Nach 31 Jahren Leitung des Stadtarchivs geht Dr. Stefan Fischer in den wohlverdienten „Un-Ruhestand“

Kaufbeurens geschichtliches Gedächtnis geht

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Dr. Stefan Fischer war die menschliche „Speicherplatte“, die menschlich-einfühlsam und akademisch-kompetent auf Anhieb wusste, wo der Interessierte mit seinen Nachforschungen ansetzen musste.

Kaufbeuren – Keine Frage: Es hat sich viel verändert in den 31 Jahren, seitdem Dr. Stefan Fischer seine Leitungsfunktion als Stadtarchivar in Kaufbeuren übernahm. Im August neigt sich seine offizielle Zeit als Abteilungsleiter dem Ende zu. Wer den passionierten Historiker kennt, versteht, dass er den Ruhestand mit geschichtlichen Forschungsarbeiten zum „Un-Ruhestand“ machen wird.

In der Vergangenheit stand er oft eher im Schatten der großen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse, indem die stete Aufwärtsentwicklung des Stadtarchivs eher unbemerkt blieb. Dennoch im Rückblick waren es in seinem Gebiet erfolgreiche, ereignisreiche, gut genutzte Jahre, die einen Rückblick verdienen.

Stadtarchivar aus Berufung

Der gebürtige Münchener hat sein Metier von der Pike auf gelernt, denn neben Deutsch hat er deutsche und bayerische Geschichte studiert. Promoviert hat er 1983. Der Titel „Der geheime Rat und die Geheime Konferenz unter Kurfürst Karl Albrecht von Bayern 1726 – 1745“, verrät bereits seine große Leidenschaft zur bayerischen Behördengeschichte. Die Benotung „Summa cum laude“, die bestmögliche Bewertung, war ausreichend Empfehlung, die dreijährige Ausbildung als Archivreferendar anzufangen. Die durchlaufene bayerische Archivarausbildung dürfte heute im Zeitalter der Computer und des Internets etwas anders orientiert sein, aber damals wurde von einem Archivar noch erwartet, dass er einen umfassenden Überblick über die historischen Dokumente, das Quellenmaterial und die wissenschaftlichen Arbeiten besaß. Auf „Augenhöhe“ mussten die Archivare mit den akademischen Kollegen sprechen können, wenn es um das Datenmaterial von Forschungsprojekten ging.

So gut beruflich und akademisch vorbereitet standen ihm in Kaufbeuren die Türen der kommunalen Verwaltung für den „höheren Dienst“ offen. Dort ist Fischer nicht nur für das städtische Archiv zuständig, sondern er nimmt auch die Aufgaben eines städtischen Abteilungsleiters wahr, bei dem sich im Laufe von drei Jahrzehnten immer wieder die Zuständigkeitsbereiche geändert haben. Fischer räumt ein, mit der Qualifizierung „höherer Dienst“ wäre die Stelle im Verhältnis zu andern Städten derselben Größenordnung hoch dotiert, aber unter Rudi Krause, dem damaligen OB der Stadt, wäre der ehemaligen Reichsstadt auch eine wichtige historische Bedeutung zugeschrieben worden, die diese Besetzung gerechtfertigt hätte.

Stadtarchiv eine Verpflichtung

Es stelle allerdings keinen Luxus dar, ein Archiv zu betreiben, erklärt er. Eine solche Einrichtung ist durch die Gemeindeordnung verpflichtend vorgeschrieben, und nur beim aufgewendeten Sach- und Personalaufwand besteht ein politischer Entscheidungsspielraum. Es gehöre also zu den Aufgaben einer Stadt kompetent Auskunft zu geben, was die historischen Hintergründe anginge. Zusammenarbeit mit dem hiesigen Museum und den ortsansässigen Schulen wäre ebenfalls eine Verpflichtung.

Über mangelndes geschichtliches Interesse kann der Archivar nicht klagen, nehmen doch täglich durchschnittlich vier bis fünf Personen dessen Dienstleistungen in Anspruch. Mit einer solchen Nachfrage könne auch manches Groß-Archiv zufrieden sein. Hinter dieser beeindruckenden Zahl verbirgt sich ein erheblicher zeit- und beratungsintensiver Aufwand, wie jeder weiß, der dort schon einmal Material gesichtet hat.

Ein Archiv könne auch einigen praktischen Nutzen haben, erläutert Fischer an einem Beispiel: Würden bestimmte Schadstoffe in einem Stadtteil gefunden, könnte das Stadtarchiv bei der Suche durchaus wertvolle Hinweise über deren Herkunft geben. Schließlich wisse man um ehemalige Einrichtungen in der Stadt. Auch sonst stehe eine traditionsbewusste Stadt in der Pflicht, wenn es um fachkompetente Beantwortung von historischen Fragen ginge. Die historisch Interessierten wissen, dass sie in ihm einen kompetenten Anspruchspartner fanden.

Archivar Fischer selbst betont ausdrücklich, dass die politischen Entscheidungskräfte bei der Anschaffung von Sachmitteln ihn immer unterstützt hätten. So sei es unter seiner Leitung möglich gewesen, den Bestand der Materialien von 90 auf 5000 zu erhöhen. Er musste allerdings einräumen, dass diese Entwicklung bei der personellen Besetzung nicht gilt. Hier sei man deutlich unterbesetzt. Zu der zukünftigen Besetzung seiner Stelle wollte Fischer ausdrücklich keine Stellung beziehen. Siehe hierzu auch den Kommentar.

von Peter Suska-Zerbes

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