"Die afrikanische Armut sprengt alle Vorstellungskräfte."

Krankenhaus auf hoher See

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Dr. Veit Zimmermann (links) und Dr. Leo Cheng untersuchen einen kleinen Patienten auf der Africa Mercy.

Kaufbeuren – Der Kaufbeurer Gesichtschirurg Dr. Veit Zimmermann hat im Januar zwei Wochen im westafrikanischen Benin verbracht, aber nicht um Urlaub zu machen. Zusammen mit einem internationalen Team trug er auf dem größten Hospitalschiff der Welt, der „Africa Mercy“, dazu bei, das unvorstellbare Leid der Menschen dort ein wenig zu verringern.

Seit einigen Jahren sammelt Zimmermann in seiner Praxis Spenden für den guten Zweck. Im vergangen Jahr beschloss er „per eigener Hand zu helfen“, wie er sagt. Entschieden hat er sich für die amerikanische Organisation „Mercy Ships“. „Dieser Gedanke lag nahe, weil sich die deutsche Zentrale der Hilfsorganisation in Kaufbeuren befindet“, erklärt der Arzt. „Mercy Ships“ vertritt den christlichen Gedanken, den durch Krankheit und Elend Ausgestoßen Hoffnung zu bringen. Freiwillige aus fast vierzig Nationen leisten auf dem weltweit größten Hospitalschiff ehrenamtliche Arbeit. Dazu legt das Schiff in einem bestimmten zeitlichen Rhythmus immer wieder an der westafrikanischen Küste an. Gebraucht werden beispielsweise Ärzte verschiedenster Fachrichtungen, Lehrer, Friseure, Reinigungskräfte oder Köche.

Zimmermann fand den Kontinent Afrika immer schon interessant. „Mercy Ships bietet ärztlich gesehen die perfekte Basis, um zu helfen“, begründet er seine Entscheidung weiter. Das Schiff selbst bietet alle Standards der westlichen Welt. „Dabei handelt es sich um ein ganz normales Krankenhaus. Es ist zwar amerikanisch-englisch organisiert, aber hat man sich erst einmal eingearbeitet, kommt man dort gut zurecht“, erzählt Zimmermann über die Vorbereitungen für seinen Einsatz.

Ganz anders sieht es mit den Lebensbedingungen in Benin aus: „Die afrikanische Armut sprengt alle Vorstellungskräfte. Das ist etwas ganz anderes als das, was man vielleicht aus bestimmten Stadtvierteln in deutschen Großstädten kennt. Vorbereiten kann man sich darauf nicht. Man muss es gesehen haben. Und dann muss es passen oder auch nicht.“ Benin ist ein Staat mit ungefähr zehn Millionen Einwohnern zwischen Togo und Nigeria im Westen Afrikas. Auf der Rangliste des „Human- Development-Indexes“ liegt das Land auf Platz 165 von 187. Der Index der UN stellt den Wohlstand der meisten Länder der Welt dar und gibt so eine geringe Vorstellung über die Lebensbedingungen in Benin.

Als Chirurg wurde Zimmermann natürlich ärztlich eingesetzt. Die ersten Tage hat er damit verbracht, neue Patienten zeitlich für die Operationen einzuteilen und die Operationen zu planen. Oft sei es nicht einfach gewesen, sich mit den Einheimischen zu verständigen. „Natürlich haben wir Dolmetscher, aber bei den seltenen Sprachen ist es nicht immer einfach, dass sofort einer zur Verfügung steht.“ Die restlichen neun Tage seines Aufenthalts auf dem Schiff stand er dann jeden Tag im Operationsraum. „Diese Zeit vergisst man nicht so schnell. Und natürlich besonders die kranken Kinder gehen zu Herzen. Die meisten von ihnen sehen zum ersten Mal in ihrem Leben einen Weißen. Da reagieren sie natürlich zunächst mit Zurückhaltung und Vorsicht. Haben sie dich aber zwei, drei Mal gesehen, geben sie dir ein Lächeln zurück.“

Zimmermann ist sich dabei sicher, dass sein Einsatz keine einzigmalige Sache war: „Der Aufenthalt für nächstes Jahr ist schon wieder geplant. Zwei Wochen in meinem Leben sind nichts im Gegensatz zu der unvorstellbaren Hilfsbedürftigkeit der Menschen dort.“

von Agnes Reißner

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