Kaufbeurer Stadtmuseum wird mit dem mit 10.000 Euro dotierten "Pro-Suebia"-Preis ausgezeichnet

"Verborgene Schätze heben"

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Dank des Förderpreises kann Museumsleiterin Dr. Astrid Pellengahr die „Schatzkammer“ im Rahmen der Kruzifixsammlung verwirklichen.

Kaufbeuren – Noch harrt das Kaufbeurer Stadtmuseum seiner Eröffnung. Aber das neue Ausstellungskonzept, das dann zum Tragen kommen wird, erhielt bereits jetzt eine Auszeichnung. Der "Pro Suebia"-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Der 86-jährige Stifter Dr. Eugen Liedl ließ es sich nicht nehmen, seine Auszeichnung, den Preis „Pro Suebia“ (lat. „Für Schwaben“) und seine Bedeutung höchstpersönlich zu erläutern und den beiden Preisträgern anschließend auch die zugehörigen Schecks zu überreichen. In den neuen Räumen des Kaufbeurer Stadtmuseums, die derzeit der Einrichtung mit den Exponaten harren, konnte Dr. Astrid Pellengahr als Leiterin der Institution den Pro-Suebia-Kulturpreis für das neue Aufstellungskonzept im Stadtmuseum entgegennehmen. Mit dem Wissenschaftspreis wurde der Historiker Dr. Helmut Zäh aus Augsburg ausgezeichnet. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Die Dr.-Eugen-Liedl-Stiftung wurde am 1. Oktober 2003 mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Erforschung und Pflege der schwäbischen Kultur und Geschichte zu fördern. Demgemäß hat Dr. Liedl für die Herkunft des Namens „Pro Suebia“ auch weit in die Vergangenheit zurückgegriffen – bis hin zu den alten Römern. Auch im Rahmen seiner Rede schlug Liedl einen weiten Bogen in die Geschichte und wies unter anderem darauf hin, dass man unter dem „Mare Suebicum“, dem „Schwäbischen Meer“, zu Tacitus’ Zeiten nicht etwa den Bodensee, sondern die Ostsee verstand und dass die Bezeichnung „Suebi“ oftmals pauschal für alle Deutschen angewendet wurde. Heute beschränkt sich die Stiftung bei der Auswahl von Preisträgern auf den Schwäbischen Sprachraum „zwischen Lech und Schwarzwald“. 

Der in diesem Jahr zum neunten Mal vergebene Preis „Pro Suebia“ besteht aus einem wissenschaftlichen und einem kulturellen Teil, die mit jeweils 10.000 Euro dotiert sind. Den  Wissenschaftspreis erhielt der Historiker Dr. Helmut Zäh aus Augsburg für seine Analyse der Familien- und Ehrenbücher von Augsburger Patrizierfamilien vom 15. bis 18. Jahrhundert. In der Ausstellung „Bürgermacht und Bürgerpracht“ wurden die reich illuminierten Codices, begleitet von einem ausführlichen Katalog, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In seiner Laudatio zitierte Professor Dr. Rolf Kießling unter anderem den Preisträger. Dieser sieht sich selbst als „bekennenden Bibliophilen, der sich mit Lust in eine Bibliothek vergräbt, um die dort verborgenen Schätze zu heben“. 

Der Kulturpreis wiederum ging an das Kaufbeurer Stadtmuseum, dessen Sammlungen nach dem umfangreichen Um- und Neubau derzeit neu aufgestellt und präsentiert werden. Vor allem die einzigartige Kruzifixsammlung sei, so der Laudator für diesen Preis, Professor Dr. Hans Frei, „ein besonderes Kleinod, das breite Aufmerksamkeit verdient“. Sie wurde 1936 vom Irseer Pfarrer Richard Wiebel an das Stadtmuseum übertragen – „damit sie dort geschlossen und würdig aufbewahrt wird“ – und seitdem durch Zukäufe und Stiftungen auf den derzeitigen Stand von über 300 Exponaten aus rund 900 Jahren aufgestockt. Das von der Museumsleiterin Dr. Astrid Pellengahr erarbeitete Präsentationskonzept für diese Sammlung aus verschiedenen  kost- baren Materialien sieht – ihren jeweiligen Epochen entsprechend – eine Untergliederung in vier Bereiche vor: Christus der Siegende, Christus der Leidende, Christus der Sterbende und Christus, der Erlöste. Am Ende des betreffenden Ausstellungsraumes ist eine „Schatzkammer“ mit zusätzlichen, besonders kostbaren Objekten geplant. Dieses Projekt kann nun dank des Förderpreises realisiert werden. Oberbürgermeister Stefan Bosse nahm in seiner Funktion  als „Museums-Hausherr“ den Preis in Empfang. Danach stellte Pellengahr in einer kurzen Fotoshow eine Auswahl der Kruzifixe vor und zeigte mit Vorher-/Nachher-Bildern anschaulich, welche Verbesserungen schon ein wenig Reinigung bewirken kann. Nach einem weiteren musikalischen Zwischenspiel der „Saitenmusik Laetizia“, die die musikalische Umrahmung des Abends übernommen hatte, verkündete Bosse in seinem Schlusswort, dass die Stadt für den Innenausbau des Museums rund 1,16 Millionen Euro einsetzen will und lud verbindlich zur Eröffnung im Juni 2013 ein. von Ingrid Zasche

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