Kein Glanzstück der Architektur

Harmonisches Stadtbild? Diskussion um Kaufbeurer Bahnhof, Forettle und Moschee

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Nicht gerade eine Schönheit sei das Forettle-Center, dafür aber funktional.

Kaufbeuren – Die Bürgerversammlung im Kaufbeurer Stadtsaal förderte unter anderem die Themen Forettle, Bahnhof und Moschee-Neubau zu Tage. Die Anliegen reichten dabei von der Gestaltung des Stadtbildes und der Stadtatmosphäre bis hin zu politischen Fragestellungen.

Bahnhof

Dass die Verfassung des Kaufbeurer Bahnhofs nicht gerade auf viel Gegenliebe stößt, wurde erneut spürbar. Ein Bürger bezeichnete den Bahnhof, der einem dringenden Makeover bedürfe, als „Windei“. Damit, so bekräftigte Oberbürgermeister Stefan Bosse, stehe er als Bürger nicht allein: Viele fühlten sich von der Bahn „im Regen stehen gelassen“ und es werde weiterhin versucht, mit den „vielen Ansprechpartnern“ zu kommunizieren und mit der Bahn zu verhandeln. Durch Maßnahmen wie dem „1000-Bahnhöfe-Programm“ sollen beispielsweise verwahrloste Stationen für die Bahnkunden attraktiver und barrierefrei gestaltet werden. Bosse bemühe sich um eine Aufnahme Kaufbeurens in das Programm. Insofern sei man am Thema Barrierefreiheit, die laut OB vor 2023 nicht mehr realisiert werde, sowie Bahnhofsumfeld weiter dran.

Ästhetisch gestört durch Forettle Center

In seinem ästhetischen Empfinden fühlte sich ein anderer Bürger auch durch das Forettle Center gestört, dessen äußeres Erscheinungsbild mit der „für das Allgäu untypischen Flachbauweise“ er ungeschönt als „scheußliches Rechteck, vergleichbar mit einer Schuhschachtel“ umschrieb. Dem Vorschlag eines Architekturwettbewerbs, den man im Vorfeld hätte veranstalten können, hielt der OB den Einwand entgegen, dass es sich um einen privaten Bauherrn handele und unabhängig davon die noch höheren Kosten, die dadurch entstanden wären. Er räumte ein, dass das Gebäude „keinen Schönheitspreis“ gewinnen würde, es dafür aber funktional sei. Darauf, welche Läden im Forettle einziehen, habe die Stadt ebenfalls keinen Einfluss. So habe anstelle des zunächst erwarteten Elektromarkts ein Fitness-Center dort Platz gefunden. Nicht zugelassen habe die Stadt dagegen ein Shop-in-Shop-Konzept, und damit verhindert, dass es zu einer Wanderung kleiner Einzelhändler von der Altstadt ins Forettle kommt.

Moschee-Neubau

Von mancher Stelle erhitzten sich die Gemüter auch wieder um den vorgesehenen Moschee-Neubau und das vieldiskutierte Thema „Ditib-Moscheen“. Eine Bürgerin wies darauf hin, dass der Dachverband Ditib eine politische Organisation sei und diese Moscheen dementsprechend nicht unabhängig agieren, sondern dem türkischen Staat unterstellt seien, der diese für politische Zwecke instrumentalisiere. Dies sei dem OB wohlbekannt, treffe aber auf die Moschee in der Danziger Straße schlichtweg nicht zu, in der es in den 20 Jahren keine Probleme gegeben habe, wie er nochmals bekräftigte. Zum wiederholten Male wies er auch auf die vorausgesetzte Einhaltung der demokratischen Grundordnung seitens Moschee hin, die von der Stadt beaufsichtigt werde. Bosse könne „den Widerstand nicht verstehen“, sei der geplante Standort der neuen Moschee im Gewerbegebiet Untere Au im Vergleich zum jetzigen Standort doch viel dezentraler. Darüber hinaus seien die türkischstämmigen Bürger hier laut OB „nicht verantwortlich für das, was der türkische Präsident macht“. Eine Einflussnahme sei weniger in den Moscheen, sondern vielmehr durch türkische Heimatsender gegeben.

In der nächsten Ausgabe berichten wir noch über die Verkehrssituation in Kaufbeuren, die von einigen Bürgern auf der Versammlung bemängelt wurde.

Kommentar

Farbe bekennen

In Bestürzung und Verwunderung könnte einen der Kommentar mancher hier lebender türkischstämmiger Mitbürger versetzen, die auf die Frage hin, ob sie Erdogan als türkischen Präsidenten wählen würden, zu einem großen Teil mit Ja antworten, und als Begründung gar hinzufügen: „wegen der dort herrschenden Demokratie!“ Da drängt sich die Frage auf: Gibt es so viele verschiedene Auslegungen von Demokratie? Es wäre wünschenswert, dass sie die hiesige freiheitliche Demokratie so lieb gewinnen würden wie die von Erdogan.

In der Gewissheit verankert zu sein, ein Zuhause zu haben und dazuzugehören ist eines der kostbarsten Güter eines Menschen. Ob hier geboren, aufgewachsen oder später dazugekommen: Das Herz hat ein Recht, anzukommen. Und für dieses gilt es zu kämpfen.

Warum als Muslim oder Muslimin also nur darauf warten, dass Integration passiert, und nicht selbst mal etwas dafür tun, sich offen dazu bekennen: „Mein Islam ist nicht der Islam des Terrorismus“, das friedliche Gesicht des Islam gegenüber der hässlich verzerrten Fratze des Radikalismus zu zeigen und sich nicht in die Komfortzone der Gleichgültigkeit zurückzuziehen.

von Mahi Kola

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