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Premiere von Brechts „Dreigroschenoper“ zum 50. Jubiläum des Theaters Kaufbeuren

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Von: Ingrid Zasche

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Ensemblevorhang Dreigroschenoper Kaufbeuren 2022
Die Protagonisten der „Dreigroschenoper“ (von links): Lucy, Tochter von „Tiger“ Brown (Stephanie Nell), Spelunken-Jenny (Maria Florentina Schweiger), Bettlerkönig Jonathan Peachum (Bernhard Fritsch), Macheath, genannt Mackie Messer (Rochus Höhne), Polly Peachum, Mackies Frau (Katharina Zajicek), Celia Peachum (Tanja Petraschka), Polizeichef und „Reitender Bote“ Brown (Rupert Waldmüller) beim tosenden Finale. © Zasche

Kaufbeuren – Nichts Geringeres als „das erfolgreichste deutsche Stück des 20. Jahrhunderts“ (schon eine Saison nach der Uraufführung 1928 verzeichnete man 4000 Aufführungen in 200 Inszenierungen, bis zum Verbot 1933 gab es Übersetzungen in 18 Sprachen) hatte sich Theater Kaufbeuren (TK) zu seinem 50. (+1) Jubiläum vorgenommen: Vor Kurzem feierten sie mit der „Dreigroschenoper“ von Bert Brecht und Kurt Weill Premiere im Stadttheater.

Die Dreigroschenoper, ein politisch-satirisches „Theaterstück mit Musik für singende Schauspieler“, handelt vom Gauner Macheath, genannt Mackie Messer, und dem Bettlerkönig Jonathan Peachum, die in den Verbrechervorstädten Londons ihre „Geschäfte“ betreiben. Peachum und seine Frau Celia statten in ihrem Laden „Bettlers Freund“ Bettler so aus, dass sie das Mitleid der Passanten erregen, und erpressen dafür die Hälfte ihrer Einnahmen. Mackie hat gute Beziehungen zum Polizeichef „Tiger“-Brown von London und glaubt sich vor polizeilicher Verfolgung sicher. Als Mackie Peachums Tochter Polly in einem Pferdestall heiratet, eskaliert der Konflikt zwischen den beiden Unterweltfürsten. Mackie wird zweimal von Huren verraten und soll schließlich gehängt werden. Brechts Texte sind auch heute noch erstaunlich aktuell.

Die Haifisch-Moritat haben zusammen mit dem „Moritatensänger“ Lina Junginger fünf niedliche „kleine Strolche“ gesungen: Anna Loos, Lina und Maximilian Waldmüller sowie Mathilda und Ronja Zajicek. Sie sahen zwar für Bettlerkinder ein bisschen zu wenig zerlumpt und schmutzig aus, bezauberten aber mit ihren Stimmen. Auch das übrige Ensemble überraschte mit sehr anhörbarem Gesang und Stimmvolumen. Kathrin Zajicek heimste als Polly Peachum frenetischen Beifall ein für die Arie der Seeräuber-Jenny, für die Erzählung von ihrer Liebe zu Mackie Messer („…ja, da muss man sich doch ganz einfach hinlegen“), für das Schimpf-Duett mit ihrer Mutter Celia Peachum (Tanja Petraschka) und vor allem das fulminante Eifersuchtsduett mit Stephanie Nell als Lucy, Tochter von Polizeichef „Tiger“-Brown. Mackie Messer wurde natürlich von Rochus Höhne gegeben, der für „doch die Verhältnisse, die sind nicht so“, „erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ oder „nur, wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“ nicht weniger beklatscht wurde. Auch Peachum (Bernhard Fritsch) und Brown (Rupert Waldmüller) absolvierten ihre Gesangsauftritte mit Bravour, ebenso wie Maria Florentina Schweiger als Spelunken-Jenny das Erinnerungsduett mit Mackie Messer. Auch die kleineren Rollen ohne Gesangseinlagen waren stimmig besetzt: Andrea Esdohr überzeugte sowohl als Bettler Filch wie auch als Pastor Kimball und als Konstabler Smith. Mackies Bande wurde von Holger Jankovsky (Münz-Matthias), Thomas Kramer (Hakenfinger-Jakob), Bastian-Höhne (Säge-Robert) und Jutta Kletschka (Trauerweiden-Walter) dargestellt. Kletschka, langjährige Souffleuse, stand damit erstmals auf der Bühne. Die restlichen, weitgehend stummen Rollen fügten sich nahtlos ein.

Das Zusammenspiel des Ensembles mit der Musik, das gelungene Bühnenbild, die eigenwilligen Kostüme und jede Menge witziger und kreativer Regieeinfälle rissen das volle Stadttheater immer wieder zu Szenenapplaus und am Schluss zu langanhaltendem Beifall hin.

Regie führte die Theaterwissenschaftlerin, Schauspielerin und Regisseurin Barbara Lackermeier, die die „Dreigroschenoper“ schon mehrfach inszeniert hat. Die musikalische Leitung hatte der Kaufbeurer Musiker Tiny Schmauch übernommen. Der Bühnenbildentwurf stammt von der Bühnen- und Kostümbildnerin Claudia Weinhart und wurde von Joseph Eichhorn umgesetzt.

Weitere Spieltermine der unbedingt sehenswerten Inszenierung sind Do, 27.10.22, Fr, 28.10.22, Sa, 29.10.22, Mo, 31.10.22, Do, 03.11.22, Fr, 04.11.22, Sa, 05.11.22, jeweils um 19.30 Uhr.

Sehen sie hier die Impressionen als Fotostrecke:

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