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Klinik St. Josef eröffnet neue Intensivstation

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Von: Stefan Raab

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Dr. Gudrun Nitsche, Chefärztin Anästhesiologie Klinik St. Josef
Nachhaltigkeit wird auf der neuen Intensivstation großgeschrieben. Dr. Gudrun Nitsche, Chefärztin Anästhesiologie, steuert mit einem Ökonometer (links) die Gabe von Narkosegasen und achtet auf einen Minimal-Flow, der auch den Patienten zugute kommt. © Raab

Buchloe – Die Klinik St. Josef stellt ihre Intensivmedizin zukunftsfähig auf: Ein 5,7 Millionen Euro teurer Neubau, für den die Regierung von Schwaben 3,4 Millionen Euro Fördergelder beisteuert, wurde vor einigen Tagen eröffnet. Er ersetzt die über 30 Jahre alte Intensivstation und hat einen kardiologischen Schwerpunkt.

Stefan Bosse, Verwaltungsratsvorsitzender des Klinikverbunds Ostallgäu-Kaufbeuren, sagte bei der feierlichen Einweihung, dass Buchloe eine „hochwertige Medizin“ habe, die eine bessere Versorgung der Patienten leisten könne. Mit 700 Quadratmetern bietet die hochmodern ausgestattete Intensivstation Platz für acht Intensivbetten, davon vier Einzelzimmer und zwei Doppelzimmer. Das energieeffiziente Modulgebäude ist als Erdgeschoss geplant, eine weitere Aufstockung aber denkbar. „Aus diesem Grund haben wir keine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert“, erklärte Klinikleiter Ralf Kratel.

Digital vernetzt durch Informationssystem

Dass die jährlich rund 1.000 Intensivpatienten in der Klinik St. Josef eine sehr gute medizinische Behandlung erwartet, betonte Chefarzt Dr. Sascha Chmiel. „Ein großer Vorteil ist, dass wir durch spezielle Isolierzimmer mit Schleusen Patienten auch schnell in Einzelzimmern isolieren können“, so der Ärztliche Direktor der Klinik St. Josef Buchloe. Zudem stünden nicht nur zehn neue Beatmungsgeräte zur Verfügung – was besonders für schwer Herzkranke wichtig sei – sondern Ärzte und Pfleger könnten mit dem nunmehr installierten Klinikinformationssystem effizienter arbeiten. Dabei ist jedes Gerät in der Intensivmedizin mit der Krankenhaussoftware verbunden. „Egal ob Infusion oder Spezialmedikament, jede Behandlung wird an die Software weitergegeben“, sagte Chmiel. Behandelnde Ärzte hätten damit einen besseren Überblick beispielsweise über die Beatmung und die Nierenfunktionen, was bei Patienten in kritischem Zustand auf einer Intensivstation besonders wichtig sei, ergänzte der Chefarzt. So könne in Echtzeit auf sämtliche Patientendaten zugegriffen werden, was „schnelle und fundierte Entscheidungen“ ermögliche.

Nachhaltige Anästhesie statt Narkosegase

Die intensivmedizinische Abteilung schlägt auch beim Thema Nachhaltigkeit neue Wege ein. Dr. Gudrun Nitsche setzt auf intravenöse Anästhesien mit einem Schlafmittel, anstatt Narkosegase zu verwenden. Letztere würden als Kohlenwasserstoffe 1:1 in die Atmosphäre abgegeben, was diese erheblich belaste. So sei auf das Narkosegas Desfluran verzichtet worden, weil 50 Mal so viel Emissionen ausgestoßen würden wie bei einem Alternativgas.

Zum Wohlbefinden der Patienten

Das klimaschädliche Lachgas findet ebenfalls keine Verwendung mehr. Mit einem Schlafmittel, intravenös verabreicht, sehe die Klimabilanz viel besser aus, erläuterte die Stellvertretende Chefärztin. Für die Patienten wäre das sehr vorteilhaft, weil sie weniger Übelkeit verpürten, seltener erbrechen müssten und sich von einer medizini schen Behandlung schneller erholen könnten. „Die Patienten sind nach dem Aufwachen schneller fit“, freute sich Dr. Gudrun Nitsche. Wenn der Einsatz eines Schlafmittels nicht möglich ist, zum Beispiel bei Unverträglichkeiten, muss dann doch auf ein Narkosegas ausgewichen werden. Über ein Ökonometer am digitalen Narkosegerät kann der Flow, also die Gabe von Frischgas und Narkosegas, detailliert gesteuert werden. Ein Minimal-Flow wirkt sich dabei erheblich umweltschutzfreundlicher aus als ein High-Flow. Die Wirkung ist nach Angabe der Ärztin genau so gut wie ein High-Flow. Und: „Das Wohlbefinden der Patienten ist insgesamt besser und sie werden schneller fit“, stellte die Chefärztin fest.

So betrachtet ist die Klinik St. Josef nicht nur digital und nachhaltig, sondern auch patientenorientiert bestens für die Zukunft aufgestellt.

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