Ein "kleiner Pieks" rettet Leben

Der kleine Benjamin und seine Mutter (Mitte) appellieren an alle Leser, sich als potenzielle Spender registrieren zu lassen. Unterstützt werden sie von den Bürgermeistern Ludwig Brenner (li.) und Wolfgang Schramm sowie Isabella Spallek von der DKMS (re.).

Der sechs Monate alte Benjamin aus Kraftisried bei Unterthingau ist an Chronischer Granulomatose, einem seltenen Immundefekt, erkrankt. Um ihm und anderen Patienten zu helfen, veranstaltet die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei am 9. September eine Registrierungsaktion. „Jeder kann helfen und sich als potenzieller Stammzellspender aufnehmen lassen oder Geld spenden, damit die Typisierungen finanziert werden können“, so Isabella Spallek von der DKMS. Sie unterstützt Benjamins Eltern und seine große Schwester Lea-Sophie bei der Suche nach einem Stammzellenspender für den kleinen Benjamin.

Im zarten Alter von drei Wochen bekam der Säugling das erste Mal eine vermeintlich harmlose Erkältung. Die Ärzte gaben Entwarnung, und alles schien wieder gut. Doch mit fünfeinhalb Wochen begann eine Odyssee von Operationen und Antibiotikabehandlungen. Als er mit nicht einmal fünf Monaten bereits zum sechsten Mal operiert werden musste, wurden die Eltern und auch die behandelnden Ärzte unruhig und forschten genauer nach. Das Ergebnis war eine niederschmetternde Diagnose: Chronisches Granulomatose, ein äußerst seltener Immundefekt. „In seiner Ausprägung gehört er leider zu den ‘Top 20’ der derzeit schlimmsten Fälle in ganz Deutschland“, erklärt Benjamins Mutter Tanja Heel: „Chronische Granulomatose führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber schweren Infektionen mit Bakterien und Pilzen. Eine Biomülltonne oder die mittlerweile in Asyl gegebenen Topfpflanzen zu Hause sind für ihn somit lebensgefährlich“. Derzeit wird Benjamin zu Hause medikamentös behandelt und muss regelmäßig zur Überwachung in die Klinik. Doch sein Zustand kann jederzeit kippen. Benjamin hat nun nur eine Chance auf Heilung, wenn es irgendwo auf der Welt einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen im Blut gibt, der zur Stammzellspende bereit ist. „Die Chance, dass zwei Menschen nahezu identische Gewebemerkmale haben, liegt im günstigsten Fall bei 1:20.000“, erläutert Isabella Spallek. „Je mehr Menschen sich also eine kleine Menge Blut abnehmen lassen um sich als potenzieller Knochenmarkspender zu registrieren, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, für Benjamin oder einen anderen Kranken passende Stammzellen zu finden.“ Bislang war die weltweite Suche nach einem passenden Stammzellspender für Benjamin erfolglos. Um ihm zu helfen, organisieren Freunde und Familie gemeinsam mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei eine Registrierungsaktion und hoffen, dass möglichst viele Menschen aus der Region die Gewebemerkmale ihres Blutes bestimmen lassen. Viel Unterstützung erhalten Benjamin und seine Eltern von ihrem persönlichen Umfeld, sowie von den beiden Bürgermeistern Ludwig Brenner (Kraftisried) und Wolfgang Schramm (Unterthingau). Auch der Arbeitgeber der Eltern, beide sind bei einer großen Genossenschaftsbank im Umkreis tätig, steht hinter der belasteten Familie. Ein möglicher Hoffnungsschimmer ist nun die Typisierungsaktion am 9. September, die zwischen 10 und 16 Uhr in der Mehrzweckhalle Kraftisried, Reinhardsrieder Straße 10, stattfindet. „Wir bitten so viele Menschen wie möglich, zu kommen und sich typisieren und registrieren zu lassen“, richtet Tanja Heel sich an die Ostallgäuer und alle anderen potenziellen Helfer. Mehr zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei und zum speziellen Fall von Benjamin finden Interessierte im Internet unter www.dkms.de und unter www.allgäuwichtel.de. Dort finden sich auch die Daten zweier Spendenkonten bei der Sparkasse Allgäu und der VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu.

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