze gezählt wurden.

„Die Statistik ist durchaus positiv“, so die Meinung Stadlers. Mit 37 Todesfällen gab es noch nie weniger Unfallopfer als 2021. „Darüber freuen wir uns, auch wenn jeder Todesfall einer zu viel ist“, erklärte der Leiter der Einsatzabteilung. Um vier Todesfälle habe sich die Statistik im Vorjahresvergleich verbessert.

„Grundsätzlich positiv sehen wir auch die Entwicklung der Zahlen bei den Verkehrsunfällen mit verletzten Personen“, sagte Stadler und nannte folgende Zahlen: Im Zehn-Jahres-Vergleich ist die Gesamtunfallzahl zwar gestiegen – die Anzahl der Schwerverletzten sank dagegen um rund 16 Prozent, die der Leichtverletzten um etwa zehn Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Anzahl der Schwerverletzten um circa zwei Prozent, während die der Leichtverletzten um etwa zwei Prozent nach oben ging. Immerhin: Der Anstieg ist damit aber weniger stark als die Steigerung der Gesamtunfallzahlen.

Weniger Lkw-Fahrer würden zu den Unfallopfern zählen, doch „sticht ein Bereich ins Auge: Die Gruppe der ungeschützten Verkehrsteilnehmer, darunter insbesondere die sogenannten nichtmotorisierten und motorisierten Zweiradfahrerinnen und -fahrer“, betonte der Einsatzleiter. Genauer gesagt also die Radfahrer und Kradfahrer. „Von den insgesamt 37 Toten entfallen 23 auf diese Gruppe. Das entspricht einem Anteil von fast zwei Dritteln.“ Damit sei diese Gruppe der Verkehrs­teilnehmer überdurchschnittlich gefährdet, erklärte Stadler. Insgesamt wurden bei Verkehrsunfällen 391 Radfahrer und 152 Motorradfahrer schwer verletzt. Ihr Anteil an den Schwerverletzten im Straßenverkehr beträgt rund 58 Prozent.

Hauptursache bei den getöteten und schwerverletzten Rad- und Pedelecfahrern sei, wie bei den VU insgesamt, nicht angepasste Geschwindigkeit. Nach dem Rasen steht auf Nummer zwei der Alkohol. Außerdem würden viele das Rechtsfahrgebot missachten und entgegen der vorgegebenen Richtung fahren.

Auffallend sei zudem, fügte Holger Stabik, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West, hinzu, dass Rad- und Pedelecfahrer großteils die Unfälle selbst verschuldeten. „Häufig sogar durch eine geringe Ursache, wie zum Beispiel beim Absteigen.“ In der Statistik finden sich hierzu genaue Zahlen. Von 2019 auf 2020 stieg die Opferzahl dieser Gruppe um rund 40 Prozent auf 116 Schwerverletzte. Nun erhöhte sich die Anzahl nochmals um mehr als 20 Prozent gegenüber dem ersten Corona-Jahr. 143 schwer verletzte Pedelecfahrende verzeichnet die Polizei. „Das Gros der Geschädigten liegt im Alter 51 Plus“, berichtete Holger Stabik vom Polizeipräsidium Schwaben Süd-West.

Die Statistik, Kaufbeuren und das Ostallgäu

Ein Blick in die jüngst veröffentlichte Verkehrsunfallstatistik 2021 zeigt, dass die Beamten zu insgesamt 26.393 VU gerufen wurden. Sie nahmen dabei 855 Unfälle mit Schwerverletzten auf. Im Vorjahr waren es 852. Die Anzahl verringerte sich also um etwa zwei Prozent. Sie betrug vergangenes Jahr 933, im gleichen Zeitraum zuvor waren es 956. Zu 1.018 VU rückte die Polizei in Kaufbeuren aus (2020: 1.051). Im Landkreis Ostallgäu krachte es 3.640 Mal. Die Steigerung ist hier nicht unerheblich: 155 Unfälle mehr als im Vorjahr waren es, zu denen die Polizisten des Präsidiums ausrücken mussten (2020: 3.485).

