Arabisch für Anfänger

Kaufbeuren: P-Seminar des Jakob-Brucker-Gymnasiums baut Brücken zwischen Kulturen

Schaufenster in Kaufbeuren zu P-Seminar
+
Vom Generationenkonflikt und mehr: Die ausgestellten Gegenstände erzählen Geschichten über das Fliehen und Ankommen.

Kaufbeuren – Eigentlich wollten sich die Schüler des P-Seminars „Vom Fliehen und Ankommen – Gegenstände erzählen Geschichte(n)“ des Jakob-Brucker-Gymnasiums mit Tatendrang in die Umsetzung ihres gemeinsamen Projekts stürzen, wurden dann aber durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Wie es ihnen trotzdem gelang, ihr Projekt auf den Weg zu bringen, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und welche Einblicke die aktuelle Schaufenster-Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Modehauses „Adler“ bietet, verrät Josephine Diepolder vom P-Seminar.

Viele Aktionen, wie gemeinsame Koch-Events oder Partys mit Flüchtlingen, Ausflüge, regelmäßige Treffen und öffentliche Ausstellungen waren ursprünglich geplant, coronabedingt konnte davon aber nur weniges umgesetzt werden. Deshalb gleich die Köpfe in den Sand zu stecken, kam für die Schüler allerdings nicht infrage: Stattdessen ließen sie sich etwas einfallen, fanden neue Wege und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, zum Beispiel via digitaler Kanäle. „Statt persönlichem Kontakt gab es vorerst schriftliche Kommunikation, statt mehreren kleinen Ausstellungen und Events haben wir einzeln gearbeitet und uns mit den Flüchtlingen getroffen“, sagt Josephine. „Wir haben gezeigt, dass wir trotz der wirklich schwierigen Situation mit unserem Seminar etwas zustande bringen konnten.“ Herausgekommen ist eine Ausstellung, die persönliche Einblicke in (Über-)Lebenssituationen gewährt, und noch bis zum 17. November zu sehen ist.

Die Schüler berichten von vielfältigen Begegnungen mit Flüchtlingen. Einer von ihnen ist Salem (Name von der Redaktion geändert), ein Syrer mit Aufenthaltserlaubnis, der derzeit hier als Maler arbeitet. In Syrien war er als Lehrer tätig und plant, nächstes Jahr in Deutschland mit dem Masterstudium zu beginnen. Bei einer Einladung im familiären Rahmen sprach Salem mit Josephine über seine Zukunftspläne, aber auch über sein Leben hier, Politik, Sprachen und Traditionen. Beeindruckt war sie von seinen Ambitionen genauso wie von seinen Deutschkenntnissen.

Bereichernder Austausch

Die Schüler des Seminars haben verschiedene Familien kennengelernt, sich über Bräuche der Kulturen, Schule, Ausbildung und ihr Leben unterhalten, und dabei sprachliche und kulturelle Barrieren eingerissen. Sie erzählen von der Gastfreundschaft, von leckerem Essen, gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Unternehmungen und anhaltendem Kontakt, der auch über den Projektzeitraum hinaus weiter besteht. „Vielen Geflüchteten fehlt der Kontakt zu Deutschen sehr. Wie wichtig der Austausch und das gegenseitige Verständnis für eine gelingende Integration ist, haben wir persönlich erlebt“, so Josephine. Aber nicht nur die Flüchtlinge, auch die Schüler nehmen viel aus den Begegnungen mit: Neue Rezepte, die ein oder andere Vokabel auf Arabisch, geteilte Erlebnisse und witzige Anekdoten. „Man hört immer viel und diskutiert in der Politik über Migration, nur wenige Menschen haben aber Kontakt zu Geflüchteten, sodass sie sich eine versierte Meinung bilden könnten. Und noch wichtiger ist es, diesen Menschen zuzuhören, ihnen eine Stimme zu geben und sich so besser in ihre Perspektive hineinversetzen zu können“, appellieren Josephine und die anderen Schüler des P-Seminars an eine offene Begegnungskultur. „Fluchtgeschichten bringen einen auf den Boden der Tatsachen zurück: Gerade auch angesichts der aktuellen politischen Lage sollten wir es immer wertschätzen – und daran erinnern uns Flüchtlinge wie Salem – dass wir in Frieden leben dürfen.“

von Mahi Kola

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Lockdown Lager“ gegen die Durststrecke mit Karikatur des Ministerpräsidenten
„Lockdown Lager“ gegen die Durststrecke mit Karikatur des Ministerpräsidenten
Kaufbeuren: Größter echter Adventskranz der Welt steht
Kaufbeuren: Größter echter Adventskranz der Welt steht
BJR-Präsident Matthias Fack: „Kinder sind keine Corona-Treiber“
BJR-Präsident Matthias Fack: „Kinder sind keine Corona-Treiber“
Geschäfte in Marktoberdorf bieten eine Woche tolle Rabatte!
Geschäfte in Marktoberdorf bieten eine Woche tolle Rabatte!

Kommentare