Kaufbeurens Wirtschaftsreferatsleiter Siegfried Knaak verabschiedet sich in den Ruhestand

„Man lässt etwas zurück"

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Fast vier Jahrzehnte in Diensten der Stadt: Siegfried Knaak als Leiter des Referates für Wirtschaft und Kultur geht zum Ende des Jahres in den Ruhestand.

Kaufbeuren – Er hat nicht nur unter drei Oberbürgermeistern gedient. In nahezu vier Jahrzehnten in den verschiedensten Funktionen bei der Stadt Kaufbeuren hat der scheidende Referatsleiter für Wirtschaft und Kultur, Siegfried Knaak, vieles erlebt. Zum Jahresende geht der in Mindelheim wohnhafte 62-Jährige in den Ruhestand.

Er hat Herausforderungen gerne angenommen, sich selbst aber weniger als Akteur im Vordergrund gesehen, sondern seine Rolle eher als Vermittler und Moderator verstanden. Die Begegnungen in der Tätigkeit und die menschlichen Bindungen haben ihre Spuren hinterlassen. „Man lässt etwas zurück“, sagt er mit einem Ausdruck von Nachdenklichkeit und gewährt im Gespräch mit dem Kreisbote auch einen persönlichen Einblick.

„Wer in den 50er Jahren geboren wurde, hatte schon gehöriges Glück“, betont der baldige Ruheständler, insbesondere in der Rückschau zum Vergleich mit dem Leben seiner Eltern in den Kriegsjahren und deren Folgen. Die Erinnerungen an die Kindheit mit beengten Wohnverhältnissen der Familie sind noch genauso präsent wie die Flexibilität des Vaters, der mit mehreren Berufen über viele Jahre für den Unterhalt der Familie sorgte.

„Uns geht es heute sehr gut“, so sein Resümee. Das gelte auch für seine Gesundheit. „Ich habe eine Zeit lang unvernünftig gelebt“, sagt er, „zu wenig Bewegung, falsche Ernährung und das dann auf die Arbeit und Zeitmangel geschoben.“ Doch das sei falsch. Man könne in jeder Tätigkeit entsprechende Bewegung einbauen: „Heute mache ich auch noch nach einer Sitzung am späten Abend einen Spaziergang.“ Nachdem er den „Schalter umgelegt“ habe, wäre es gar nicht mehr schlimm gewesen. Die Erkenntnis, plötzlich neue Energie zu gewinnen, habe ihn zusätzlich motiviert und schließlich zu einer Gewichtsreduzierung von 15 Kilogramm geführt.

Berufliche Heimat gefunden

„Als ich 1981 meinen Dienst hier antrat, war ich nicht sicher, ob hier meine berufliche Zukunft liegt“, erzählt Siegfried Knaak. Doch bereits ein halbes Jahr später landete er im Personalamt und übernahm danach die Leitung des Rechnungsprüfungsamtes. So ging es stetig weiter über die einzelnen Stationen (siehe Kasten). Irgendwann sei dann der Punkt gekommen, wo man feststellt: Es passt, hier fühle ich mich wohl. Er habe die kreisfreie Stadt sehr geschätzt, die Arbeit mit einer breiten Fülle an Aufgaben und Möglichkeiten sei faszinierend gewesen. Ein Lächeln gleitet über das Gesicht, als er über die Anfänge seines Berufslebens mit Büchern und Karteikarten ohne EDV berichtet. Bei einem Stoiber-Besuch habe man ihm mal ein Funk-Handy in der Größe einer Aktentasche zur Verfügung gestellt.

Herausforderungen

Zur Arbeit als Bindeglied zwischen Stadtrat und Verwaltung stellt Knaak klar: „Ich bin ein Fan des Konstruktes der Demokratie.“ Das Zusammentreffen zwischen Stadträten als Bürgervertreter und der Verwaltung als Fachorgan mit dem Abstimmen der unterschiedlichen Sichtweisen halte er für sehr vorteilhaft und wichtig. Auf große Herausforderungen angesprochen, sagte Knaak: „Es gab immer Höhen und Tiefen. Die Flüchtlingskrise war insofern herausfordernd, da in wenigen Monaten Wohnraum zur menschenwürdigen Unterbringung gefunden werden musste, man dabei aber dennoch zeitlich flexibel sein musste.“ Das sei gut gelungen. Auch die Wiedervereinigung habe zusätzliche Arbeit geschaffen. Die Diskussion um einen Sonderlandeplatz am Fliegerhorst hat er in weniger guter Erinnerung, weil hier die Gesellschaft gespalten war und Emotionen vieles überlagert hätte. Sein generelles Fazit: „Es wird immer dann schwierig, wenn die Emotion über der Sachlichkeit liegt.“ 

Er sehe die Aufgabe einer guten Verwaltung mit ihrer Stadtspitze darin, zu versachlichen. Als positives Beispiel führt der Referatsleiter die Diskussion um den möglichen Bau einer Moschee an, weil Oberbürgermeister Stefan Bosse das Herunterbrechen auf die sachliche Ebene „unbandig gut gelungen“ sei. Der „DU-Stuhl“ – sich in die Situation des anderen zu versetzen, „wie würdest Du Dich sehen“ – sei sehr hilfreich, aber nicht immer einfach zu praktizieren. Als besonders positiv ist dem Wirtschaftsfachmann die Schaffung der Voraussetzungen für die Ansiedlung von HAWE in Erinnerung geblieben. „In der Verwaltung hat sich in wenigen Monaten übergreifend ein Korpsgeist entwickelt. Das war ein wunderbares Miteinander.“ Allerdings gebe es Grenzen, bei denen man fremdbestimmt sei, wie beispielsweise beim Weggang des Unternehmens Digital: „Man kann nur Rahmenbedingungen schaffen.“ Bezüglich der unterschiedlichen Stadtspitzen bleibt er loyal: „Jeder OB war ein Kind seiner Zeit“.

Zukunft Kaufbeurens

Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Kaufbeurens sieht Knaak optimistisch. „Wir haben eine gute Schullandschaft, eine qualifizierte Verwaltung und sind in der Datenanbindung ganz vorne.“ Mit dem Ausbau der B12 und der möglichen Entwicklung interkommunaler Gewerbeflächen erwartet er sich einen deutlichen Schub aus dem Großraum München und nennt die B17 zwischen Landsberg und Augsburg als Beispiel: „Viele Produkte kommen auf der Straße.“ Den schon lange laufenden gleitenden Prozess der Amtsübergabe an seine Nachfolgerin Caroline Moser sieht er als Vorteil, auch für die Kunden, einen Rat hat er dagegen nicht: „Jeder muss sich selber finden.“

Eigene Zukunft

Der Wunsch nach Gesundheit steht bei Knaak an erster Stelle. Neben dem Sport wird das Thema Basteln und Bauen in jeder Form verstärkt in den Vordergrund rücken. Durch seinen Vater habe er auch gelernt, mit Metall umzugehen und seine Tochter hätte schon Pläne für eine Aufgabe als Bauleiter. In der Erinnerung bleibt dem in wenigen Tagen aktiven Ruheständler das Miteinander in einem Team. „Die menschlichen Bindungen mit fast familiärem Charakter und einer tollen Zusammenarbeit mit durchaus auch kontroversen Diskussionen werden mir fehlen“, so Knaak abschließend und verspricht, den Kontakt zu halten: „Ich bin ja nicht aus der Welt!“

von Wolfgang Becker

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