"Keine andere Wahl"

Die ortsansässigen Mitglieder der Gewerkschaft für vereinte Dienstleistungen (ver.di) trafen sich mit der Presse in Marktoberdorf, um über das weitere Vorgehen im aktuellen Tarifstreit zu diskutieren. Konkret ging es um die Löhne und Gehälter des öffentlichen Dienstes vor allem im Krankenhaus- und Pflegebereich. Bei dem Gespräch anwesend waren unter anderem Gewerkschaftssekretärin Jutta Aumüller, ihr Kollege Manfred Heeb, Fachbereichsleiterin Brigitte Zach und Florian Paulsteiner vom Krankenhaus Kaufbeuren.

Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent (%) mehr Lohn für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie eine bessere Bezahlung von Nachtarbeit und Überstunden. Auf den von der Gegenpartei oft vorgebrachten Einwand, dass dies in der derzeitigen wirtschaftlichen Krisensituation nicht realistisch sei, sagt Brigitte Zach: „Höhere Löhne steigern die allgemeine Kaufkraft und fördern somit die Konjunktur. Das Geld verschwindet ja nicht aus unserem Land, sondern wird lediglich zu Gunsten der Beschäftigten umverteilt.“ Für die Banken seien ja auch Milliarden zu Verfügung gestellt worden, um den Wirtschaftskreislauf nicht zum Erliegen zu bringen. Da sei es geradezu zynisch, angesichts hart arbeitender Menschen von „leeren Kassen“ zu sprechen. Eine Krankenschwester mit rund 1800 Euro Gehalt bekomme pro zusätzlich geleisteter Stunde - und davon gebe es viele - nur 1,28 Euro Überstundenzuschlag. Drei bis vier Euro seien doch wirklich nicht zu viel verlangt und in der Privatwirtschaft mindestens Normalität. Der Arbeitgeber-Plan, höhere Bezahlung in Form von „Leistungsprämien“ zu realisieren, ist laut ver.di ein Bärendienst an die Beschäftigten: hier würde dem Konkurrenzdenken und willkürlicher Bevorzugung Tür und Tor geöffnet. Dazu Beppo Miller von der Personalvertretung der Krankenhaus GmbH Weilheim / Schongau: „Ich habe selbst lange Zeit in der Altenpflege gearbeitet. 'Leistungsprämien' wie von den Arbeitgebern geplant, halte ich gerade in diesem Bereich für nicht durchsetzbar. Wer will beurteilen, welcher Pfleger besser ist als ein anderer? Nur weil einer schnell und kostengünstig arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass der Patient besser versorgt ist; eher das Gegenteil! Der Trend geht zur Altenpflege im Akkord - für mich erschreckend! Und das soll nun auch noch belohnt werden!” Es wurde noch an vielen anderen Beispielen deutlich gemacht, wie die Arbeitgeber versuchen, Argumente für bessere Bezahlung auszuhebeln und sich um klare Zusagen zu drücken. Prinzipiell müsse sich sowieso mehr ändern, die Lohndiskussion sei nur die Spitze des Eisbergs. „Pflegekräfte und Reinigungspersonal sind einfach gering angesehen im Vergleich zu beispielsweise Ärzten. Alle müssen sich bewusst machen, dass wir alle auf gute und motivierte Dienstleister angewiesen sind“, mahnt Jutta Aumüller. Auch eine Weiterentwicklung des TVöD (Tarifsystem für den öffentlichen Dienst), ein besserer Ausgleich für Überstunden und eine menschenwürdige Altersteilzeitregelung seien unabdingbar, um in Zukunft das Leistungsniveau zu halten. In der Altenpflege zeige sich nämlich bereits, wohin die Tendenz gehe: „Trotz stetig steigendem Bedarf an Pflegekräften gibt es kaum noch Auszubildende, die sich das antun. Ergebnis ist, dass immer mehr schlecht ausgebildete Kräfte als Quereinsteiger oder im Nebenjob unsere alten und kranken Menschen betreuen. Wer will da noch guten Gewissens in einem Pflegeheim versorgt werden?“, fragt Kurschus. Bleibt nur zu hoffen, dass die Arbeitgeber auch ohne Streik ihre Position noch einmal überdenken. Denn die Situation sei für die Beschäftigten nervenzehrend: „Man kann nicht sagen, wann die Bombe platzt!”

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