Kleiner Weiher, große Sache

Mittels eines Baggers auf einem Ponton wird der Schlamm ausgebaggert

+
Von einem Floß aus wird der Schlamm des Schwanenweihers erst in einen Rollcontainer gebaggert und von dort aus wiederum in einen Laster.

Kaufbeuren – Mit schwierigen Untergründen und einem engen Zeitfenster kennt sich Bauleiter Raimund Reichle von der Firma Hubert Schmid bei Bauvorhaben in Kaufbeuren aus. Waren es bei der Sanierung der Fußgängerzone ungeahnte Betonmassen im Untergrund, die die Arbeiten verzögert hatten, verursacht jetzt der Untergrund des Schwanenweihers Schwierigkeiten.

Dieser sollte eigentlich im Zuge der Fertigstellung des neuen Übergangs vom Forettle-Center zur Altstadt erst trockengelegt und dann ausgebaggert werden. Der Plan ging nicht auf, denn der Grundwasserstrom ist zu stark. Rund 2500 Liter Wasser pro Minute würden mit jeder Menge Sedimenten nachdrücken. Beschädigungen an den benachbarten historischen Gebäuden wären wohl die Folge.

Davon aus der Ruhe bringen lässt sich Bauleiter Reichle nicht. Auch wenn hier das Zeitfenster mal wieder eng gesteckt ist. Denn bis zum Weihnachtsgeschäft sollen die Arbeiten weitgehend abgeschlossen und die neue Wege-Anbindung nutzbar sein. Entsprechend musste also ein Plan B her. Und dieser wird seit Mittwoch umgesetzt. Mit Hilfe eines Floßes, auf dem ein Bagger steht, wird der Schlamm jetzt so ausgebaggert. Eigens hierfür lieferte die Firma Hubert Schmid ein zweiteiliges Ponton an, welches am Dienstag mitten auf dem Weiher fixiert wurde. Zuvor wurde der rund 25 Tonnen schwere Bagger vorsichtig auf das Floß gefahren. Für Reichle keine neue Erfahrung, immerhin war diese Konstruktion schon im Bodensee bei Lindau und auf der Donau erfolgreich im Einsatz. „Ein ­Restrisiko besteht jedoch immer, aber es funktioniert auch hier in Kaufbeuren“, ist der Bauleiter sichtlich erleichtert, als die ersten Schaufeln mit Schlamm ans Tageslicht gehoben werden. Er rechnet damit, dass rund 600 Kubikmeter Schlamm herausgeholt werden müssen. Immerhin sei die Schlammschicht gut zwei Meter tief. Das Material wird dann in einen Abrollcontainer gebaggert und von dort aus mit einem anderen Bagger auf einen Lastwagen geschaufelt. Dieser bringt den Schlamm in die Kaufbeurer Kläranlage, wo er in einem eigens angefertigtem Becken erst abtrocknen und später auch auf Schadstoffe untersucht werden kann.

Beim Aushub immer mit dabei ist der Kaufbeurer Archäologe Marcus Simm. Er schaut sich den Aushub bereits vor Ort grob an und wird auch später das getrocknete Material unter die Lupe nehmen. Reste der alten Stadtbefestigung seien denkbar. Diese würden dann dokumentiert, so wie auch in der Fußgängerzone geschehen.

Gute drei Wochen wird es laut Reichle noch dauern, bis die Schlammschicht im Schwanenweiher entfernt ist. Um im Zeitplan zu bleiben, laufen die Arbeiten am Treppenaufgang entlang des Rathauses parallel weiter. Es soll ein attraktiver Übergang zwischen dem Forettle Einkaufszentrum und der Altstadt geschaffen werden. Dabei werden die vorhandene Treppenanlage und die Wegoberflächen erneuert und umgestaltet. Den Weg säumt in Zukunft eine zwölf Meter lange Infotafel, die vor dem Parkhaus angebracht wird. Sie soll die Geschichte der Stadt anhand ausgewählter Objekte aus dem Stadtmuseum darstellen.

Auch eine Stützwand wird eingebaut, die es erlaubt, eine ansprechende und durchgängige Wege- und Aufenthaltsfläche am Schwanenweiher zu schaffen. Das Gestaltungskonzept wird durch die Installation eines Springbrunnens im Schwanenweiher abgerundet. Dieser soll auch für zusätzlichen Sauerstoff­eintrag und eine leichte Strömung an der Wasseroberfläche sorgen. Im Zuge der Weihersanierung werden Baumfällungen aufgrund von Eschentriebsterben und zur Reduzierung von Laubeintrag durchgeführt. Entsprechende Ersatzpflanzungen werden im Zuge eines Entwicklungskonzepts „Umfeld Schwanenweiher BAII“ im Frühjahr 2019 durchgeführt. Die charakteristischen Weiden am Ufer des Schwanenweihers bleiben laut Stadtverwaltung erhalten.

Rund 720.000 Euro lässt sich die Stadt die Neugestaltung des Fußweges samt Umgestaltung des Schwanenweihers kosten. Reichle glaubt, dass es trotz der Änderungen im Bauablauf nicht teurer wird.

von Kai Lorenz

Auch interessant

Meistgelesen

Kripo Kempten klärt Raubüberfall auf Tankstelle in Unterthingau
Kripo Kempten klärt Raubüberfall auf Tankstelle in Unterthingau
Bestattungen in Kaufbeuren werden teurer
Bestattungen in Kaufbeuren werden teurer
Der Nikolaus war schon da... 
Der Nikolaus war schon da... 
Parkgebühren: In Kaufbeuren künftig mit Mobiltelefon möglich
Parkgebühren: In Kaufbeuren künftig mit Mobiltelefon möglich

Kommentare