verdi ruft zum Streik auf: Forderung nach mehr Lohn

Kaufbeurens Busfahrer streiken

Streikende Menschen in Kaufbeuren mit Fahnen und Warnjacken
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35 Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH legten am Mittwoch für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

Kaufbeuren – Wer am Mittwochmorgen früh in die Arbeit oder zur Schule fuhr, musste eine Menge Geduld aufbringen. Die Gewerkschaft verdi hat an drei Standorten in Bayern die Busfahrer zum Streik aufgerufen. Neben Aschaffenburg und Coburg war auch die Stadt Kaufbeuren betroffen. 35 Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH legten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.  

Insgesamt waren 20 Linien betroffen. Nur einzelne Schulen auf dem Land wurden bedient sowie drei Busse im städtischen Verkehr. Überall aber das gleiche Bild: Lange Staus und Passanten, die vergeblich an den Haltestellen auf einen Bus warteten. Schnell war das Verkehrschaos perfekt. Dabei hatte die Gewerkschaft Verdi den Streik am Vortag bereits groß angekündigt. Nicht nur über die Medien wurde der Hinweis transportiert, auch Schulen und deren Elternbeiräte erhielten diese Nachricht.

„Wir haben alle rechtzeitig informiert“, sagte Silke Vorpahl, Verhandlungsführerin von Verdi im Bereich private Omnibusgewerbe in Bayern. „Wir wollen 3,50 Euro mehr pro Stunde. Das Einstiegsgehalt beträgt derzeit 12,89 Euro und endet bei 14 Euro. Das Angebot des Arbeitgebers lag bisher bei null Euro. Deshalb müssen wir hartnäckig bleiben, bis sich die andere Seite meldet“, verwies Vorpahl auf die anhaltenden Verzögerungen im Tarifkonflikt. „Damit sind wir in keiner Weise einverstanden“, kritisierte sie die Arbeitgeberseite. 35 von insgesamt 50 Busfahrern der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH ließen ihre Busse im Depot. Vom Streik ausgenommen waren und sind die 450 Euro-Kräfte, die nicht vom Tarifvertrag umfasst sind. „Wir haben es geschafft, dass die Busfahrer eine Stadt stilllegen können. Sie üben einen extrem wichtigen Job aus. Sie alle haben es verdient, dafür auch mehr Geld zu bekommen“, betonte Vorpahl.

Busstreik in Kaufbeuren.

Einer von ihnen ist auch Harald Scheibler. Er ist seit 25 Jahren Mitglied in der Tarifkommission für das bayerische Omnibusgewerbe. Für ihn seien die 3,50 Euro ein Fernziel. „Wir brauchen eine deutliche Erhöhung, weil wir gegenüber anderen Berufsgruppen deutlich im Nachteil sind“, blickte er hier besonders auf die langen Fahrzeiten. Umgerechnet 215 bis 225 Stunden pro Monat sitzt ein Busfahrer hinterm Steuer, um ordentlich Geld zu verdienen. Für Scheibler müsse sich primär einiges ändern. Denn Stress und anhaltender Druck werden immer größer. Besonders der Zeitfaktor sei es, der die Lenker früher oder später krank mache. Sowohl im Linien-, als auch im Reisebusverkehr würden die Lenk- und Ruhezeiten so genutzt, dass möglichst der Arbeitgeber davon wirtschaftlich profitiere. Hinzu komme, dass der zunehmende Verkehr auf den Straßen auch in einer Stadt wie Kaufbeuren zunehme. „Wir fahren unserem Fahrplan immer hinterher“, machte Scheibler deutlich. Die Belastung sei enorm. Gerade in Zeiten von Corona seien die Herausforderungen eines jeden einzelnen Fahrers gestiegen: Angefangen von Maskenverweigerern bis hin zu Auseinandersetzungen. Busfahrer berichten sogar von aggressiven Tönen der Fahrgäste, die sie beinahe täglich erfahren. „Der Job wird durch Corona härter“, berichtete Scheibler. Deshalb fordert er wie seine Kollegen eine Lohnerhöhung.

Dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch einigen können, zeigt das Beispiel in Rheinland-Pfalz und Hessen. Hier wurde sogar in einem ersten Schritt eine Lohnerhöhung von 1,50 Euro erzielt. Deshalb sei für Silke Vorpahl auch ein Streik in Corona-Zeiten gerechtfertigt. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es einen Rettungsschirm vom Bund gibt. 381 Millionen Euro werden nach Bayern fließen. Davon werden wahrscheinlich 90 Prozent der Verluste aufgefangen. Wir wollen nur unseren Teil vom Kuchen, nicht mehr und nicht weniger.“

Busstreik in Kaufbeuren.

Sollte die Arbeitgeberseite nicht einlenken und die Forderungen erfüllen, so sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen. „Wir werden nachlegen. Der nächste Streik wird länger sein, wenn es sein muss, auch einen ganzen Tag und unangekündigt“, so Scheibler abschließend.

Der falsche Zeitpunkt

„Den Unternehmen ist schon klar, dass bei den Löhnen des Fahrpersonals etwas getan werden muss. Zudem glaube ich, dass diese auch hierzu bereit wären“, erklärte Michael Bechteler, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH, auf Anfrage des Kreisbote. Jedoch habe Bechteler kein Verständnis dafür, „dass die Gewerkschaft in einer Zeit, in der es vielen Unternehmen primär darum geht, den Fortbestand zu sichern und dadurch die Arbeitsplätze zu erhalten, mit einer völlig überzogenen Forderung von 30 Prozent auf die Unternehmen zugeht“.

Hintergrund der streikenden Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal: Sie wollen mehr Geld. 3,50 Euro pro Stunde sollen mehr in die Lohntüte wandern. „Wir müssen hartnäckig bleiben, bis der Arbeitgeber sich meldet“, sagt Silke Vorpahl, Verhandlungsführerin von verdi im Bereich private Omnibusgewerbe in Bayern. Mehr über die Forderungen und Reaktionen selbst lesen Sie in der Wochenend-Ausgabe. 

von Stefan Günter

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