Für ein Leben ohne Gewalt

Kaufbeurer Stadträtinnen geben Statements zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauensilhouetten halten Hände
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Symbolfoto.

Kaufbeuren – „Nein zu Gewalt an Frauen“ lautet die Botschaft, die jährlich am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, in die Öffentlichkeit getragen wird. Die Frauen im Kaufbeu­rer Stadtrat nahmen diesen Aktions- und Gedenktag gemeinsam über Fraktionsgrenzen hinweg zum Anlass, tags zuvor in der Stadtratssitzung Statements abzugeben.

Nachdem alle in Kaufbeuren geplanten Programmpunkte corona­bedingt in diesem Jahr abgesagt werden mussten, machten die Stadträtinnen auf Initiative von Ulrike Seifert (Grüne) vom Frauenforum, von Dritter Bürgermeisterin Dr. Erika Rössler (CSU) und Elke Schade, Gleichstellungs- und Familienbeauftragte der Stadt, anderweitig auf diesen Tag aufmerksam. Zum Ausdruck kam ein klares Nein zu allen Formen von Gewalt an Frauen: Ob sie im häuslichen oder außerhäuslichen Bereich oder in der digitalen Welt passieren. Ob sie Mädchen, Seniorinnen, Migrantinnen oder Frauen mit Behinderung betreffen oder durch Strukturen geschaffen wurden. Die Stadträtinnen brachten allen Frauen zum Ausdruck: „Ihr seid nicht alleine, gemeinsam setzen wir uns für ein Leben ohne Gewalt ein“.

„Dieser Aktionstag ist Anlass, uns vor Augen zu führen, wie viel Unrecht, Unheil und Leid Frauen und Mädchen weltweit Tag für Tag angetan wird“, begann Dr. Erika Rössler ihr Statement mit einer Stellungnahme der Bundeskanzlerin. „Wir, die Frauen des Kaufbeurer Stadtrats, zeigen uns solidarisch mit den Opfern. Wir rufen auf, zu mehr Wachsamkeit, hinzusehen, wenn Frauen und Mädchen in Bedrängnis geraten. Wir mahnen an, Zivilcourage zu zeigen und den Opfern Gehör und Beistand zu schenken. Und das betrifft uns alle.“ Rössler hob hervor, dass die Stadträtinnen die Einrichtungen und Programme zur Eindämmung von Gewalt an Frauen, wie beispielsweise das Frauentelefon und das Frauenhaus schätzten und unterstützten.

Zu häuslicher Gewalt sagte Catrin Riedl (SPD), dass diese ein erlerntes, beabsichtigtes Verhalten und nicht die Konsequenz aus Stress, psychischer Erkrankung, Alkohol- und Drogenkonsum oder einer „schlecht laufenden“ Beziehung sei. Studien zeigten, dass häusliche Gewalt häufig ausgelöst wird durch die Eifersucht und das Verlangen des Täters, die Frau zu besitzen und von dem Wunsch nach einwandfreien „Hausfrauendiensten“ – wozu auch die sexuelle Verfügbarkeit der Frau zähle – und nicht zuletzt, um die männliche Überlegenheit zu demonstrieren. „Hilfsangebote müssen dringend ausgeweitet werden“, so Riedl. „Zumal sich in Zeiten von Corona die Situation der möglichen Opfer von häuslicher Gewalt noch weiter verschärft hat“, warnte die Gleichstellungsbeauftragte.

Hannah Rieger (Generation KF) äußerte sich zur digitalen Gewalt. „Es passiert schnell, dass du in der digitalen Welt zum Opfer wirst. Aber auch zum Täter“, so Rieger. Sie unterstrich ihre Aussage mit Beispielen wie: „Jemand beschimpft und beleidigt mich, schickt mir Hass-Mails, droht mir.“ und „Jemand kommentiert mein neues Bild auf Instagram oder Facebook: Wow Süße, hübsches Kleid, was trägst du denn drunter?“ Das Thema digitale Gewalt brauche in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit und Sensibilisierung und eine breite Solidarisierung mit Betroffenen, forderte Rieger.

Anlaufstellen

Alle paar Minuten werde in Deutschland eine Frau oder ein Mädchen Opfer von sexualisierter Gewalt, „die Dunkelziffer ist bestimmt noch viel höher“, mahnte Gertrud Gellings (CSU). Dazu gehörten sexuelle Nötigung, Belästigung, schwerer körperlicher und seelischer Missbrauch, brutale Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und auch Werbespots in den digitalen Medien. „Es ist der massivste Angriff gegen das Selbstbestimmungsrecht und die Würde einer Frau. Viele Opfer empfinden Scham, sogar Schuld, haben Angst und sind wie gelähmt und sehen keinen Ausweg mehr“, so Gellings. Deshalb wolle der Stadtrat Mut machen mit der Angst umzugehen, Hilfen anzunehmen, um endlich wieder ein gewaltfreies Leben führen, Vertrauen und Freude spüren zu können.

Auch kulturelle Gewalt ist ein Problem, das Bernadette Glückmann (Freie Wähler) und Dr. Ulrike Höhne-Wachter ansprachen. Sie werde oft durch die Kultur in den Herkunftsländern legitimiert, so Glückmann, müsse aber öffentlich abgelehnt und verurteilt werden. Den betroffenen Frauen müsse Schutz geboten werden. „Gerade nach Migration in fremde Länder sind es die Frauen, die die Familien in der neuen Heimat aufbauen und die Kinder für die Zukunft prägen. Gewalt gegen Frauen verhindert diesen Prozess“, erklärte Höhne-Wachter. „Die Solidarität muss jenen Frauen gelten, die sich in diesen schwierigen Situationen befinden, und den Menschen, die sie unterstützen.“

„Wir sagen Nein zu struktureller Gewalt an Frauen“, sagte Ulrike Seifert. „Gesellschaftliche Strukturen begünstigen Gewalt gegen Frauen. Durch Regeln, Gesetze, Vorgaben oder ,weil es immer schon so war‘ werden manche Menschen nicht mitgedacht und dadurch benachteiligt und diskriminiert.“ Strukturelle Gewalt beinhaltet laut Seifert auch die ungleiche Verteilung von Einkommen und Ressourcen, von Bildungschancen und von Teilhabe. „Frauen und Mädchen haben ein Recht darauf, auch ohne strukturelle Gewalt zu leben und sie haben ein Recht darauf, dass diese Benachteiligungen beendet werden. Wir wollen deshalb, dass kommunale Strukturen, Regeln und Vorgaben auf den Prüfstand kommen und gemeinsam gute Lösungen für ein gewaltfreies, gleichberechtigtes Leben von Frauen und Männern erarbeitet werden.“

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