Haushaltsantrag

Kaufbeurer SPD fordert: 100 Euro Zuschuss für Stoffwindeln

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Im Ostallgäu gibt es bereits einen Zuschuss für Stoffwindeln.

Kaufbeuren – Das sei wieder einmal typisch, sagte KI-Fraktionsvorsitzender Ernst Holy, „Millionen winken wir durch und über Beträge von drei- bis viertausend Euro diskutieren wir“. Im betreffenden Fall ging es in den Haushaltsberatungen um den Windelantrag der SPD.

Die Fraktion möchte, dass jedem neugeborenen Kauf­beurer Kind, für das Stoffwindeln gekauft werden, ein einmaliger Windelzuschuss von 100 Euro gewährt wird. Nachzuweisen sei der Kauf mit einer Rechnung, die zusammen mit der Geburtsurkunde den Zuschuss erlaube.Begründet wird der Antrag mit der „sehr guten Ökobilanz“.

Antragstellerin ist Helga Ilgenfritz, sie möchte damit ein Zeichen in Richtung Ökologie setzen. Wie SPD-Fraktionssprecherin Catrin Riedl vortrug, produzierten Stoffwindeln keinen Plastikmüll, das Müllaufkommen werde auf ein Minimum reduziert und Stoffwindeln hätten eine gute CO2-Bilanz. Von Vorteil sei außerdem, dass sie weniger Allergien auslösten als herkömmliche Windeln. Im Landkreis Ostallgäu ist diese „umweltfreundliche Alternative“, wie es auf der Homepage des Landratsamts heißt, bereits seit 2005 gängige Praxis, allerdings bekommt man dort keine 100, sondern 50 Euro erstattet. 2019 seien 52 Zuschussanträge gestellt worden, sagte Abfallberaterin Sylvia Mair auf Nachfrage.

Stadträtin Dr. Erika Rössler (CSU), Ärztin am Klinikum Kaufbeuren, sah die Sache mit der Ökobilanz anders, da das Waschen und Trocknen der Stoffwindeln Energie und Wasser verbrauche. Im Klinikum jedenfalls sei man zu Einmalwäsche zurückgekehrt. Grundsätzlich für sinnvoll hielt Bernhard Pohl (FW) den Zuschuss, gab aber zu bedenken, dass man die Umsetzung technisch anders angehen müsse, etwa mit einem Gutschein bei einem Anbieter. Zudem stellte sich der Ausschuss die Frage, ob nicht auch Eltern von nicht neugeborenen Kindern im „windelfähigen Alter“ Anspruch darauf hätten. „Und was ist mit inkontinenten Erwachsenen?“, fragte Christian Sobl (CSU). In einer nächsten Sitzung werde die Verwaltung eine Aufstellung mit Richtlinien vorlegen, schlug Finanzreferent Markus Pferner vor. Oberbürgermeister Stefan Bosse ergänzte, man wolle keine Bürokratiemonster schaffen. Sollte es einen „Run“ auf den Windelzuschuss geben, sei die Stadtverwaltung handlungsfähig. „Politik lebt auch von Symbolen“, kommentierte Oliver Schill (Grüne).

von Martina Staudinger

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