Abschied eines kreativen Beamten

Kaufbeurer Stadtplaner Manfred Pfefferle geht in den Ruhestand

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Nach fast 40 Jahren Planungsarbeit ist für Kaufbeurens Stadtplaner Manfred Pfefferle Anfang Februar Schluss. Er geht in den Ruhestand.

Kaufbeuren – Manfred Pfefferle, Leiter der Abteilung Stadtplanung und Bauordnung in der Kaufbeurer Stadtverwaltung, geht in den Ruhestand. Er blickt auf ein Berufsleben zurück, das geprägt war von Herausforderungen und Erfolgen. Diese beruhten nicht zuletzt auf seiner passgerechten und grundsoliden Ausbildung sowie umfassender Berufserfahrung. Da wird es schwer, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Manfred Pfefferles Berufsleben war von zwei Aspekten geprägt, die auf den ersten Blick höchst widersprüchlich erscheinen. Da waren einerseits die Anforderungen an die Planungsarbeit, der enge gesetzliche Rahmen, in dem er sich zu bewegen hatte, wollte er nicht Misserfolge riskieren. Diese Planung bezog sich jedoch andererseits auf eine Vielzahl sehr verschiedenartige Projekte, die sich keinesfalls nach „Schema F“ bearbeiten ließen. „Das reicht vom Carport bis zum Großprojekt, für dessen Umsetzung wir die baurechtlichen Grundlagen schaffen müssen“, erläutert Pfefferle sein Aufgabengebiet. „Mich hat an meiner Arbeit stets fasziniert, dass ich oft morgens nicht so richtig wusste, was da im Laufe des Tages auf mich zukommt. Denn hinter jedem Bauprojekt stehen ja eine Unmenge von Vorstellungen, Meinungen und Interessen, für die es gilt, Kompromisse innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu finden.“

Erstmal keine Planungen mehr

Ab Februar 2019 wird sich Pfefferles Aufgabengebiet nun gründlich ändern. Er geht in den Ruhestand, oder wie er es scherzhaft ausdrückt, er wechselt den Arbeitgeber – von der Stadt zur Ehefrau. Diesem Wechsel sieht er mit Freude entgegen, kann er doch nun den engen Rahmen der Vorschriften verlassen und viel mehr Spontaneität ins Leben bringen. „Nach fast 40 Jahren Planungsarbeit plane ich jetzt erst einmal gar nicht mehr“, hat er sich vorgenommen. „Haus, Garten, Tennis beim TSV Oberbeuren, Berg- und Skitouren, gern auch nach Südtirol, da gibt es viele Möglichkeiten“, meint der Sohn eines Marktoberdorfer Schreinermeisters und Hobby-Skilehrers. „Besonders Italien – das ist eines unserer Lieblingsländer, da wollen wir noch viel Interessantes entdecken. Jetzt geht es erst einmal nach Sizilien“.

Große Lücke

Der Stadt wird allerdings ihr Stadt- und Bauplaner fehlen, nicht zuletzt wegen seiner umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen. Pfefferle studierte Architektur mit Schwerpunkt Stadtplanung in Augsburg, arbeitete dann zwei Jahre lang im Marktoberdorfer Architekturbüro von Peter Ossenberg, der heute noch als Kreisheimatpfleger tätig ist. Danach absolvierte er eine Beamtenausbildung mit Bezug auf die Verwaltung von Bundeswehr-Arealen, legte 1980 die Staatsprüfung ab. Aber reine Verwaltungsarbeit lag ihm nicht – und so wurde er 1980 Stadtplaner in Kaufbeuren und 1989 Leiter der Stadt- und Bauplanung. „Ich wollte immer Bürgerkontakt haben“, bemerkt er dazu. „In der Rückschau sieht es so aus, als hätte ich mich geradlinig auf mein späteres Aufgabengebiet in Kaufbeuren vorbereitet, einschließlich des Erwerbs von Kenntnissen im Bereich militärischer Liegenschaften. Und wahrscheinlich stimmt das so auch, denn das Leben belohnt eben klare Zielsetzungen, Engagement und nicht zuletzt harte Arbeit.“

Diese Arbeit steckt in zahlreichen Projekten, kleinen wie großen. Das bekannteste dürfte die Planung der Osttangente sein, deren weitere Zukunft heute im Umfeld von Konversion (oder eben Nicht-Konversion) des Fliegerhorstes wieder in den Fokus rückt. „Wir haben in diesem Projekt baurechtliche Grundlagen geschaffen, die heute noch gelten“, erklärt Pfefferle stolz. „Im Prinzip könnten wir mit dem Bau sofort beginnen, so denn die 100 Millionen Euro zur Finanzierung zur Verfügung gestellt würden. Eine Ausnahme wäre nur der Bereich des neuen Kaufland-Supermarktes. Hier wurde vertraglich geregelt, dass frühestens ab 2030 gebaut werden darf.“

Natürlich waren diese Vorhaben begleitet von oftmals sogar harten Auseinandersetzungen, nicht zuletzt auch gerichtlichen. „Aber wir haben es geschafft, dass wir niemals ein Projekt aufgrund eines Gerichtsurteils aufgeben mussten“, erinnert sich Pfefferle. „Das wurde allerdings mit den Jahren immer schwieriger. Umfasste eine Begründung zu Bebauungsplan früher zwei Seiten, so sind es heute 200 Seiten. Das erfordert immer mehr Arbeit, und nicht zuletzt umfassende Kenntnisse unseres ‚Gebetbuches‘, des Baugesetzbuches.“

Pfefferle hat diese Arbeit nie gescheut. „Manfred Pfefferle war für die Stadt Kaufbeuren ein Glücksfall als Stadtplaner. Seine umfassenden Kenntnisse über die Entwicklung Kaufbeurens in den letzten Jahrzehnten haben ihm stets zutreffende und passende Einschätzungen ermöglicht. Mit ihm geht eine echte Koryphäe der Stadtplanung in Ruhestand“, schätzt Oberbürgermeister Stefan Bosse seinen scheidenden Mitarbeiter ein.

Wer übernimmt das Amt?

Wer aber soll diese Arbeit als Leiter des neunköpfigen Teams der Abteilung in Zukunft leisten? Eine erste Ausschreibung verlief erfolglos. Deshalb wird Stellvertreter Werner Feher zunächst die Aufgaben übernehmen. Er wollte sich allerdings aus Altersgründen nicht für die Stellung bewerben. Und nun?

„Im Frühjahr soll es nochmals ein Ausschreibung geben“, weiß Pfefferle. Aber da ist er wahrscheinlich schon im Süden unterwegs. Und ob sich jemand mit einem ähnlich passgerechten Profil wie er finden lässt, ist, gelinde gesagt, auf dem heutigen Arbeitsmarkt mehr als fraglich. „Am besten geeignet wäre natürlich ein Architekt/Stadtplaner“, erklärt Pfefferle. „Aber auch ein Diplom-Geograf erwirbt in seiner Ausbildung einige einschlägige Kenntnisse und Fähigkeiten“.

Einen Juristen würde er allerdings als Nachfolger nicht unbedingt empfehlen. „Verständnis und Kenntnisse der Gesetze sind gut – aber dieser Job verlangt eben doch Kreativität im Umgang mit ihnen – und mit den Menschen“, sagt der scheidende Abteilungsleiter. „Aber schauen wir mal – vielleicht liest ja gerade ein möglicher Kandidat diesen Artikel…?“

von Ingo Busch

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