Herzogsägmühle prüft Optionen mit neuem Eigentümer

Wohnsitzlose künftig im Kaufbeurer „Stachus“-Haus?

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Das unter Denkmalschutz stehende Haus „Stachus“ soll aufwendig saniert werden. Derzeit wird geprüft, ob im Obergeschoss Wohnungen für wohnsitzlose Menschen geschaffen werden, die von der Herzogsägmühle betreut werden.

Kaufbeuren – Die Herzogsägmühle erwägt zehn Menschen ohne Wohnsitz in Kaufbeuren unterzubringen. Das Objekt, in dem dies realisiert werden könnte, ist das als „Stachus“ bekannte Gebäude an der Gutenbergstraße. Dieses gehört inzwischen der Recommerz GmbH aus Höchstädt, die das denkmalgeschützte Haus sanieren und vermarkten will.

Wie berichtet, sucht Herzog­sägmühle im Auftrag des Bezirks Schwaben für 20 vollstationäre Plätze und zehn Plätze in Außenwohngruppen im gesamten Ostallgäu Wohnraum. 20 davon sollten ursprünglich in Markt­oberdorf geschaffen werden. Das Vorhaben scheiterte aber am massiven Widerstand der dortigen Bürgerschaft. Die Suche und Prüfung entsprechender Standorte in der Region läuft seit Anfang 2018 und gestaltet sich durch die äußerst angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt nicht einfach, so Andreas Kurz, Bereichsleiter in Herzogsägmühle, damals gegenüber unserer Zeitung.

Es gibt bessere Standorte

Jetzt rückt also auch Kauf­beuren in den Fokus. Obwohl die kreisfreie Stadt als Standort bislang ausgeschlossen wurde. So zumindest der Wunsch der Bezirksverwaltung, wie Oberbürgermeister Stefan Bosse auf Anfrage erklärte. Dies sei aus gutem Grund geschehen. So gebe es laut OB in Kaufbeuren bereits eine sehr große Zahl von Menschen, die hilfsbedürftig sind. Durch die Veränderungen in der Psychiatrie würden heute viele Menschen, die früher stationär in einem BKH untergebracht worden wären, in ambulant betreuten Wohnverhältnissen leben. „Bei diesen nimmt Kaufbeu­ren eine absolute Spitzenstellung weit und breit ein“, betont Bosse. Unter anderem zeige sich dies an Kaufbeurens überdurchschnittlicher Quote an Langzeitarbeitslosen. „Vor diesem Hintergrund habe ich sehr aufmerksam die Diskussion in Marktoberdorf verfolgt. Dass nun in Kaufbeuren zehn Plätze geschaffen werden sollen, verbessert die Situation unserer Langzeitarbeitslosen und auch unsere Sozialstruktur nicht“, so der Rathauschef. Bosse ist überzeugt, dass es andere Standorte in der Region gibt, wo sowohl der Wohnungs- als auch der Arbeitsmarkt Menschen mit diesem Hintergrund besser integrieren kann. Das habe er den Vertretern der Herzogsägmühle auch deutlich mitgeteilt.

Mit Protesten wie in Markt­oberdorf rechnet Bosse nicht. „Kaufbeuren ist ein Oberzentrum und verfügt über zahlreiche vergleichbare Einrichtungen. Allerdings können einzelne Vorkommnisse sehr schnell zu Protesten in der Nachbarschaft führen, zuletzt haben wir dies sowohl im Umfeld der städtischen Obdachlosenunterkunft im Frühlingsweg als auch bei der Unterbringung von Asylbewerbern gesehen.“

Aber unabhängig davon könne man einen Antrag „Wohnheim für wohnsitzlose Menschen“ nicht verbieten, sofern die denkmalrechtlichen und sonstigen baurechtlichen Auflagen erfüllt seien. „Nach einer ersten Prüfung erscheinen diese Auflagen erfüllbar“, so Bosse.

Pläne wieder am Anfang

Der neue Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses, Hannes Geierhos von Recommerz, bestätigte auf Anfrage, dass Gespräche zwischen Herzogsägmühle und ihm stattgefunden hätten. Jedoch befinde man sich aktuell gerade wieder bei der „Grundlagenermittlung“. Der Grund: das ursprüngliche Konzept sah eine Bäckerei im Untergeschoss vor. Diese sei inzwischen abgesprungen, was eine Neuplanung nötig mache, so Projektentwickler Geierhos. „Wir stehen quasi bei Null.“

In der kommenden Woche soll es erneut Gespräche mit Herzog­sägmühle geben, dann werde man weitersehen, so der Unternehmer. Fakt sei aber, dass durch den Rückzug des Bäckers genügend Raum und Platz für neue Ideen frei seien. „Wer Anregungen hierzu hat, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen“, so Geierhos. Voraussetzung sei aber, dass es städtebaulich passt und innerstädtisch etwas voranbringt. „Es muss ein stimmiges Konzept sein“, sagte Geierhos.

von Kai Lorenz

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