Stadtmuseum Kaufbeuren seit fünf Jahren wieder eröffnet 

Ein „Kinder-“ Geburtstag

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Gemeinsamer Anschnitt des Geburtstagskuchens: OB Stefan Bosse (v. re.), Museumsleiterin Petra Weber, Dr. Rainer Jehl, 1. Vorsitzender der Freunde des Stadtmuseums.

Kaufbeuren – Am 8. Juni 2013 hatte das Stadtmuseum Kaufbeuren nach über zehnjähriger Um- und Ausbauzeit seine Pforten wieder geöffnet. Grund genug, um fünf Jahre später Rückschau zu halten und zu feiern. Vergangenen Samstag fand aus diesem Anlass ein Museumsfest statt.

Von 10 bis 17 Uhr konnten große und kleine Besucher bei freiem Eintritt ein buntes Programm genießen, die aktuelle Mitmach-Sonderausstellung „Kapier Papier“ ansehen, an speziellen Führungen durch die Dauerausstellung mit „Kunst- und Geschichtshäppchen“ teilnehmen oder sich am reichhaltigen, ebenfalls vom Museums-Freundeskreis unterstützten Kuchenbuffet delektieren. Auch die Theaterführung mit „Herrn Wiedemann und Frau Mairhof“ (Thomas Garmatsch und Simone Dopfer) vom Geschichtenladen der Kulturwerkstatt sowie die „Zeitreise mit Lisa“ (Nadja Ostertag) wurden durchgeführt. 

Drei der vier Pomona-Salonièren informierten über Leben und Wirken von Sophie La-Roche: Karin Klinger (v. li.), Christa Berge, eine Besucherin und Helga Ilgenfritz.

Im Sophie-La-Roche-Raum informierten drei der vier Pomona-Salonièren über Leben und Wirken der ersten deutschen Bestseller-Autorin. Auf der Dachterrasse durfte man sich mit und ohne Requisiten fotografieren lassen und das Ergebnis nebst Glückwunsch unter #smkwird5 auf Instagram posten oder im Museumspädagogikraum interessante Dinge mit Papier anstellen.

Mit kurzen Geburtstagsansprachen gratulierten mittags OB Stefan Bosse und Dr. Rainer Jehl, der 1. Vorsitzende vom 2003 gegründeten Freundeskreis des Stadtmuseums. Der Freundeskreis, der sein 15-jähriges Jubiläum mit einem „Oktoberfest“ feiern wird, sieht seine Hauptaufgabe nach wie vor darin, Spenden für das Stadtmuseum aufzutreiben. Herwig Meese, Vorgänger von Dr. Jehl, stellte zwar fest, dass nicht jeder Dachbodenfund automatisch museumswürdig sei. Als Geburtstagsgeschenk überreichte er jedoch trotzdem ein unscheinbares Holzbrettchen vom Museumsdachboden mit der Aufforderung an die Fachleute, dessen Bedeutung zu entschlüsseln.

Museumsleiterin Petra Weber zog launig Parallelen zwischen der Entwicklung des Museums und der eines fünfjährigen Kindes, daher gebe es auch einen Kindergeburtstag mit Luftballons, Spielen, Musik vom Trio „Kunterbunt“, mit Geschenken (in Form von Spenden) und viel Kuchen. Ein fünfjähriges Kind sei bereits ziemlich selbständig und könne schwierigere Aufgaben angehen. Für das Stadtmuseum heißt das, man wagt sich nun an ein größeres Projekt. Zusammen mit acht Partnern und einer höheren Fördersumme der Kulturstiftung des Bundes im Rücken beginnt ab Oktober die Ausarbeitung von Einzelvorhaben für die 2019 geplante Sonderausstellung „Kaufbeuren unterm Hakenkreuz“. Dafür werden auch immer noch weitere Exponate gesucht. Was die ersten Schreib- und Leseversuche eines Fünfjährigen angehe, sei das Stadtmuseum eher „frühreif“, denn es wurde bereits 2013 ein Katalog zur Kruzifix-Sammlung vorgelegt und 2017 ein umfangreicher Band zur Sammlung der Hinterglasbilder. 

Launig verglich Petra Weber die Entwicklung des fünfjährigen Stadtmuseums mit der eines fünfjährigen Kindes.

Auch beim Sozialverhalten von Fünfjährigen, die sich nun langsam Freunde suchen, gebe es Parallelen zum Stadtmuseum: Man habe „Spielkameraden“ gefunden, mit denen dieses Jahr in den Kaufbeurer Museumslandschaften eine Kombikarte vorgestellt wurde. Bezüglich des Spielens und Sammelns sei das Stadtmuseum ebenfalls frühreif, denn Sammlungen habe es natürlich in der – wenn man die Zeit bis zum Umbau mitzählt, eigentlich 139 Jahre alten – Institution schon immer gegeben und zusammen mit den engagierten Ausstellungsbegleitern wurden immer neue Veranstaltungsformate entwickelt wie „Heilkundige und Quacksalber“, „Mathematik in der Kirche“, „Museumsmäuse“ oder „Geschichte, Geist und Gaumen“, um das Museum interessant und lebendig zu halten.

Zusammen mit Petra Weber und Dr. Jehl schnitt OB Stefan Bosse dann zu den Klängen von „Happy Birthday to you“ den von der Bäckerei Körber gestifteten Geburtstagskuchen an und trug das allererste Stück dem Überraschungsgast Dr. Astrid Pellengahr in die Papier-Ausstellung nach. Dr. Pellengahr, die mittlerweile für die nichtstaatlichen Museen in ganz Bayern zuständig ist, hatte während des Umbaus das neue Museumskonzept entwickelt. Unter ihrer Leitung hat das Museum kurz nach der Eröffnung den Bayerischen Museumspreis erhalten und war 2015 sogar für den Europäischen Museumspreis nominiert.

Die Kuchenspenden sollen in die Restaurierung des kürzlich erworbenen Hinterglasbildes „Friedrich II. mit Schlachtenszenen aus dem 7-jährigen Krieg“ von J. M. Bauhoff fließen. Bei angeregten Gesprächen auf den Liegestühlen im Museumshof wurde dann auch eine zufriedenstellende Menge an Kuchen verzehrt.

von Ingrid Zasche

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