Dichteres Bauen wird möglich

Kaufbeurer Stadtrat erlässt Ortssatzung, die im Herbst überprüft werden soll

Baustelle Kaufbeuren
+
Die Stadt weicht in manchen Gebieten mit einer Ortssatzung von der Novelle der Bayerischen Bauordnung ab.

Kaufbeuren – Der Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag darauf verständigt, zur Novelle der Bayerischen Bauordnung (BayBO) eine Ortssatzung zum Abstandsflächenrecht zu erlassen. Diese ermöglicht es laut Baureferent Helge Carl, von den durch die Novelle verkürzten Abstandsflächen abzuweichen. Die Satzung soll das Stadtgebiet mit Ausnahme der Zentralbereiche (Kernstadt und Zentrum von Neugablonz), der Gewerbegebiete und der Gemeinbedarfsflächen (Schulen und Kitas) umfassen und zumindest bis Herbst gelten. Für die von der Satzung ausgenommenen Bereiche treten die verkürzten Abstandsflächen am 1. Februar in Kraft.

Im September soll die Verwaltung dem Stadtrat über die bis dato gewonnenen Erfahrungen berichten, dann könne man gegebenenfalls nachjustieren, denn der Sachverhalt ist recht komplex. 27 der 40 Stadträte sprachen sich für diese Vorgehensweise aus, die Zweiter Bürgermeister Oliver Schill (Grüne) in einem Antrag vorgestellt hatte.

Die neue Bauordnung sieht vor, dass die Abstandsflächen auf 40 Prozent der Wandhöhe (0,4 H) reduziert werden. Bislang galt ein Maß von 1,0 H, wobei an zwei Gebäudeseiten von weniger als 16 Metern Länge 0,5 H ausreichend waren. Die Verwaltung und auch Oberbürgermeister Stefan Bosse waren der Meinung, dass die Novelle ohne Satzung in Kraft treten solle, da sie aufgrund der kürzeren Abstandsflächen zwischen Gebäuden Nachverdichtungsprojekte erleichtere. Aber schon im Bauausschuss waren die Meinungen der Räte auseinandergegangen (wir berichteten). Im Stadtrat bekräftigte Julia Bosse (Generation KF) nochmals die Ausführungen ihres Fraktionskollegen Tobias Würfel. Sie sprach sich gegen die Abweichung von der Novelle aus, denn ihrer Meinung nach passe es nicht zusammen, dass die Stadt Kaufbeuren einerseits Flächen sparen will und andererseits kürzere Abstände zwischen Gebäuden nicht ermöglichen sollte.

„Wer A sagt, muss auch B sagen. Der Flächenfraß ist real, darum müssen Flächen effizient genutzt werden“, so Julia Bosse. Was das Flächensparen betrifft, war Schill ganz bei ihr, allerdings mit der einschränkenden Frage, wo das umzusetzen sei. Neben städtisch geprägten Arealen, in denen Nachverdichtung möglich sei, gebe es schließlich auch dörfliche Gebiete wie Teile Großkemnats, Oberbeurens und das „Dorf“ Hirschzell. Nachdem die ursprüngliche Umsetzungszeit für eine solche Abstandsflächensatzung von ursprünglich einem Jahr von Seiten des Freistaats auf 14 Tage gekürzt wurde, sei schnelles Handeln gefragt. Dies habe ihn zur Stellung des genannten Antrags bewogen, mit dem eine gewisse Übergangsfrist gewonnen werde. Christian Sobl, Vorsitzender der CSU-Fraktion, merkte an, dass selbst mit der Novelle und der Möglichkeit, flächensparender zu bauen, bei Bauanträgen keine Willkür herrschen werde.

Während Alexander Dobler (CSU) die Novellierung als Chance ansah, Planung und Bauen neu zu denken, erachteten Dr. Ulrike Höhne-Wachter (Freie Wähler) und Catrin Riedl (SPD) den Kompromissvorschlag mit einer Überprüfung im September als gute Lösung. „Wir sind Verfechter von Wohnraumschaffung“, sagte Riedl. „Wir müssen die einzelnen Gebiete unter die Lupe nehmen. Der Friede in der Stadt und in der Nachbarschaft sollten uns nicht unwichtig sein.“

Die erlassene Ortssatzung legt nun fest, dass die Tiefe der Abstandsfläche im Geltungsbereich 80 Prozent der Wandhöhe (0,8 H), mindestens jedoch drei Meter beträgt. Vor bis zu zwei Außenwänden von nicht mehr als 16 Metern Länge genügen in diesen Fällen 0,4 H.

Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Buchloes Umweltausschuss freut sich über Anbindung an Flexibus-System im Unterallgäu
Buchloes Umweltausschuss freut sich über Anbindung an Flexibus-System im Unterallgäu
Aitrang: Unbekannte reißen Sitzbank und Hundeklo heraus und richten zudem Schaden auf Feld an
Aitrang: Unbekannte reißen Sitzbank und Hundeklo heraus und richten zudem Schaden auf Feld an
BJR-Präsident Matthias Fack aus Buchloe fordert: „Macht das Ventil für junge Menschen auf!“
BJR-Präsident Matthias Fack aus Buchloe fordert: „Macht das Ventil für junge Menschen auf!“
Nach fast 32 Jahren hört Peter Seidel als Vorsitzender des BSK Olympia Neugbalonz auf
Nach fast 32 Jahren hört Peter Seidel als Vorsitzender des BSK Olympia Neugbalonz auf

Kommentare