1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Lärmmessung bestätigt keine Notwendigkeit für Andockstationen am Forettle

Erstellt:

Kommentare

Anlieferhof Forettle-Center Kaufbeuren
Der eigens eingerichtete Anlieferhof ist für Lkw zu klein und ein lärmreduziertes Ein- und Ausladen durch Andocken kaum möglich. Ein neue Lärmgutachten ergibt aber Werte unter den Grenzwerten. © Krusche

Kaufbeuren – Wie das Einkaufzentrum im „Forettle Center“ beliefert wird, ist einem so genannten Durchführungsvertrag zwischen Betreiber und Stadt geregelt. Wegen eines neuen Lärmgutachtens soll nach Auffassung der Stadt die Vereinbarung geändert werden. Einige Stadträte sehen das allerdings anders, sprechen sogar von „Vertrauensbruch“.

Doch der Reihe nach: Bereits im Vorfeld der Planungen zum Bau des Versorgungszentrums „Forettle“ gab es Forderungen nach Schallschutz bei den Entladevorgängen. Daher wurde ein Durchführungsvertrag mit dem Investor geschlossen, in dem unter anderem festgeschrieben wurde, dass es aus Lärmschutzgründen keine „offenen“ Entladevorgänge“ geben darf.

Lastwagen müssen demnach die entsprechenden Andockstation direkt am Gebäude nutzen. Während das im südlichen Bereich des Forettle gut funktioniert habe, sei es für große Lastkraftwagen auf der Nordseite wegen baulicher Gegebenheiten schwierig gewesen, erklärte Baureferatsleiter Helge Carl. Daher rückte man von den ursprünglichen Plänen ab und schuf im Norden einen überdachten Anliefer- und Müllhof mit schallisolierender Decke. Diese Änderung wurde allerdings nicht im Durchführungsvertrag berücksichtigt.

Dieser Anlieferhof ohne Andockvorrichtung bietet aber lediglich kleinen Lkw oder Transportern die Möglichkeit eines rückwärts Heranfahrens zum lärmreduzierenden Entladen in die Lagerräume. Größere Lastkraftwagen oder Sattelzüge passen nicht in den Hof und entladen deshalb längs oder schräg zur Gebäudewand (siehe Foto).

Widerstand eines Anliegers

Da die Lieferfahrzeuge nicht immer zuverlässig unterhalb des überdachten Anlieferhofes anliefern, gab es seit Jahren regelmäßige Beschwerden eines Anliegers und damit verbundene Aufforderungen an die Stadt, für Abhilfe zu sorgen. Die Einhaltung der Anlieferung an Andockstationen hatte die Stadt auch teilweise mit Zwangsgeld versucht durchzusetzen.

Der Investor indes gab ein schalltechnisches Gutachten in Auftrag. Laut Carl ergaben die Messungen eine Lärmentwicklung, die auch bei der offenen Entladung im Hof deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten lag. Ungeachtet dessen monierte der Anwohner, dass bei den Messungen lediglich die mechanischen Hubwagen eingesetzt wurden. Die regelmäßig benutzten elektrischen Hubwagen seien subjektiv lauter. Auf Nachfrage des Kreisbote, würde der Anwohner für eine einvernehmliche Lösung entweder die Errichtung einer passgenauen Schallschutzwand oder den Einsatz einer Andockstation, wie ursprünglich geplant, akzeptieren. Dieser hatte sogar eine bauliche Lösung erarbeitet und würde die Planungskosten dafür übernehmen.

Laut Carl gebe es mit den Erkenntnissen des Gutachten keinen rechtlichen Grund mehr, auf das Andocken der Lastkraftwagen zu bestehen. Die entsprechende Passage sollte demnach aus dem Durchführungsvertrag gelöscht werden.

Widerstand im Bauausschuss

Catrin Riedl (SPD) wandte sich gegen eine Aufweichung des Schallschutzes und sprach von „Vertrauensbruch“. Eine Abänderung würde einen Akzeptanzverlust in der Bevölkerung hervorrufen.

Auch Tobias Würfel (Generation KF) würde eine Vertrags­anpassung als Ungerechtigkeit gegenüber Anwohnern betrachten: „Was einmal unter bestimmten Voraussetzungen geplant wurde, soll auch so bleiben“.

Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) betonte nochmals, dass die Grenzwerte nicht erreicht wurden und dem Betreiber Auflagen aufgebürdet würden, die nicht notwendig seien. Es stelle sich die Frage, ob die im Vertrag festgelegten Anforderungen zu hoch angesetzt waren und ob dies nun durch eine Änderung des Durchführungsvertrages geheilt werden könne. „Eine solche Änderung stellt auch die Anwohner nicht schlechter, da alle Messungen unter den gesetzlichen Lärmanforderungen liegen“, erklärte Bosse.

Carl gab zu bedenken, dass Anforderungen, die weit über den gesetzlichen Anforderungen liegen, auch ein schlechtes Signal für neue Investoren sein können.

Robert Klauer (KI) fragte deshalb nach einer Klagemöglichkeit durch den Investor, wenn der Vertrag nicht angepasst werden würde. Das solle die Verwaltung prüfen. Dies versprach Referatsleiter Carl bis zur nächsten Stadtratssitzung zu prüfen. Damit wurde über die Änderung des Durchführungsvertrages nicht entschieden. Sie wird nun dem Stadtrat am kommenden Dienstag zur Entscheidung vorgelegt.
Von Wolfgang Krusche

Auch interessant

Kommentare