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Mit Erweiterung der Marktoberdorfer Adalbert-Stifter-Schule steht auch die Ganztagsklasse wieder in der Diskussion

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Von: Angelika Hirschberg

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Adalbert-Stifter-Schule MOD und Baukontainer
Die Erweiterung der Adalbert-Stifter-Schule steht endlich auf der Agenda. Damit soll auch für die Hortkinder die Zeit im Container ein Ende haben. © Hirschberg

Marktoberdorf – Nicht erst seit gestern steht die Erweiterung der Adalbert-Stifter-Grundschule auf der Agenda der Stadträte in Marktoberdorf. Nun soll es endlich konkret werden. Dazu stand grundsätzlich die Entscheidung an, ob die künftige Planung den Umbau zur Ganztagesschule favorisiere oder ob am Fortbestehen von Schule und Kinderhort festgehalten werde. Einstimmig, wenn auch nicht in allen Punkten überzeugt, folgte der Stadtrat schließlich dem Vorschlag der Verwaltung, die Hortbetreuung der Ganztagesschule vorzuziehen.

Der städtische Vorschlag fußte auf Gesprächen mit Eltern und Lehrkräften, die dem Konzept der Ganztagesschule ablehnend gegenüberstehen. Ein erster Versuch mit einem sogenannten gebundenen Ganztageszugs an der Adalbert-Stifter-Grundschule war 2018 bereits gescheitert. Doch von Anfang an.

Bereits 2012 stimmte der damalige Stadtrat für eine Erweiterung der Adalbert-Stifter-Schule. Die Planung wurde dann aber zurückgestellt, weil ein anderes Schulprojekt (der Neubau der St. Martin Grundschule) in den Fokus rückte. Trotz Sanierungen verfügt die Adalbert-Stifter Schule aber nach wie vor nicht über eine Aula oder einen entsprechenden Mehrzweckraum. Und der an die Schule angegliederte Kinderhort St. Magnus ist noch immer provisorisch in Containern auf dem Schulhof, im Keller des Schulgebäudes und in der Dachschräge untergebracht.

Und weil es mit dem Neubau der St. Martinsschule fleißig voran geht, sei jetzt die Zeit gekommen, so Martin Vogler von der Stadtverwaltung, die Planungen für die Adalbert-Stifter-Grundschule anzugehen. Zwei Voraussetzungen will die Stadt dabei berücksichtigen: zum einen besteht für Grundschüler ab dem Schuljahr 2026/27 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Zum anderen rechnet die Stadt insgesamt mit steigenden Schülerzahlen.

Mit welchem Betreuungsangebot, ob gebundene Ganztagsschule oder Hort, die Stadt nun in die Planungen einsteigen will, dieser Frage ging der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nach. Denn diese Entscheidung bestimmt grundsätzlich die Festlegungen zum Raumbedarf und zur Raumplanung.

Warum Ganztagsschule (noch) nicht funktioniert

„Der flächendeckende und bedarfsgerechte Ausbau von Ganztagsangeboten in allen Schularten ist ein vorrangiges Ziel der Bayerischen Staatsregierung“, so schreibt es das Kultusministerium auf seiner Homepage. Auch Marktoberdorf hatte bereits von 2014 bis 2018 einen gebundenen Ganztagszug eingerichtet. Dabei bestand für die Kinder die Pflicht zum regelmäßigen Schulbesuch bis wochentags 15.30 Uhr. Eine Betreuung während der Ferienzeiten konnte damals über den städtischen Kinderhort angeboten werden. Das wäre nicht der Fall, wäre die Wiedereinführung einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule beschlossen worden. Im Gegensatz zu Regelschule und Hort gibt es an einer Ganztagsschule keine Ferienbetreuung, keine Betreuung zu Randzeiten, dafür aber verbindliche Präsenzzeiten für die Kinder am Nachmittag.

Warum das Modell der Ganztagesklasse in Marktoberdorf 2018 beendet wurde, erklärte Vogler folgendermaßen: „Dort hat eine Konzentration leistungsschwacher und sozial schwieriger Schüler stattgefunden.“ Die Eltern anderer Kinder hätten diese immer seltener in der Ganztagesklasse angemeldet. Außerdem gewann die gleichzeitig angebotene Hortbetreuung immer mehr an Attraktivität, weil sie flexiblere Betreuungszeiten anbietet. Das Experiment Ganztagszug wirkt demnach bis heute nach: Schulleitung, Lehrkräfte und Eltern sprechen sich, nach den Worten Voglers, nach wie vor gegen die Wiedereinführung aus.

Zweitbeste Lösung

Dieser Einsicht folgte auch der Stadtrat in seinem Beschluss, in dem er außerdem einen Raumbedarf für die Erweiterung auf 12 Schulklassen und sechs Hortgruppen festlegte. Aus pädagogischer Sicht brach Stadtrat Jörg Schneider (Grüne) jedoch eine Lanze für die Ganztagsschule. Grundsätzlich sehe er in dieser ein für viele Schüler sinnvolles Angebot, das sowohl Lernphasen wie auch Freizeitprogramm kombiniere. Allerdings fehle für die Umsetzung der staatliche Rahmen. Schneider begrüßte es außerdem, das gute Tandem Schule-Hort weiterzuführen. Auch Walter Breiner (Freie Wähler) bekannte sich, hin- und hergerissen zu sein. „Es ist die zweitbeste Lösung, die wir hier kriegen,“ sagte er. Er bestand darauf, in die Planung die langfristige Umstellung auf die Ganztagesschule zu integrieren. Stefan Elmer (SPD) wiederum freute sich als ehemaliger Elternbeiratsvorsitzender der Adalbert-Stifter-Schule, dass endlich eine Lösung für die Raumnot in Aussicht sei.

Christian Vavra (Grüne) sprach endlich den wunden Punkt der Schule-Hort-Planungen an: „Ich habe lange damit gehadert, dass wir in Markt­oberdorf die Eltern für die Nachmittagsbetreuung bezahlen lassen.“ Denn tatsächlich ist die Hortbetreuung für Eltern kostenpflichtig, die Ganztagesschule ist es nicht. Und auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell kam nicht umhin zu betonen, dass der Betrieb des Schülerhorts auch für die Stadt die teuerste Lösung sei. Letzendlich stimmte das Gremium dennoch einvernehmlich für die Kombination von Schule und Hort und gab die damit verbundene Raumplanung in Auftrag.

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