Abschied von Rudolf Krause

Kaufbeuren trauert um seinen Altoberbürgermeister

Aufbahrung in der Kirche Sankt Martin mit einer sechsköpfigen Ehrenwache
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Aufbahrung in der Kirche Sankt Martin mit einer sechsköpfigen Ehrenwache, bestehend aus Abordnungen von Feuerwehr und Fliegerhorst.

Kaufbeuren – Am 25. Juni 2021 verstarb der langjährige, beliebte Kaufbeurer Altoberbürgermeister Rudolf Krause, der im Februar dieses Jahres noch seinen 90. Geburtstag begehen konnte. Am Freitag, 2. Juli, war der Sarg in der Kirche Sankt Martin mit einer sechsköpfigen Ehrenwache – bestehend aus Abordnungen von Feuerwehr und Fliegerhorst - aufgebahrt. Dort hatten Bürgerinnen und Bürger von 16 Uhr bis 20 Uhr Gelegenheit, von dem Toten Abschied zu nehmen und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Trauergottesdienst nur für Familie und Ehrengäste fand am Samstagmorgen ebenfalls in der Kirche Sankt Martin statt. Die Teilnahme an der anschließenden Bestattung war der engsten Familie vorbehalten.

Mit unter den ersten, die sich ins Kondolenzbuch eintrugen, war neben Oberbürgermeister Stefan Bosse der Parteifreund und „politische Ziehsohn“ des ehemaligen Stadtoberhaupts, Bernhard Pohl, der dafür extra das Stadtradeln unterbrochen hatte. In stummer Trauer nahm Pohl Abschied von seinem väterlichen Freund und Mentor, der ihn nach der Entscheidung der Freien Wähler im Jahre 1997, sich landespolitisch zu betätigen, nachdrücklich ermutigt und unterstützt hatte, für den Bayerischen Landtag zu kandidieren.

Krause wurde 1931 in Löwenberg/Niederschlesien geboren, von wo seine Familie noch während des Krieges geflohen war. Als Geflüchteter lebte er zunächst in Ottobeuren. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Irene kennen, mit der er über 60 Jahre verheiratet war. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Nach der Schulzeit hatte Krause Jura studiert.

Bei der Neuwahl des Oberbürgermeisters von Kaufbeuren 1970 setzte sich Rudolf Krause - damals noch SPD-Mitglied - gegen den favorisierten Kandidaten der CSU, Hans Espermüller, durch. 1974 war Krause nach Differenzen von der SPD zu den Freien Wählern übergetreten und dort fast 50 Jahre bis zu seinem Tod Mitglied. Als sich im Zuge der Landtagskandidatur 1978 die Landesvereinigung gründete, war er eines der Gründungsmitglieder. 22 Jahre blieb Krause Kaufbeurens Oberbürgermeister, ehe er 1992, drei Jahre vor Ablauf der Wahlperiode, aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Danach arbeitete er bis Ende 2008 als Rechtsanwalt in Kaufbeuren.

Alt-OB Rudolf Krause mit dem von Peter Krusche gemalten Portrait aus der Oberbürgermeister-Galerie im Rathaus.

In seiner Tätigkeit als Oberbürgermeister hat Rudolf Krause seine Stadt wie kein Zweiter geprägt. Zwischen den 1950er bis zu den beginnenden 1970er Jahren war Kaufbeuren von etwa 17.500 Einwohnern auf knapp 40.000 angewachsen. Die Heimatvertriebenen aus und um Gablonz an der Neiße hatten im Stadtteil Neugablonz die größte Vertriebenensiedlung Europas aufgebaut. Im Rahmen der Gebietsreform kamen 1972 noch die vormals selbständigen Gemeinden Oberbeuren, Hirschzell und Kemnat zur Stadt dazu. Krause setzte sich entscheidend dafür ein, dass Kaufbeuren bei dieser Gebietsreform 1972 die Kreisfreiheit erhielt. Er trug zudem maßgeblich zur Schaffung der Fußgängerzone, dem Bau des Gablonzer Hauses, des Klärwerks sowie zur Errichtung der beiden Jugendzentren bei und ohne ihn hätte es das Kunsteisstadion am Berliner Platz nicht gegeben, da sein Herz ganz besonders am Sport und dabei insbesondere am ESV Kaufbeuren hing. Ganz besondere Verdienste hat sich Rudolf Krause dabei erworben, zwischen den einheimischen Kaufbeurern und den Neubürgern aus dem Sudetenland ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Und er hat schon in der Zeit, als Deutschland von der kommunistischen Tschechoslowakei noch durch einen Eisernen Vorhang getrennt war, damit begonnen, Brücken in die alte Heimat zu bauen.

Rudolf Krause war ein Politiker zum Anfassen. Für viele war er „der Rudi“, aber gleichermaßen ein hochgeachteter Oberbürgermeister. Er zeichnete sich schon immer durch eine hohe Sozialkompetenz aus. Er konnte Menschen zusammenbringen und sowohl durch seine Gabe als guter Zuhörer als auch als natürliche Autorität befrieden. „Trotz einiger schwerer Schicksalsschläge in seinem Leben war er immer optimistisch und strahlte eine Lebensfreude aus, die andere begeistern und aufrichten konnte“, beschreibt Bernhard Pohl seinen Freund.

Der Kaufbeurer Stadtrat würdigte Rudolf Krause mit der Verleihung des Ehrentitels Altoberbürgermeister und des Ehrenrings der Stadt Kaufbeuren. Er war außerdem Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber, des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und des Bayerischen Verdienstordens.

Kaufbeuren wird Rudolf Krause nicht vergessen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Als Zeichen des stillen Gedenkens wurde an den städtischen Gebäuden für eine Woche Trauerbeflaggung angebracht.

Ingrid Zasche

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