Statische Probleme

Kaufbeuren: Schulsanierung verteuert sich – Diskussion um neue Bauordnung

Sanierung der Gustav-Leutelt-Schule
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Die Sanierung der Gustav-Leutelt-Schule wird noch teurer als erwartet.

Kaufbeuren-Neugablonz – Nicht so gute Nachrichten, was die Sanierung der Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz betrifft, hatte Hochbauabteilungsleiter Christian Mandl in der letzten Bauausschuss-Sitzung zu vermelden: Demnach werden sich die Baumaßnahmen an der Schule aufgrund von statischen Problemen verteuern.

So traten Mandl zufolge nach der Entkernung des nördlichen Bereichs, in dem die Aula und der Kinderhort Mosaik untergebracht waren, statische Probleme zutage. Die Decke, die vor 17 Jahren errichtet wurde, entspreche nicht länger den Brandschutzerfordernissen. Bei den Stützen sei außerdem die nötige Bewehrung nicht vorhanden. Um die Mängel zu beheben, müsse die Betondecke herausgerissen, und die Stützen entsprechend ertüchtigt werden, so Mandl. Dies hätte Mehrkosten von über 100.000 Euro zur Folge, wie der Hochbauamtsleiter mitteilte. Dass der in die Jahre gekommene Bau, der aus den 1950er Jahren stammt, „immerhin fast 70 Jahre gehalten hat“, bemerkte Oberbürgermeister Stefan Bosse.

Neue Bauordnung

Die neue bayerische Bauordnung soll die Vereinfachung baurechtlicher Regelungen und die Beschleunigung sowie Förderung des Wohnungsbaus mit sich bringen. Die neue Abstandsregelung ist aber auch mit Nachteilen verbunden. Das Für und Wider der Bauordnungsnovelle wägten die Kaufbeurer Stadträte in der jüngsten Bauausschusssitzung ab.

Die neue Bauordnung, die ab 1. Februar in Kraft tritt, soll auch dem Flächenverbrauch entgegenwirken. Gemeinden haben aber die Möglichkeit, durch eine Ortssatzung von der Abstandsregelung abzuweichen und dem Nachbarn weniger dicht auf die Pelle zu rücken. Bislang entsprach der einzuhaltende Abstand der Wandhöhe des neuen Gebäudes. Bei zwei zwölf Meter hohen Flachdachhäusern, die nebeneinander gebaut wurden, lag der Abstand also zum Beispiel bei 24 Metern. Die neuen Vorgaben sehen lediglich 40 Prozent der Wandhöhe vor und damit eine Verkürzung auf 9,6 Meter. Der einzuhaltende Mindestabstand liege bei drei Metern. Das neue Recht ermögliche laut Baureferent Helge Carl ein dichteres Bauen, bringe aber auch Abstriche in der Wohnqualität mit sich. So könnte es an mancher Stelle „knirschen“, gab Carl zu Bedenken. Auch Auswirkungen auf die Besonnung beziehungsweise Verschattung seien nicht zu unterschätzen. Andererseits komme die neue Bauordnung dem Wohnungsbau in Kaufbeu­ren zugute. Gebäude könnten außerdem flexibler angeordnet und Projekte leichter umgesetzt werden.

Meinungen gehen auseinander

In der Diskussion um die Bauordnungsnovelle waren die Stadträte geteilter Meinung. Tobias Würfel (Generation KF) sprach sich dafür aus, die neue Bauordnung in Kaufbeuren umzusetzen. Im Hinblick auf den „Druck auf dem Wohnungsmarkt“ gab er zu bedenken, dass man Anreize für Wohninvestoren nicht verhindern dürfe. Dem schloss sich auch Johannes Böckler (CSU) an: Die Stadt habe schließlich nicht „endlos Grundstücke zur Verfügung“; diese gelte es deshalb „optimal auszunutzen“. Catrin Riedl (SPD) stieß sich an der Verschlechterung der Sichtverhältnisse, die eine solche Verdichtung zur Folge hätte, und rückte auch die Nachteile für das Wohnklima und damit das nachbarschaftliche Miteinander in den Fokus. Gerhard Bucher (CSU) befürchtete, dass durch zu dichte Verbauung der „Charme und Charakter der Stadt“, sowie der kleineren Ortsteile wie Oberbeuren, Hirschzell und Kemnat, verloren gehe.

Wie Carl darlegte, sollte das neue Recht aus Sicht des Baureferates in Gewerbegebieten und Gemeinbedarfsflächen angewendet werden. Was Gebiete mit Wohnnutzungen oder wertvoller Grünstruktur angeht, sollte es eine „Abwägung zwischen den verschiedenen stadtentwicklungspolitischen Zielen“ geben, so Carl. Auch Riedl plädierte dafür, einen „goldenen Mittelweg zwischen den Ansprüchen von Bewohnern und Investoren“ zu finden. Dieser Meinung waren auch Dr. Ulrike Höhne-Wachter (FW) und Ulrike Seifert von den Grünen. Seifert wünschte sich eine Lösung, die die Ziele Flächensparen, Klimaschutz und Wohnqualität vereint. Die Frage, ob (Wohn-)Qualität vor Quantität gehe, stellte Ernst Schönhaar (CSU) in den Raum. Letztlich entschied sich die Mehrheit der Stadträte für eine Ortssatzung. Einen Entwurf legte die Verwaltung in der Stadtratssitzung, die nach Redaktionsschluss stattfand, vor.

Mahi Kola

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