„Das haben wir nicht im Kreuz“

Keine Fußgängerbrücke über die Wertach bei Hattenhofen

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Weil es bereits eine Brücke über die Wertach bei Hattenhofen gibt, hat die Naturschutzbehörde erhebliche Bedenken gegen ein weiteres Bauwerk.

Marktoberdorf – Welch schöner Gedanke! Eine Fußgängerbrücke über die Wertach, die die Ortsteile Hattenhofen und Weibletshofen verbindet. Die den Hattenhofenern den fußläufigen Zugang in die Kernstadt ermöglicht und Pilger auf dem Jakobsweg aufnimmt, anstatt sie die Bundesstraße entlang zu schicken.

Bereits im Jahr 2013 ging ein Antrag eines Marktoberdorfer Bürgers ein, diese Brücke zu bauen. Damals wurde eine endgültige Entscheidung vertagt, so dass der Wunsch nach einer Verbindung der beiden Ortsteile im Dezember 2019 erneut an die Stadt übermittelt wurde. Dieses Mal allerdings untermauert mit einem durchaus ehrenhaften Angebot: Sollte die Stadt den Auftrag zum Bau einer Seilhängebrücke über die Wertach spätestens im Jahr 2022 erteilen, würde der Antragssteller der Stadt Zuwendungen in Höhe von mehr als 11.000 Euro aus privaten Spendengeldern zukommen lassen.

Daraufhin prüfte die Stadt die Grundlagen des Brückenbaus, der bei Flusskilometer 90,175 die Wertach hätte queren sollen. Kein leichtes Unterfangen, wie sich im Vortrag von Mareile Hertel vom Tiefbauamt der Stadt herausstellte. Denn nicht nur technisch und finanziell sei das Bauvorhaben aufwendig, auch in Sachen Naturschutz hätte die zuständige Behörde erhebliche Bedenken angemeldet.

Doch von vorne: Weil die angefragte Brücke im Überschwemmungsgebiet der Wertach sowie im Arten- und Biotopschutzprogramm „Wertachtal“ liegt, mussten Wasserwirtschaftsamt Kempten und die Untere Naturschutzbehörde angefragt werden. „Grundsätzlich genehmigungsfähig“, nannte das Wasserwirtschaftsamt die Brücke, stellte jedoch die Bedingung, „den Hochwasserabfluss in unserem Sinne abzuhandeln.“ Die Naturschutzbehörde jedoch zeigte sich wenig erfreut und sah den Eingriff in den gesetzlich geschützten Vegetationsbestand als vermeidbar an: „Eine Querung der Wertach ist 600 Meter südlich (entlang der B472, Anm. d. Red.) bereits vorhanden“, schreibt die Naturschutzbehörde. „Der Eingriff in Natur und Landschaft ist daher nicht erforderlich und somit grundsätzlich vermeidbar.“

Auch baulich aufwendige Arbeiten seien nötig, um die Brücke an das bestehende Wegenetz anzuschließen, informierte Mareile Hertel das Stadtratsgremium. Um auf westlicher Seite barrierefrei an den bestehenden Weg anzuschließen, wäre für das Bauwerk laut Hertel eine Spannweite von rund 70 Metern erforderlich. Auf östlicher Seite könne die Brücke weder an öffentliche Wegestrukturen anbinden, noch in das bestehende Gelände integriert werden, da das Gebiet hier eine Senke aufweise. Auch dies sei problematisch, da Dammschüttungen zum Ausgleich des Geländeversatzes im Überschwemmungsgebiet zu Problemen führen können. Und selbst wenn alle behördlichen Bedenken aus dem Weg geräumt würden, blieben da immer noch die Kosten: Das Tiefbauamt rechnete grob mit Herstellkosten zwischen 735.000 und 882.000 Euro – „ungeachtet der nicht abschätzbaren Kosten für etwaige Ausgleichsmaßnahmen für naturschutzrechtliche Belange, Grunderwerb und Wegebau.“

Wolfgang Hannig (SPD) dankte dem Antragsteller und allen beteiligten Bürgern für ihr Engagement, machte jedoch angesichts der unsicheren Haushaltslage klar: „Dieses Projekt haben wir nicht im Kreuz.“ Der Stadtrat beschloss einstimmig, vom Bau der beschriebenen Fußgängerbrücke über die Wertach Abstand zu nehmen.

von Angelika Hirschberg

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