Vom Leben geformt

Kaufbeurens Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher feiert 75. Geburtstag

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Mit sich im Reinen: Jubilar Gerhard Bucher blickt in einem persönlichen Rückblick zufrieden auf sein Leben.

Kaufbeuren – Geburtstage sind für die meisten Menschen besondere Tage. Sie geben häufig Anlass für einen Rückblick auf das bisherige Leben. Kaufbeurens Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher hat in einem Gespräch mit dem Kreisbote zu seinem 75. Geburtstag seine ganz private Seite gezeigt.

Dabei sind überraschende Dinge zutage getreten. Unter anderem ein Traum, für den er mit harter Arbeit kämpfte und dessen Erfüllung gelang, aber auch ein anderer Traum, der sich leider nicht erfüllte. Am Ende zählt die Erkenntnis: „Meine Familie ist mein größtes Geschenk!“ Sich selbst hat Bucher zum Geburtstag auch eine Freude gemacht: Er hat ein Buch geschrieben, das anlässlich seiner Jubiläumsfeier vorgestellt wird.

Es waren harte Zeiten, als Gerhard Bucher 1945 kurz vor Kriegsende das Licht der Welt in Baisweil erblickte. „Es war tiefster Winter und meine Mutter hat mit mir als Baby im Keller gesessen“, weiß er aus Erzählungen seiner Mutter. „Und sie hatte große Angst, weil die Amerikaner mit ihrem Panzer hinter dem Hof standen.“ Dies und die Tatsache, dass er als lediges Einzelkind geboren und später dann vom Landwirt Bucher als Ehemann seiner Mutter in Kemnat adoptiert wurde, waren nach seinen Worten Auslöser für die Idee zu einem Buch. An der Hauptschule in Kemnat entstand der Wunsch zu seinem Traumberuf: Lehrer. „Ich musste in den letzten zwei Schuljahren ständig den Lehrer vertreten, wenn der in der Nachbargemeinde als Organist tätig war“, sagt Bucher, der auch heute noch in Kemnat wohnt.

Träume

Der Traumberuf eines Lehrers ließ sich leider nicht verwirklichen. Trotz sehr guter Noten war er als Nachfolger in der Landwirtschaft vorgesehen, was allerdings nicht mit den eigenen Wünschen zusammenpasste. Dennoch stand am Ende eine Ausbildung als Landwirtschaftsgehilfe und die spätere Weiterführung des elterlichen Betriebes im Nebenerwerb bis 1998. Doch der junge Familienvater – nach der Heirat 1967 und erstem Nachwuchs – ließ sich nicht beirren: „Ich wollte etwas dazu verdienen und habe überall mitgeholfen und gearbeitet, wo Not am Mann war!“

Die Palette der Tätigkeiten gestaltete sich bunt: als Maurer, Möbelaufsteller und Tankwart aber auch als Landwirtschaftsgehilfe in der Funktion eines Milchmessers und schließlich bis zum Zuchtwart für die Leistungsmessung bei Kühen für die Zucht. Darüber gelang der Sprung in eine Festanstellung beim Landeskuratorium für tierische Veredelung (LKV) in Bayern und später in den mittleren Staatsdienst. Und mit Bestnoten, viel Ehrgeiz und weiterer Ausbildung war nach abgeschlossener Prüfung mit 37 Jahren der Einstieg in den gehobenen Dienst geschafft. Als Leiter der Außenstelle des LKV mit 30 Mitarbeitern endete schließlich das Berufsleben. „Ich hatte mit Menschen zu tun, es war vielseitig und hat Spaß gemacht“, lautet Buchers Fazit.

Der zweite Traum ging in Erfüllung. „Ich wollte heiraten und eine große Familie haben. Diesen Traum konnte ich mir mit meiner Frau Afra erfüllen“, erzählt Gerhard Bucher mit bewegter Stimme. „Mit vier Kindern und zwölf Enkeln von 27 Jahren bis sieben Monaten sind wir eine Superfamilie, für die ich immer Vorbild sein wollte. Das ist meine größte Freude, denn alle kommen auch bestens miteinander aus.“

Zweimal großes Glück

Zweimal ist Bucher dem Tod knapp von der Schippe gesprungen. Bei der Vorbereitung zu den Burgfestspielen 1994 zog ein schweres Gewitter auf und mit einigen Helfern hatte Bucher im Römerturm Schutz gesucht. Doch plötzlich ein schwerer Schlag: Ein Blitz schlug aus einem an der Wand befestigten Sicherungskasten. „Es hat mich an die Wand geworfen und ich war zunächst weg“, erinnert er sich und die Spuren des Blitzaustritts seien noch lange am Bein sichtbar gewesen. Die zweite lebensgefährliche Situation war gut zehn Jahre später. Am 23. September 2004 – tags zuvor war Bucher noch acht Stunden auf dem Meraner Höhenweg unterwegs – erlitt er bei einem Benefiz-Fußballspiel in der zweiten Halbzeit einen Herzinfarkt. Glückliche Umstände in Form anwesender ärztlicher Betreuer retteten ihm das Leben und mit fünf Bypässen kehrte er in den Alltag zurück. „Ich bin sensibler geworden und höre seitdem mehr in meinen eigenen Körper hinein.“

Rundum zufrieden und mit sich und der Welt im Einklang präsentiert sich der Jubilar am Ende des Gespräches. Auch wenn der Einstieg in die Politik 1984 als Stadtrat und ab 1996 als Zweiter Bürgermeister einen Einschnitt in seinem Leben markierte. Er war zudem in vielen Vereinen aktiv unterwegs und immer um gute Stimmung bemüht. „Das hat mir bei einigen den Spitznamen ‚Feierbiest‘ eingebracht“, so Bucher schmunzelnd. Doch auch das gehört zum Bestandteil eines Menschen, den das Leben geformt hat.

Im Rahmen einer Feierstunde zum Geburtstag, die von der Stadt am morgigen Samstag veranstaltetet wird, wird Bucher auch sein vor vier Jahren begonnenes Buch vorstellen, das eine persönliche Sicht der Dinge auf Eckpunkte seines Leben liefert.

von Wolfgang Becker

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