Kunst, die Grenzen sprengt

Kaufbeurer Stadtrat Martin Valdés-Stauber über das kulturelle Potenzial in der Stadt

Martin Valdés-Stauber vor dem Kaufbeurer Stadttheater
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Gemeinsam neue Impulse setzen: Martin Valdés-Stauber, Beauftragter des Stadtrates für Offene Gesellschaft, sieht in der Kaufbeurer Kulturlandschaft die Chance, den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Kaufbeuren – Martin Valdés-Stauber ist Beauftragter des Stadtrates für Offene Gesellschaft, Gründungsmitglied der Moskitoldies und Initiator der Theaterlandschaften. Nach einigen akademischen Etappen im In- und Ausland ist er aktuell als Dramaturg Teil des künstlerischen Leitungsteams der Münchner Kammerspiele. Das Theater ist jüngst zum zweiten Mal in Folge zum „Theater des Jahres” gewählt worden. Im Gespräch mit dem Kreisbote erzählt der gebürtige Kaufbeurer, welchen Stellenwert Kunst und Kultur für die Gesellschaft haben und welches Potenzial in der vielfältigen Kaufbeurer Theaterlandschaft steckt.

Denn was Kaufbeuren im kulturellen Bereich auf die Beine stellt, könne sich sehen lassen: Es gebe zwar keine große Kulturinstitution in der Stadt, dafür aber viele kleine Vereine, die von bürgerschaftlichem Engagement leben und sich künstlerisch auf hohem Niveau bewegen. Vielen sei nicht bewusst, wie viele Leute sich vor Ort in Amateurtheatergruppen zusammenschließen, so Valdés-Stauber. Einzigartig sei auch die inhaltliche und ästhetische Bandbreite, die auf den Kaufbeurer Theaterbühnen geboten werde – von rustikal über detailliert und liebevoll bis hin zu risikofreudig und innovativ. Kunst und Kultur spielen eine zentrale Rolle für das Selbstverständnis und die Frage, „wie wir uns als Gesellschaft sehen wollen: Wer sind wir, wer wollen wir sein?“, sagt Valdés-Stauber. Insofern seien Ausstellungen, Theater, Festivals, Diskussionsveranstaltungen und mehr insbesondere auch eine „Chance, den sozialen Zusammenhalt zu stärken“. Gerade in Coronazeiten gelte es, neue Formate und kreative Wege zu finden, „Lichtblicke, Zeichen zu setzen, die signalisieren: Wir sind da, wir lassen uns nicht unterkriegen“, appelliert der 29-Jährige.

Theater von und für die Stadt

Einen transkulturellen Raum, in dem verschiedene Perspektiven zusammengebracht werden – das wünscht sich der junge Dramaturg. Er glaubt an das große Potenzial der Kaufbeurer Kulturakteure, echte „Leuchtturmprojekte“ zu entwickeln, die eine Mischung aus engagierten Theaterumsetzungen und Eigenproduktionen bieten, die vor allem auch jungen Theatermachern Wege durch Stipendien eröffnen, und Stücke auf die Beine zu stellen, in denen alle Kaufbeurer Theaterakteure, Amateure und Profis gemeinsam mitwirken können. „Wir können nach außen hin zeigen, dass auch eine Stadt unserer Größe imstande ist, hervorragende Theaterarbeit zu leisten“, sagt Valdés-Stauber.

Barrieren einreißen

Dass gute Rahmenbedingungen für die kulturelle Bildung an den Schulen geschaffen werden, erachtet der SPD-Stadtrat als besonders wichtig. In engem Kontakt mit den Schulen zu stehen und Kinder so früh wie möglich mit Theater und Co. vertraut zu machen, helfe dabei, Barrieren abzubauen. „Bei Kunst und Kultur geht es nicht nur um Exzellenz, sondern um Reichweite, darum, in verschiedene soziale Milieus hineinzukommen und die Menschen zu erreichen“, bekräftigt Valdés-Stauber. Es gehe um ein niederschwelliges, spannendes kulturelles Angebot, das allen gleichermaßen zugänglich ist. Über den bunter aufgestellten Stadtrat und den regen Austausch untereinander freut sich der junge Politiker, nichtsdestotrotz wünscht er sich in dieser Hinsicht eine aktivere Politik, denn „das Kulturleben darf nicht austrocknen“. Die Stadt könne den Kulturakteuren beispielsweise stärker durch finanzielle Entlastung unter die Arme greifen, oder Räume zur Verfügung stellen.

„Es ist eine große Chance, die wir haben, da wo wir verwurzelt sind, das soziale Leben mitzugestalten und uns auf vielfältige Weise einzubringen. Es geht nicht um politische Auseinandersetzungen, sondern darum, den Ort gemeinsam zu gestalten – mit dem Herz am richtigen Fleck“, so Valdés-Stauber.

von Mahi Kola

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