Liebesgeschichte mit fantasievoller Ausschmückung

Kinotipp: „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

+
The Shape of Water: Elisa (Sally Hawkins) und Zelda (Octavia Spencer).

Gegensätze ziehen sich an, oder Gleich und Gleich gesellt sich gern? Die Liebe kennt meist ungewöhnliche Wege, um zwei Individuen zu vereinen. Guillermo del Torro erzählt mit seinem poetischen Werk „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ eine nahezu märchenhafte Liebesgeschichte, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges spielt.

Inhalt

Amerika 1963: Die stumme Elisa Esposito (Sally Hawkins) arbeitet als Putzkraft in einem versteckten Hochsicherheitslabor der Regierung. Ihre alltägliche Routine wird unterbrochen, als sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Zelda (Octavia Spencer) ein als geheim eingestuftes Experiment entdeckt. In einem riesigen Wasserbehälter ist eine sonderbare Kreatur (Doug Jones) gefangen. Elisa ist fasziniert von dem Wesen des Meeres und freundet sich auf wundersame Weise mit ihm an. Gemeinsam kommunizieren sie mittels Zeichensprache oder hören gemeinsam Schallplatten. Je öfter Elisa das Wesen heimlich in ihrer Pause besucht, desto stärker wird die Verbindung zwischen ihnen. Als sie sieht, welchen Experimenten ihr neuer Freund ausgesetzt ist, setzt sie sich in den Kopf, ihn aus dem Labor zu retten, um ihm die Freiheit zu schenken. Gemeinsam mit ihrem befreundeten Nachbarn (Richard Jenkins) und Zelda wagt sie die Rettungsmission.

Rezension

Meistererzähler Guillermo del Toro ist mit „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ eine nahezu malerische Geschichte gelungen, indem er sich den Pathos und die Spannung eines traditionellen Monsterfilms zunutze macht. Verflochten mit den Elementen des film noir ist ein Mix entstanden, der optisch begeistert und handlungstechnisch überrascht.

Der Film beginnt mit einem unerwarteten Tauchgang in die Welt der sechziger Jahre, wo sich Realität und Fantasie miteinander vermischen. Sally Hawkins („Paddington 1+2“, „Maudie“) verkörpert die stumme Elisa, die mit Charme und Gestik mehr zu sagen vermag, als mit Worten. Gekleidet in der Mode der Zeit versprüht sie die Unschuld vom Lande, die sich mit kleinen Gesten ihrer Mitmenschen und wenigen Mitteln ein bescheidenes, aber glückliches Leben geschaffen hat. Ihr gegenüber wird das amphibische Wesen gestellt, das der dunkelsten Tiefe des Wassers entstammt und von den Forschern für Experimente missbraucht wird. Die sich daraus ergebene Zweiteilung in Opfer und Held ist spannend anzusehen, zumal Elisa zunächst selbst als Opfer empfunden wird.

Aggression, Wut, Verzweiflung und letztendlich Liebe sind die übergeordneten Gefühle, die der Geschichte auferlegt sind. Del Toro verwebt diese in einem Geflecht aus Kontrasten: Gut und Böse, Unschuld und Bedrohung, Historie und Ewigkeit, Schönheit und Monstrosität. Anfänglich jeweils nur auf eine der zwei Hauptfiguren zutreffend, verlagern sich während des Films die Perspektiven, sodass man sich am Ende fragt, ob wirklich das Meereswesen das Monster ist oder die Personen, die ihm seinen Lebensraum geraubt haben.

Michael Shannon („Take Shelter“) als konsequenter Leiter des Labors brilliert als gemeiner Bösewicht, der für seinen Ruhm über Leichen geht. Octavia Spencer („The Help“) hingegen agiert als liebevolle Seele und bringt mit ihrer Rolle den Film wieder ins Gleichgewicht. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den von Doug Jones („Raze“) verkörperten Wassermenschen, dessen schlichtes Kostüm vollends seinen Zweck erfüllt und auch so auf der visuellen Ebene der traditionellen Monsterfilme Tribut zollt.

In wunderschönen, stilistisch farb­armen Bildern findet die ungewöhnliche Liebesgeschichte à la „Die Schöne und das Biest“ zwischen zwei Individuen, die nicht sprechen, ihren Höhepunkt. Das Element Wasser spielt von der ersten bis zur letzten Minute eine wichtige Rolle, die über Leben und Tod zu entscheiden vermag. Wie ein roter Faden zieht sich das Wasser durch den Film, das mal Krimi und mal Musical zu sein scheint. Immer im Wechsel und durch die Emotionen von Elisa gelenkt, verklärt sich die Handlung zu einem reizenden Traum, eine spannende Spionagegeschichte oder gar ein ergreifendes Drama. Nur schwer lässt sich die Essenz des Films in Worte fassen, den man einfach gesehen haben muss. Verdient sind die zwölf Oscar-Nominierungen unter anderen in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes Szenenbild“. 

von Sandy Kolbuch

Auch interessant

Meistgelesen

5 Gründe, warum Sie sich anmelden sollten
5 Gründe, warum Sie sich anmelden sollten
Misshandelter Säugling ist an seinen schweren Verletzungen gestorben
Misshandelter Säugling ist an seinen schweren Verletzungen gestorben
Ladevorgänge müssen nun bezahlt werden
Ladevorgänge müssen nun bezahlt werden
Serie Schule anders: Ludwig-Reinhard-Schule – ein Förderzentrum geht eigene Wege
Serie Schule anders: Ludwig-Reinhard-Schule – ein Förderzentrum geht eigene Wege

Kommentare