Fünf Millionen Euro für Tagesstätte mit drei Gruppen

Kindergarten an Marktoberdorfer Saliterstraße: Warum er so teuer wird

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Visualisierung zum neuen Kindergarten St. Martin an der Saliterstraße.

Marktoberdorf – Noch bevor der erste Stein gesetzt ist, muss sich die Stadt Marktoberdorf darauf einstellen, dass für den Bau des neuen Kindergartens St. Martin an der Saliterstraße fünf Millionen Euro zu veranschlagen sind. Und das, obwohl er nur auf drei Gruppen für maximal 75 Kinder ausgelegt ist.

Zum Vergleich: Beim Familienzentrum St. Magnus im Norden Marktoberdorfs, das im September 2018 bezogen wurde, blieb man kostenmäßig unter fünf Millionen Euro. Dabei werden dort bis zu 115 Kinder betreut; die Krippe ist da mitgerechnet.

Dennoch: Der Stadtrat stimmte dem Entwurf für den Kindergarten in der Sitzung zum Jahresschluss nach langer kontroverser Aussprache mit großer Mehrheit zu. Die Bauverwaltung wird beim Landratsamt den Bauantrag einreichen und bei der Regierung von Schwaben den Antrag auf finanzielle Förderung stellen. Zudem will die Stadt von einem aktuellen Investitionsprogramm des Bundes profitieren, aus dem noch bis ins Jahr 2022 bauliche Maßnahmen für zusätzliche Betreuungsplätze bezuschusst werden.

Die Auflistung

Marion Schmidt vom Stadtbauamt stellte den Räten die Kostenberechnung vor. Fürs Herrichten und Erschließen des Grundstückes an der Saliterstraße sind 160.000 Euro vorgesehen. Fürs Bauwerk mit Konstruktion werden 2,6 Millionen Euro erforderlich. Die Technik im Gebäude schlägt – von der Wasser- und Wärmeversorgung über den Kanalanschluss bis zur Lüftung und zum Aufzug – mit 670.000 Euro zu Buche. Möblierung und weitere Ausstattung sind mit 60.000 Euro berücksichtigt.

Ein dicker Batzen sind die Baunebenkosten mit 850.000 Euro. Da stecken die Kosten für den Realisierungswettbewerb 2017, die Honorare für Architekt und Fachplaner sowie für Gutachter von der Raum­akustik bis hin zur Beurteilung der Altlasten und der Schadstoffbelastung drinnen. Den Auftrag hatte nach dem Planungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren das Büro Freitag-Hartmann-Architekten in Berlin bekommen.

Fendts Einwand

Als erster kritisierte Peter Fendt (Bayernpartei) die hohen Kosten nach Vorlage des aktuellen Entwurfs. Dies seien knapp 900.000 Euro mehr als in der Kostenschätzung für den neuen Kindergarten St. Martin an der Saliterstraße. Der bisherige Kindergarten mitten in der Stadt wird abgerissen, um Platz für den Neubau der Grundschule St. Martin zu schaffen.

Fendt sagte, es bräuchte schon anfangs eine Ansage an den Architekten, dass er nur ein Objekt für vier Millionen Euro planen könne. Eine ähnliche Thematik der Kostensteigerung hätte die Stadt schon beim Busbahnhof in Markt­oberdorf erlebt. Fendt erkannte darin einen „grundsätzlichen Fehler im System“. Am Ende lande man beim Kindergarten gar bei sechs Millionen Euro. Ralf Baur, Leiter des Stadtbauamtes, sagte dazu. „Ich hoffe es nicht, möchte aber nichts unterschreiben.“

Wachters Antrag

Andreas Wachter (CSU) kommentierte zu der Kostenberechnung von 4,94 Millionen Euro: „Die Zahl ist mir deutlich zu hoch.“ Er stellte den Antrag, dass die Vorgabe gemacht werde, die Baukosten um zehn Prozent zu senken – selbst wenn dies eine weitere zeitliche Verzögerung mit sich bringe. Die Mehrheit war aber dagegen. Nur drei Räte waren dafür.

„Wir müssen jetzt diesen Weg gehen“, meldete sich Dr. Andrea Weinhart (Freie Wähler) zu Wort. Deren Fraktionskollege Walter Breiner meinte: „Am Konzept dürfen wir nicht mehr sägen“. Die Mehrheit der Stadträte habe sich für diesen Standort an der Saliterstraße entschieden. Breiner: „Wir waren gegen den Standort.“ Nun gelte aber die Devise: Wer A sage, müsse auch B sagen.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell betonte, man habe das freie Grundstück am Hang unter der Buchel auch im Sinne einer „Quartiersaufwertung“ gewählt. Dessen Vize Wolfgang Hannig (SPD) bekundete, zehn Prozent Kostenminimierung fix vorzugeben, sei der falsche Weg. Gewiss sei ein Bau auf der „flachen Wiese“ günstiger. Aber das Wohnviertel an der Füssener Straße erfahre mit dem neuen Kindergarten eine Aufwertung.

Hinweis auf Topografie

Ralf Baur vom Bauamt und Marion Schmidt, die Stadtplanerin, hatten während der Debatte zum einen die Topografie (Stichwort Hanglage) und zum anderen die Entwicklungen im Bausektor als die zwei wesentlichen Gründe für die Kostenberechnung genannt. Georg Martin (Grüne) sagte dazu, eine ausgeprägte Hanglage sei das an der Saliterstraße noch nicht. Es stimme nachdenklich, wenn der dreigruppige Kindergarten dort so teuer werde wie das Familienzentrum St. Magnus mit seinen fünf Gruppen. Die Stadt sollte künftig bei Tagesstätten auf Architektenwettbewerbe verzichten und andere Lösungen wie An- beziehungsweise Umbau favorisieren.

Bürgermeister Hell ergänzte, das Preisgericht zum Wettbewerb habe durchaus auf „die Wirtschaftlichkeit“ geachtet. Gewiss sei man preislich „auf einem hohen Niveau“. Aber der Staat lege nicht umsonst ein zusätzliches Förderprogramm zur Schaffung von weiteren Betreuungsplätzen auf.

Über die Regierung von Schwaben kann die Stadt beim Bau des Kindergartens mit einem Zuschuss rechnen. Was das aktuelle staatliche Förderprogramm angeht, gibt es noch keine konkreten Angaben. Je nach Finanzkraft der Kommune erhöht sich der Fördersatz. Ungefähr kann man von 35 Prozent ausgehen.

jj

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