Es ist kein einfacher Weg

Gastgeber und Referenten zum Thema Inklusion: Sabine Kretschmar, Christoph Grötzner, Eva Severa-Saile, Evelyn Bischof und OB Stefan Bosse.

Über den Begriff „Inklusion“ wird in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert. Um den Unterschied zur Integration deutlich zu machen, hatte der Deutsche Evangelischen Frauenbund e. V. mit dem Ortsverband Kaufbeuren (DEF) kürzlich zu einer Informationsveranstal- tung zum Thema „Inklusion – Der Weg in eine inklusive Gesellschaft“ in die Wertachstadt eingeladen. Eine Ein- führung in das Thema, „Betrachtungen aus theologischer und pädagogischer Sicht“ sowie die „Entwicklung der Stadt Kaufbeuren in eine inklusive Gesellschaft“ bildeten die Schwerpunkte der von Hannelore Laufenberg moderierten Veranstaltung.

Sabine Kretschmar vom DEF-Vorstand in Kaufbeuren konnte Pfarrer Christoph Grötzner von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde der Christuskirche in Neugablonz, Schulamtsleiterin Eva Severa-Saile und OB Stefan Bosse als Referenten im Kreis von etwa 50 Besuchern begrüßen. In ihrer Einführung verwies Kretschmar darauf, dass gemäß der 2006 von den Vereinten Nationen verabschiedeten und 2009 von Deutschland ratifizierten Behindertenrechtskonvention die Inklusion weit über die Integration hinausgeht. Inklusion bedeute Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in vollem Umfang für alle Menschen und sei „ein permanenter Prozess, der von allen in der Gesellschaft gestaltet werden muss.“ Evelyn Bischof als 2. Bundesvorsitzende des DEF erklärte, dass mit dieser Veranstaltung der Startschuss zu einem Aktionsplan des DEF unter dem Titel „Inklusion in der Bundes- republik Deutschland“ mit Vorträgen in einigen Städten deutschlandweit gefallen sei. Theologische und pädagogische Sicht Zunächst beleuchtete Pfarrer Grötzner die Inklusion aus theologischer Sicht. Aus der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament leitete er ab, dass „Alles“ dazugehöre. In Anlehnung an das Neue Testament bezeichnete der Geistliche die Geschichte Jesu als „klare Sprache der Inklusion“. Am Anfang ihres Vortrages mit dem Thema „Inklusion im Alltag“ traf Schulrätin Severa-Saile die Feststellung: „Hundertprozentige Inklusion gibt es nicht!“ Es gebe im schulischen Bereich keine Inklusion, wenn die entsprechenden personellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen nicht vorlägen. Bezüglich Kaufbeuren berichtete Severa-Saile, dass es neben Förderschulen wie der Ludwig-Reinhardt-Schule und der Josef-Landes-Schule sowohl Partnerklassen als auch Kooperationsklassen gebe. Partnerklassen gehören zu Förderzentren, die an einer Regelschule angegliedert sind und mit deren Parallelklassen kooperieren. In Kooperationsklassen der Regelschule werden Kinder mit positiver Entwicklung aus Förder- klassen gemeinsam unterrichtet. Solche Klassen gibt es an allen Grund und Mittelschulen in Kaufbeuren. Auf gutem Weg „Unsere Stadt auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft – Herausforderung und Realität“ lautete das Thema der Stadtspitze. OB Stefan Bosse spannte einen weiten Bogen von den rechtlichen Grundlagen über die Zielsetzung der Inklusion bis hin zu den behindertenpolitischen Maßnahmen in Kaufbeuren. Dabei machte Bosse deutlich, dass die Realisierung von Inklusion viel Geld koste. „Der Staat tut sich in mancher Hinsicht leicht – und die Kommune muss zahlen“, so der OB. Nach seinen Worten wird der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft nur gelingen, wenn der Großteil der Bevölkerung die in der Behin- dertenrechtskonvention formulierten Ziele mitträgt. Doch die Stadt sieht die Umsetzung als Herausforderung und Chance zugleich. Vieles sei schon verwirklicht und Schritt für Schritt würden weitere Projekte in Angriff genommen. Dafür nannte Bosse Beispiele: Die Erneuerung des Kopfsteinpflasters in Kaufbeuren liegt ihm sehr am Herzen – mit der Erneuerung des Belages im Rosenthal wird als erstes begonnen. Er berichtete von einer selbst erlebten Rollstuhlfahrt, an deren Ende ihm „speiübel“ gewesen sei. Der Umbau von derzeit drei Schulen mit Aufzug und Behinderten-WC, das künftige Stadtmuseum sei entsprechend im Entstehen und auch beim Stadttheater habe man bereits Pläne für eine Anpassung. In Kaufbeuren gebe es einen Behinderten- und einen Seniorenbeirat mit entsprechenden Beauftragten für Beratungen. Im Bereich Kooperation und Vernetzung sei Kaufbeuren ebenfalls gut aufgestellt. Fazit des Stadtoberhaupts: „Die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft ist eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre. Dieser Herausforderung hat sich die Stadt Kaufbeuren bereits gestellt und wird den Weg weiter erfolgreich beschreiten.“

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