Asylbewerber sind gewillt deutsch zu lernen

"Es muss nur jemand anfangen"

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Für die Fortgeschrittenen bei Klaus Hupfer hieß es erst einmal, das Gelernte vom Vortag zu wiederholen.

Kaufbeuren – Für die fortgeschrittene Gruppe fing der Deutschunterricht am Dienstag mit einer Wiederholung aus dem Vortag an. Es ging um den Sommeranfang, die Monate und Jahreszeiten. Bei der anderen Gruppe geht das Deutsche noch etwa holprig und man behilft sich mit dem Englischen und Gestiken.

Was aber alle Schüler gemeinsam haben: Sie sind Asylbewerber in Kaufbeuren und Neugablonz und möchten deutsch lernen. In der vergangenen Woche machte sich der Kreisbote ein Bild von dem Kurs. 

Seit vier Monaten laufen im Gemeindehaus der Alt-Katholiken in Neugablonz Deutschsprachkurse für Asylbewerber. Und dieses Angebot boomt, so Arno Schneider, 1. Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Alt-Katholiken. 

Beim Besuch des Kreisbote wurden die anwesenden Asylsuchenden nach Sprachniveau in zwei Gruppen eingeteilt. Die fortgeschrittene Gruppe, bei der an diesem Tag eine Rumänin und vier junge Männer aus Eritrea teilnahmen, übte sich unter ihrem ehrenamtlichen Lehrer Klaus Hupfer bereits sehr gut in der deutschen Grammatik und konjugierte fast fehlerfrei Verben des täglichen Lebens. 

Bei der anderen Gruppe sah das noch etwas anders aus, die sieben Männer aus Syrien sprechen noch kaum deutsch, hörten aber Karl Seidel aufmerksam zu und versuchten zu verstehen, wofür der ehemalige Offizier bei der Bundeswehr teilweise gestikulierend ins Englische verfiel. Er erzählte, dass meist noch mehr Asylbewerber an den Deutschkursen teilnehmen, die jede Woche regelmäßig fünf mal stattfinden. Man müsse sich täglich neu auf die Teilnehmer einstellen, da die Fluktuation groß sei und man auch schon mal „wieder bei Null anfangen” müsse.

 Vor allem geht es in den Kursen um das Erlernen der Sprache, in den Pausen kommen die ehrenamtlichen Lehrer aber auch mit den Flüchtlingen ins Gespräch über ihrer Herkunft und Einzelschicksale. Einige seien traumatisiert von den Erlebnissen in der Heimat und auch von der oft gefährlichen Flucht. 

Inzwischen befinden sich in den Kaufbeurer Asylunterkünften rund 300 Asylbewerber und täglich kommen welche dazu oder gehen beziehungsweise müssen wieder in die Heimat zurück, so Pfarrer Carsten Kukula von der Alt-Katholischen Gemeinde im Gespräch mit unserer Zeitung. In enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit Pfarrer Sebastian Stahl von der evangelischen Christusgemeinde und dem dort monatlich abgehaltenen Café International, rekrutiert Kukula stets neue Asylsuchende und überzeugt sie davon, dass ein wichtiger Teil zur Gewährung von Asyl in Deutschland das Erlernen der Sprache ist. 

Seiner Meinung nach ist der Asylstrom eine Situation, „die man nicht ändern kann”, deren Schlüssel aber im Dialog liege, „es muss nur jemand den Anfang machen”. Die jungen Männer, die am Dienstag im Deutschkurs waren, seien voller „Tatendrang” und erkennen den Sprachunterricht als Chance für ein besseres Leben. 

Momentan sind die ehrenamtlichen Lehrer zu dritt und werden zeitweise samstags von zwei Lehramts-Studenten unterstützt. Ab dem 7./8. Juli soll es eine weitere Möglichkeit zum Deutschkurs für Asylbewerber in der Kaufbeurer Kernstadt geben. Auch im Bürgerbüro bestehe vielleicht bald die Möglichkeit einer solchen Einrichtung, ergänzt Kukula. Sind die Asylbewerber anerkannt, dürfen sie an einem Integrationskurs teilnehmen, den schon vier Schüler der Sprachkurse in Neugablonz „mit Bravour bestanden” haben, ist Seidel stolz. Und darauf arbeiten sie alle gemeinsam hin.

von Martina Staudinger

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