Kirchenleitung ohne Nächstenliebe?

„Unfreiwilliger“ Priesterwechsel in alt-katholischer Gemeinde

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Markus Stutzenberger, gekündigter Priester der alt-katholischen Gemeinde in Neugablonz, erwartet nun auch Nächstenliebe und Fairness ihm gegenüber von der Kirchenleitung.

Kaufbeuren-Neugablonz – Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren wurde ein Pfarrer der alt-katholischen Gemeinde Christi-Himmelfahrt in Neugablonz gekündigt, ohne Angabe von Gründen. Jetzt hat es Priester Markus Stutzenberger getroffen.

Stutzenberger, bisher Priester und Seelsorger in der alt-katholischen Christi-Himmelfahrt Gemeinde, hatte katholische Theologie studiert und arbeitete 13 Jahre als Pastoralreferent in der römisch-katholischen Kirche. Er hatte dann zur alt-katholischen Kirche gewechselt, da ihm hier die Strukturen „etwas freier“ erschienen. (Die alt-katholische Kirche ist eine Abspaltung der römisch-katholischen Kirche, lässt seit 1995 Frauen ins Priesteramt und erlaubt auch verheiratete Priester, Anm. der Redaktion). Stutzenberger war seit 2016 Pastoralreferent in der Christi- Himmelfahrt-Gemeinde mit 380 Mitgliedern und arbeitete dann ab 2017 als Diakon und Priester.

Während einer vierjährigen Probezeit müssen Pfarrer, die nicht aus der alt-katholischen Kirche kommen, neben ihrer Arbeit als Seelsorger ein berufsbegleitendes Pflichtstudium in Bonn an einer eigenen Fakultät absolvieren, mit hohen Präsenz- und Studienleistungen. Diese Doppelbelastung der Gemeindearbeit und der Lehrveranstaltungen in Bonn wurde für Stutzenberger im Laufe der Zeit zunehmend schwieriger und „zu einer erheblichen Belastung“, wie er dem Kreisbote sagte.

Stutzenberger wandte sich nun mit seinen Nöten an seinen Bischof in Bonn. Als er zunächst keine Antwort bekam, meldete er sich von der Hochschule ab. In der vorletzten Septemberwoche wurde er dann zu einem kurzfristig anberaumten Personalgespräch einbestellt. Wegen verschiedener Umstände kam das Gespräch aber nicht zustande, erzählte Stutzenberger. Als weitere Reaktion erhielt er die Kündigung, gegen die er nun kirchenrechtlich und zivilrechtlich vorgehen wolle.

Dr. Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, antwortete auf Anfrage unserer Zeitung: „In der Sache kann ich natürlich nichts sagen, da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, mit der sich derzeit die Juristen beschäftigen“. Er bestätigte aber, dass Konvertiten aus anderen christlichen Richtungen zwingend ein Zusatzstudium absolvieren müssten. In der Zeit des Zusatzstudiums, wofür sie vier Jahre Zeit hätten, seien Geistliche von übergemeindlichen Zusatzaufgaben ausgenommen. Es gehe darum, sich in die alt-katholische Theologie einzuarbeiten, im alt-katholischen Kirchenrecht auskennen, sowie die Spezifika in der systematischen Theologie und der Liturgie zu kennen. Insgesamt seien es im Semester vier mal 1,5 Tage Lehrveranstaltungen. „Wir halten Gemeindearbeit, Studium und Präsenzveranstaltung in einer 40-Stunden-Woche für bewältigbar“, erklärte Dr. Ring.

„Schwer enttäuscht“

Stutzenberger, verheirateter Vater von drei Kindern, ist inzwischen schwer enttäuscht von der fehlenden Kommunikationsbereitschaft und fragt: „Wie glaubwürdig ist eine Kirche, die so mit Mitarbeitenden umgeht?“ Auch sein Vorgänger und Studienkollege und evangelischer Pfarrer Uwe Hecht, sei laut Stutzenberger 2016 ebenfalls ohne Angabe von Gründen gekündigt worden. Bischof Dr. Ring meinte zur Personalsituation, dass in der Regel Kündigungen seltener vorkämen, aber „gerade angesichts der Herausforderungen, vor denen wir als Kirche stehen, müssen wir umso mehr auf die Qualitäten unseres Personals schauen und dürften dabei keine Abstriche machen“.

Der Kirchenvorstand in Neugablonz, Rainer Friedrich, wollte sich – aus datenschutzrechtlichen Gründen – uns gegenüber dazu nicht äußern. Die Kirchenleitung hat inzwischen reagiert. Der Nachfolger, Holger Laske, ist schon da und übernimmt einen Teil der Kirchenarbeit, da Stutzenberger sich weiterhin im Dienst sieht.

von Wolfgang Krusche

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