Fliegerhorst: Chancen für Nutzungsmöglichkeiten in Forschung und Ausbildung

Kapazitäten liegen brach

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Viel Platz: Der untere südliche Teil des Areals könnte sowohl für Drohnenschulung als auch für ein Testgelände des ADAC dienen.

Kaufbeuren – Drohnen sind beim Militär, in der freien Wirtschaft, aber auch bei Einsatzkräften wie Katastrophenschutz oder Polizei das Thema der Zukunft. Könnte diese neue Technologie auch ein sinnvolles Konzept für das Fliegerhorst-Areal sein? Experten meinen: "Ja".

„Wir sind für alles offen“, so hatte Oberbürgermeister Stefan Bosse in der jüngsten Informationsveranstaltung zur Konversion des Fliegerhorstes betont (wir berichteten). Er hatte auch keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm Investoren mit hochwertigen Arbeitsplätzen in Forschung und Entwicklung am liebsten wären. Ein schon seit Langem bekanntes Thema könnte dabei durchaus die Wünsche der Stadtführung und die Kapazität des Flugplatzes mit seiner vorhandenen luftverkehrsrechtlichen Genehmigung verbinden: die Weiterentwicklung und Ausbildung für den Einsatz von kleinen Drohnen im Zivil- und Katastrophenschutz. 

Immer stärker tritt der Einsatz von sogenannten UAS (Unmanned Aerial Systems = unbemannte Luftfahrsysteme) und RPAS (Remote Piloted Air Systems = ferngesteuertes Luftfahrtsystem) im zivilen Bereich in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine einheitliche Regelung für den gewerblichen Einsatz von Systemen mit einem Gewicht unter 25 Kilogramm gibt es bislang nicht. Es bedarf jedoch einer Allgemein- oder Einzelauf- stiegserlaubnis der für den Aufstiegsbereich zuständigen Landesluftfahrtbehörde – im Frei- staat ist das das Luftamt Süd- und Nordbayern. 

Beste Voraussetzungen 

Der Kreisbote sprach mit Xaver Schruhl, ein vom Luftamt Südbayern und vom Landesluftfahrtamt Brandenburg zugelassener Theorielehrer im Luftrecht: „Kaufbeuren ist aufgrund seiner Lage und seiner Möglichkeiten innerhalb der Fliegerhorstgrenzen ideal für ein internationales UAS-Schulungszentrum.“ Ein Schulungsluftraum innerhalb der Grenzen des bestehenden Fliegerhorstes mit einer vertikalen Ausdehnung von 500 Metern und die Einrichtung eines Flugbeschränkungsgebietes genau in diesen Ausdehnungen als Quader würde nach seinen Worten dazu reichen. Die jetzige Landebahn könnte dazu im nördlichen Teil erheblich verkürzt werden. 

Für ein solches Projekt müsste nach Schruhls Worten eine Kontaktaufnahme mit der bayerischen Landesregierung und den Projektträgern der entsprechenden Förderprogramme erfolgen. Zweck: Information zu möglichen Finanzierungsmöglichkeiten einer internationalen Ausbildungs- und Schulungsstätte für unbemannte Luftfahrtsysteme im Zivil- und Ka- tastrophenschutz (UASTCK = Unmanned Aerial Systems Training Center Kaufbeuren). Ziel wäre die international und national standardisierte Schulung und Prüfung angehender und die regelmäßige Fortbildung bereits ausgebildeter UAS- Steuerer/-Bediener für den Einsatz von nicht verkehrszulassungspflichtigen UAS im Zivil- und Katastrophenschutz. 

Sicherheitsrisiko 

„Ich unterstütze ein derartiges Vorhaben, zumal es in die Kernkompetenz der Flugsicherung fällt und deren Ausbildung am Standort stärken könnte“, so MdL Bernhard Pohl (FW). Die Drohnenausbildung sei ein Muss, da in Deutschland bereits Drohnen fliegen, die theoretisch von Jedermann gesteuert werden könnten. „Das ist ein Sicherheitsrisiko – es muss etwas geschehen“, sagte Pohl abschließend. Dies sieht auch Schruhl als ausgebildeter Platzkontrollleiter und Lehroffizier für Flugberatung der Bundeswehr so: „Derzeit kommt es immer wieder zu Luftraumverletzungen durch private, aber auch gewerbliche UAS-Nutzer.“ Es gebe keine standardisierte bundesweite Schulung, die luftraum- und luftverkehrsrechtliche Kenntnisse für Bediener vermittelt. Eine solche Ausbildung ließe sich nicht nur mit dem vor Ort befindlichen Personal insbesondere in einer zivil-militärischen Kooperation darstellen, sondern damit könnte dann durchaus auch Geld verdient werden – zumal sich der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) in einem Initiativantrag an die Bundesregierung und die europäische Luftfahrtbehörde (EASA) mit einem dreistufigen Ausbildungssystem für den Erwerb eines „Führerscheines“ zum Betrieb von UAS stark macht. 

Mögliche Kunden wären sicherlich unter anderem bei Rettungsorganisationen wie Feuerwehren, Technischem Hilfswerk oder Rotem Kreuz vorhanden. Hat ein Bundesland erst einmal Expertise, könnten andere Länder sich dem vermutlich anschließen. 

Vielfältiges Einsatzspektrum 

UAS wurden im Juni-Hochwasser 2013 zur Lageerkundung und Echtzeitinformation eingesetzt, unter anderem zur Deichüberprüfung an der Elbe in Niedersachsen durch die „Aktion Deutschland hilft“, einem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen. Die sächsische Polizei nutzt das zivile System „SensoCopter“ – ein ferngesteuerter Minihubschrauber – als Führungs- und Einsatzmittel zur Lagedokumentation bei der Ermittlung von Brandursachen, bei Großschadensereignissen oder Naturkatastrophen und bei Großveranstaltungen. UAS wurden außerdem letztes Jahr im Rahmen der EU-Katastrophenschutzübung Taranis 2013 in und um Salzburg durch die Projektgruppe „SAR-Robots/UAV“ des Bayerischen Roten Kreuzes eingesetzt. 

Netzwerk 

In der UAV DACH e. V. – einem deutschsprachigen Verein für unbemannte Luftfahrzeuge – sind namhafte Partner von Ministerien, Ämtern, Forschung und Industrie aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vertreten. Diese Institution bietet unter anderem ein Forum für die Einführung von UAS in den zivilen Luftraum für Hersteller und Anwender sowie die Evaluation zulassungsrelevanter und die Zertifizierbarkeit erforderlicher Technologien. Nicht nur in Fürstenfeldbruck und Manching, auch im nahen Peißenberg gibt es Hersteller für sogenannte Mikrodrohnen. Derzeit sind in Deutschland 70, in Euro- pa 470 und weltweit 1.800 Systeme dieser Art im Einsatz. von Wolfgang Becker

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