Ein Verkehrstoter in Kaufbeuren

In Kaufbeuren ist 2021 ein Unfallbeteiligter (Pkw) gestorben. Insgesamt mussten 23 Menschen nach einem VU mit schweren Verletzungen behandelt werden. Sechs davon waren in einen Autounfall verwickelt. In der kreisfreien Stadt gab es einige VU mit Zweiradfahrern die weniger glimpflich verliefen. Zur Gesamtzahl der Schwerverletzten zählen hier zwei zu den Kradfahrern, sieben waren mit dem Rad unterwegs und drei Pedelecfahrer waren betroffen.

Fünf Zweiradfahrer starben im Ostallgäu

Im Ostallgäu gab es insgesamt sechs Todesfälle und 186 Personen, die schwer verletzt wurden. 53 davon verunfallten mit dem Pkw. Eine Person starb nach Verwicklung in einen Autounfall. Wieder stechen die Zweiräder ins Auge: Im Landkreis zählen 55 Radfahrer zu den Schwerverletzten. Außerdem 44 Pedelecfahrer. Zwei E-Bikefahrer verloren bei einem VU ihr Leben. Auch 23 Fahrer eines motorisierten Zweirads kamen schwer verwundet ins Krankenhaus. Drei Kradfahren erlagen nach einem Unfall ihren Verletzungen.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Leichtverletzten stieg an, allerdings nicht so stark wie die Unfallentwicklung insgesamt. 2021 trugen 4.946 Personen bei Verkehrsunfällen im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums leichte Verletzungen davon, das entspricht einer Steigerung von zwei Prozent im Vorjahresvergleich. Im Landkreis zählte die Polizei bei Unfällen 561 Personen mit leichten Blessuren, in Kaufbeuren waren es 159. Rund 85 Prozent am Gesamtunfallaufkommen nehmen VUs mit Sachschaden ein.

Am häufigsten stellten die Polizisten erneut nicht angepasste Geschwindigkeit als Hauptunfall­ursache fest. Das entspricht in Zahlen 159 Verkehrsunfällen, 2020 lag die Zahl exakt gleich hoch. Übrigens entspricht die Tendenz insgesamt jener des Freistaats. Auch die Zahl der Verkehrstoten 2021 in Bayern ist auf dem niedrigsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn. Das verkündete das Bayerische Landesamt für Statistik. Das, obschon die Gesamtzahl der Straßenverkehrsunfälle gegenüber dem Vorjahr um 13.591 Unfälle, also um 3,9 Prozent gestiegen ist. Im Jahr 2021 verunglückten laut Polizei 57.126 Menschen auf Bayerns Straßen. Es kamen 443 Menschen ums Leben (-8,5 Prozent), 56.683 (-0,9 Prozent) wurden verletzt, davon 9.803 schwer (-3,3 Prozent).

So will die Polizei auf die Entwicklungen reagieren

Reaktionen

Kontrollen: Durch entsprechende Kontrollen – sowohl im täglichen Dienst als auch zu besonderen Anlässen – werden Verkehrsteilnehmer zu einer rechtstreuen und damit sicheren Verkehrsteilnahme angehalten. Dazu gehört die Kontrollgruppe „Motorrad“, die in ihre fünfte Saison startet. Für die Radfahrenden kommen an Brennpunkten die neu ausgerüsteten Fahrradstreifen der örtlichen Polizeiinspektionen zum Einsatz.

Prävention: Die Polizei möchte Aufklärungsarbeit leisten. Sie richtet sich insbesondere an die Gruppe der Pedelecfahrer, die neu auf dieses Verkehrsmittel umsteigen und denen die Gefahren des Fahrzeugs noch nicht hinreichend bewusst sind.

Hier lautet die klare Botschaft: Ein Fahrradhelm schützt!

Und: Gewöhnen Sie sich an Ihr neues Rad! Üben Sie, bevor Sie am Straßenverkehr teilnehmen!

Die Bitte hierbei an Motorradfahrer: Verhalten Sie sich rücksichtsvoll!

Beherrschen Sie ihr Fahrzeug! Fahren Sie zurückhaltend, um so gefährliche Situationen zu verhindern!

Ein Appell an alle Verkehrsteilnehmer:

„Die Straßenverkehrsordnung verlangt von uns allen ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Mehr Gelassenheit und Achtsamkeit im Straßenverkehr helfen uns allen, sicher nach Hause zu kommen.“

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