Berufung vor dem Landgericht Kempten zurückgezogen

Kinderpornos: Es bleibt bei einer Haftstrafe für 51-Jährigen aus Kaufbeuren

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Kempten/Kaufbeuren – Am vergangenen Montag zog der Angeklagte in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Kempten die Berufung zurück. Der einschlägig vorbestrafte Mann aus Kaufbeuren war im Mai vom Amtsgericht Kaufbeuren wegen des Besitzes von 33 kinderpornographischen Schriften und Dateien zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Beklagte und die Staatsanwaltschaft hatten Berufung gegen das Urteil eingelegt. Für die Staatsanwaltschaft sei das ergangene Strafmaß nicht gerecht, sie hatte eine höhere Freiheitsstrafe beantragt.

Der 51-jährige Beklagte, der sich vollumfänglich geständig zeigte, hatte im Februar 2018 33 Schriften und Dateien mit kinderpornographischem Inhalt auf seinem Rechner gespeichert. Auf Nachfrage des Richters zu den Gründen für sein Verhalten, zeigte der angeklagte Mann Reue. „Ich habe Mist gebaut, wie konnte ich nur auf so einen Schwachsinn kommen“, so der 51-Jährige. Mehrmals betonte der Kauf­beurer, er wolle sich bei den nicht anwesenden Kindern entschuldigen. Er habe auch keinen PC mehr und er möchte eine Therapie machen, beteuerte er.

Der Angeklagte, der, wie er selbst berichtete, keiner geregelten Arbeit nachgeht, verbringt seine Zeit vornehmlich zu Hause und konsumiere etwa zehn bis fünfzehn Halbe Bier pro Tag. Er kam seit 1993 immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, wie die durch den Vorsitzenden vorgelesenen Einträge aus dem Bundeszentralregister zeigen. Angefangen mit Trunkenheit im Verkehr, über Körperverletzung bis hin zum Besitz kinderpornographischer Dateien. So habe der Beklagte während der Bewährungsfrist seiner letzten Freiheitsstrafe im Mai 2010, bei der er auch wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften verurteilt worden war, innerhalb weniger Monate wieder fünfmal kinderpornographisches Material aus dem Internet auf seinen Rechner heruntergeladen, so der Richter. In der Verhandlung im Mai 2019 habe er versichert, er möchte eine Therapie machen, er sei krank, er könne sich nicht erklären, warum er das getan habe, zitierte der Richter die damaligen Aussagen des Beklagten. Doch bis heute habe der 51-Jährige keinen Therapieplatz gefunden, so der Vorsitzende. Auf Rückfrage der Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu Häufigkeit der Verwendung der heruntergeladenen Dateien, erklärte der Angeklagte, er habe seit 2017 nichts mehr angesehen und auch bereits vorher damit aufgehört.

Eine beliebte Frage, so der Richter, sei das Ziel der Berufung. „Es kann kein Freispruch sein, es kann nur um eine Bewährung gehen“. Für das Gericht zeige sich keine Veränderung oder Besserung, so die Kammer. Der Beklagte habe seit dem Urteilsspruch vier Monate Zeit gehabt, es besser zu machen. Er hätte sich um einen Therapieplatz kümmern können. Allein die Erklärung, dass er keinen PC mehr habe, reiche nicht aus.

Nach dem Hinweis des Richters zu einer möglicherweise höheren Strafe für den Angeklagten in diesem Berufungsverfahren, zog der Pflichtverteidiger nach einer kurzen Beratung mit seinem Mandanten die Berufung zurück. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stimmte dem zu.

In seinem Schlusswort mahnte der Vorsitzende den Angeklagten eindringlich, sein Leben zu ändern, den Schalter aktiv umzulegen und dem Alkohol zu entsagen. In der Haft habe er die Möglichkeit trocken zu werden.

von Christine Reder

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