Kinderklassik 2018 im Kaufbeurer Stadttheater: Welturaufführung der Kinderoper „Märzenburg“

Alt und Jung auf Augenhöhe

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Teilkostümierte Probe: Der König (Andreas Wimmer) versucht, zwischen Prinzessin Helena (Jana Gautier, links), Prinzessin Siegrid (Hannah Kirchdorfer) und der blinden Schwester (Phila Weber) zu vermitteln.

Kaufbeuren – Eine eigene „typisch Kaufbeurer“ Oper für Kinder auf die Beine zu stellen, das ist schon ein ziemlich ehrgeiziges Projekt, eine musikalische und nicht zuletzt finanzielle Herausforderung. Die Kaufbeurer Bürgerstiftung hat es jedoch im Rahmen der dieses Jahr bereits zum 5. Mal durchgeführten Aktion „Kinderklassik im Stadttheater“ in der bewährten Kooperation mit der Kulturwerkstatt und der Ludwig Hahn Sing- und Musikschule Kaufbeuren gewagt.

Am Samstag, 17. Februar um 19.30 Uhr ist nach einer rund dreijährigen Vorbereitungszeit Premiere, dann erlebt die Kinderoper „Märzenburg“ im Stadttheater ihre Welturaufführung.

Was braucht man alles für eine Oper? Eine dramatische Geschichte, in diesem Fall möglichst mit Bezug zu Kaufbeuren, ein Libretto, einen Komponisten, Schauspieler und Regisseur, Sänger und Musiker mit musikalischer Leitung und einem Dirigenten, Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner, eine Bühne mit Orchestergraben, Beleuchter, Tontechniker und jede Menge weiterer fleißiger Helfer hinter der Bühne, die von der Kritik sehr oft nicht angemessen gewürdigt werden.

Die „Geschichte mit Bezug zu Kaufbeuren“ war mit der Märzenburg-Sage bald gefunden. Das Libretto hat Kulturwerkstatt-Leiter Thomas Garmatsch geschrieben, der zusammen mit Simone Dopfer auch Regie führt. Gemeinsam mit Jugendlichen der Kulturwerkstatt wurden „witzige, kindgerechte und naturnahe“ Texte erarbeitet und die Märzenburg-Sage aus pädagogischen Gründen um fünf Kobolde erweitert, die die fünf Sinne verkörpern.

Für die musikalische Umsetzung hatte man den aus Kaufbeuren stammenden Münchner Komponisten Ulrich Hahn gewonnen, der keine „Bandmusik mit Gesang“, sondern anspruchsvolle, schwierige Melodien geschrieben hat, die, so Musikschulleiter Martin Klein, „trotzdem gut singbar sind und im Ohr bleiben“. Klein hat das Dirigat des zehnköpfigen Orchesters (Streichquartett, Bläser-Trio und Solo-Flöte, Percussion, Klavier) übernommen, dem eine Reihe von bekannten Kaufbeurer Musikern angehört. Die musikalische Gesamtleitung obliegt Gabriele Hahn, aus deren Gesangsunterricht die Sängerinnen und Sänger kommen.

Eine Bühne mit Orchestergraben steht seit der Stadttheater-Sanierung ebenfalls wieder zur Verfügung, auch wenn es für die elf Musiker dort „ganz schön kuschlig“ zu werden verspricht. Weitere Unterstützung fand man in Bühnenbildner Werner Schmidbauer, der eine drehbare Kulisse mit der Außenansicht der trutzigen Märzenburg auf der einen Seite und ihrer orientalisch-opulenten Innenansicht auf der anderen Seite baute. Die Schüler der Schnitzschule Oberammergau konstruierten phantasievolle Symbol-Objekte für die Sinnes-Kobolde und Kostümbildnerin Dagmar Meyer hat die für die Akteure märchenhafte Gewänder geschneidert.

Beim größten Teil sowohl der kreativen als auch der handwerklichen Tätigkeiten waren die Jugendlichen stark eingebunden. Es ging von Anfang an um eine intensive Zusammenarbeit der jungen Teilnehmer auf Augenhöhe mit erwachsenen Künstlern aus den unterschiedlichsten Bereichen der Oper. So wurde unter professioneller Anleitung getextet, gesungen, gespielt, entworfen, genäht und gebaut.

„Jeder trug das bei, was er konnte“, fasste Thomas Garmatsch zusammen. Für den kreativen und handwerklichen Teil waren Kulturwerkstatt und Musikschule zuständig. Die Bürgerstiftung sorgte für die nicht minder notwendige Finanzierung und besorgte Sponsoren, unter ihnen der „Bezirk Schwaben“, der „Kulturfonds Bayern Bildung und Kultus“ sowie das Bundesprogramm „Demokratie leben“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Grundidee von „KinderKlassik im Stadttheater“, nämlich Kinder frühzeitig an klassische symphonische oder Opernmusik heranzuführen und, wie es der Vorsitzende der Bürgerstiftung Johann Marschall formulierte, „unser Schatzkästchen von Stadttheater kennenzulernen“, hat auch das Schulamt von Beginn an unterstützt. Daher gab es jedes Jahr kostenlose KinderKlassik-Schulvorstellungen, die jeweils alle zweiten Grundschulklassen geschlossen mit ihren Lehrern besuchten und vorher oder nachher im Unterricht durchnahmen. Die etwas anspruchsvollere Märzenburg-Oper ist allerdings diesmal für die dritten Klassen konzipiert. Die Märzenburgsage in Opernform ist jedoch durchaus auch für Erwachsene interessant. Dass für die Premiere der öffentlichen Vorstellungen das Parkett bereits ausverkauft ist, beweist das.

Aufführungstermine:

17. Februar, 19.30 bis 21 Uhr (Premiere)

18. Februar, 17 bis 18.30 Uhr

23. Februar, 17 bis 18.30 Uhr

24. Februar, 17 bis 18.30 Uhr

25. Februar, 17 bis 18.30 Uhr

jeweils im Stadttheater

Vorverkauf:

Stadtmuseum Kaufbeuren, Ludwig Hahn Sing- und Musikschule, Buchhandlung Menzel, Tabakwaren Engels & Häuserer, Engels Genussreich und online über www.reservix.de

von Ingrid Zasche

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