„Bewusstsein schärfen“

Klimaanpassungskonzept im Kaufbeurer Umweltausschuss vorgestellt

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Der Klimawandel ist auch in Kaufbeuren drastisch zu spüren, wie hier an der Ulrichsbrücke beim Hochwasser im Mai dieses Jahres.

Kaufbeuren – Wie können wir auf nicht mehr vermeidbare Auswirkungen des Klimawandels reagieren? Wo sind wir gegenüber Veränderungen anfällig und wo liegen Chancen? Eine Vielzahl an Maßnahmen hält das Klimaanpassungskonzept parat, das die Stadt Kaufbeuren gemeinsam mit dem Landkreis Ostallgäu erarbeitet hat. In der jüngsten Sitzung des Kaufbeurer Umweltausschusses wurde das Konzept vorgestellt.

Als erste Region Bayerns, die ein eigenes Klimaanpassungskonzept aufstellt, sollen die Maßnahmen dazu beitragen, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort für Bevölkerung, Unternehmen, Natur und Kulturlandschaft in geeigneter Weise vorzubereiten. In zahlreichen Workshops und Sitzungen haben die beauftragten Unternehmen gemeinsam mit dem Klimabeirat des Landkreises, der Stadt Kaufbeuren, Akteuren der Zivilgesellschaft, Verbänden, Vereinen sowie Vertretern der Ostallgäuer Gemeinden diese Strategie entworfen.

Klimapolitische Anstrengungen haben Stadt und Landkreis bereits in den vergangenen Jahren geleistet; so wurden zum Beispiel zahlreiche Maßnahmen zum Hochwasserschutz unternommen.

Charakter der Region erhalten

Als Schutzgüter wurden im neu erstellten Konzept Mensch, Landschaft und Infrastruktur definiert.

Dass das Konzept die regionalen Besonderheiten in Kaufbeuren berücksichtigt und die regionaltypischen Strukturen schützen und unterstützen soll, machte Prof. Dr. Hubert Weiger als Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz deutlich. 

So gelte es zum Beispiel, Milchwirtschaft nachhaltig zu fördern, eine Diversifizierung landwirtschaftlicher Produktion zu erreichen und Nebenerwerbs- und Kleinbetriebe finanziell zu stärken. Zudem rentiere sich ökonomische Forstwirtschaft nicht mehr – hier seien neben Förderprogrammen Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung gefragt: Eine „genossenschaftliche Waldbewirtschaftung“ soll etwa zur Stärkung der Zusammenarbeit verschiedener Waldbesitzer und staatlicher Einrichtungen beitragen.

Insbesondere ziele das Konzept laut Weiger darauf, das Bewusstsein bei der Bevölkerung und Unternehmen zu schärfen und einen Dialog zu umweltbezogenen Themen anzuregen.

In Puncto Gesundheit soll die Bevölkerung für richtiges Verhalten bei Extremwetterereignissen sensibilisiert werden und Katastrophenschutzübungen mit Fokus auf „Klimawandelbezogene Ereignisse“ sollen Einsatzkräfte auf den Ernstfall vorbereiten.

Maßnahmen sollen auf Dauer umgesetzt werden

Einige Projekte, wie beispielsweise die Renaturierung des Märzenbachs und die vermehrte Pflanzung von Bäumen durch die Stadtgärtnerei habe man in Kaufbeuren laut Baureferent Helge Carl bereits angestoßen, nun gelte es die aufgeführten Maßnahmen im Klimaanpassungskonzept künftig umzusetzen. Dazu gehören unter anderem eine Anpassung der Rad- und Fußwege sowie Maßnahmen zur Schutzausweitung in Wäldern.

Grünen-Stadträtin Ulrike Seifert wünschte sich trotz der Bemühungen in Sachen Umweltschutz seitens der Stadt noch mehr Engagement, was zum Beispiel die Bereitstellung naturnaher Spielmöglichkeiten für Kinder auf Spielplätzen betrifft.

Kein „hektischer Aktionismus“

Oberbürgermeister Stefan Bosse wies darauf hin, dass die Maßnahmen ihre Wirkung auf mittel- bis langfristige Sicht entfalten und daher kein „hektischer Aktionismus“, sondern Handeln mit Sachverstand gefragt ist. „Wir sind an den Themen dran und nehmen unsere Verantwortung für die Menschen in Kaufbeuren und dem Landkreis sehr ernst“, versicherte Bosse. 

Mahi Kola

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