Wünsche und Anträge zu Themen von Asyl bis Schwimmbäder

Knaben-Kapelle bald auch mit Frauen?

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OB Stefan Bosse stellt sich den Fragen der Bürgerinnen. Auf der Leinwand hinter ihm lief zuvor eine Präsentation der erledigten Anfragen aus dem Vorjahr.

Kaufbeuren – Weil den Damen des Kaufbeurer Frauenforums aufgefallen war, dass an den Bürgerversammlungen hauptsächlich Männer teilnehmen und die wenigen anwesenden Frauen sich außerdem so gut wie nicht zu Wort melden, haben sie 2014 zusätzlich eine Bürgerinnenversammlung angeregt. Diese fand kürzlich in der Aula der Jörg-Lederer-Mittelschule bereits zum zweiten Mal statt.

Elke Schad, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, moderierte und die Grünen-Stadträtin Ulrike Seifert als Sprecherin des Frauenforums berichtete zur Einstimmung mit detaillierten Fotos über die Umsetzung der Anträge und Wünsche aus dem letzten Jahr. 

Dann beantwortete Polizeikommissarin Bettina Schmidt Fragen zu Radfahrer, behindernden Parksündern oder monatelang abgestellten, sichtlich defekten Fahrzeugen. Außerdem wies sie darauf hin, dass, obwohl Kaufbeuren in der Einbruchsstatistik nicht sehr weit oben rangiere, in der kommenden dunklen Jahreszeit dennoch verstärkte Einbruchssicherung angeraten sei. 

In zwei Lager gespalten wurde die Versammlung durch die Forderung, die Tänzelfestknabenkapelle solle zur Tänzelfestkapelle werden und endlich auch Mädchen zulassen, zumal es nicht mehr genug Knaben gebe, um alle Instrumente ordentlich zu besetzen. Ein Teil sprach sich vehement für Traditionsbewusstsein und das Alleinstellungs- merkmal einer Knabenkapelle aus. Die anderen plädierten für Gleichberechtigung und Abschaffung alter Zöpfe. 

Stadträtin Gertrud Gellings vom Tänzelfestverein verwies auf eine für die Aufnahme von Mädchen notwendige Satzungsänderung, die erst bei der Mitgliederversammlung 2016 beschlossen werden könne. 

Die Erfüllung des Wunsches nach flächendeckend überdachten Bushaltestellen konnte Bosse nur bedingt zusagen: Ein ortsübliches Wartehäuschen koste 10.000 Euro, das sei bei rund 100 Haltestellen im Stadtgebiet ein im Budget nicht vorgesehenes Millionenprojekt. Einzelne Häuschen für häufig genutzte Haltestellen könnten jedoch durchaus noch ergänzt werden. 

Regelrecht angegangen wurde der Oberbürgermeister, als er den Wunsch, das Bürgerbüro am Kirchplatz als Bürgertreff nutzen zu dürfen, abschlägig beschied, weil das Büro seine Existenz einer projektbezogenen Förderung für den Umbau der Fußgängerzone verdanke. Außerdem kämen die Leute nach seiner Erfahrung ohnehin bloß, wenn sie persönlich betroffen seien, und selbst dann würden sie oft erst noch eine persönliche Information erwarten. Er lasse sich hier nicht nachsagen, dass er nicht alles versuche, die Leute ins Boot zu holen, aber „was soll ich denn bitte machen?“ 

Eine lebhafte Diskussion entspann sich auch um die vorgesehene Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen IN-Haus gleich neben dem Kindergarten „Guter Hirte“. Grünen-Stadtrat Oliver Schill, der sich in der Schrader-Turnhalle kundig gemacht hatte, beklagte in diesem Zusammenhang eine „üble Gerüchteküche“, mit der massiv Stimmung gegen „ganz normale Familien“ gemacht werde. 

Ebenfalls angesprochen wurden fehlende Turnhallenkapazitäten für Trainings jüngerer Kinder, die durch die Nutzung als Flüchtlingsnotaufnahme weiter eingeschränkt würden; zu kalte/zu warme/zu teure Schwimmbäder; die Öffnungszeiten der Stadtbücherei; die Vernachlässigung von ursprünglich schönen Anpflanzungen oder die Durchsetzung von Mülltrennung. 

Eine aus Sri Lanka stammende Bürgerin berichtete, dass ihrer Tanzgruppe der bisher genutzte Raum im Lauber-Haus künftig nicht mehr zur Verfügung stehe. Hier versprach Elke Schad zu prüfen, ob eine Lösung über den Familienstützpunkt möglich sei.

von Ingrid Zasche

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