Professoren-Delegation aus China zu Besuch im Kaufbeurer Klinikum

Internationaler Austausch

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Das chinesische Ärzteteam war zur Fortbildung bei Chefarzt Dr. Marcus Koller (vorne Mitte) zu Gast in der Kardiologe.

Kaufbeuren – Es kommt nicht oft vor, dass eine chinesische Professoren-Delegation das Klinikum in Kaufbeuren besucht, um vor Ort einen Einblick über die modernen Behandlungsmethoden in der Kardiologie zu erhalten.

Vorige Woche war es aber soweit: Der gute Ruf von Kardiologie-Chefarzt PD Dr. Marcus Koller und das innovative Verfahren der Kälteballonverödung zur Behandlung von Vorhofflimmern, veranlasste die Ärzte-Gruppe der Medizinischen Universität Xinxiang zu diesem außergewöhnlichen Besuch im Rahmen ihrer Fortbildungsreise.

Die Delegation interessierte sich insbesondere für die elektrophysiologischen Diagnose- und Therapiemethoden am Klinikum, worüber Dr. Koller in seinem Vortrag referierte, und das Team dabei an seinen Erfahrungen teilhaben ließ. Koller war weltweit einer der ersten Kardiologen, der die Kälteballonverödung angewandt hat; ein Verfahren, das bei der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, eingesetzt und bei der mittels Herzkatheter die elektrische Fehlzündung, also Störung, bei minus 50 bis 60 Grad verödet wird.

Vor zehn Jahren, so Koller, waren sie am Klinikum die Ersten, die dieses Verfahren durchgeführt haben, und damit sozusagen die Pioniere dieser Methode, die dem Chefarzt zufolge immer populärer wird (zum Beispiel in den USA) und sich künftig als weltweites Standardverfahren bei Vorhofflimmern etablieren werde. Als europäisches Ausbildungszentrum für Kardiologen bildet das Klinikum international Ärzte in diesem Bereich aus.

Dem interessierten Ärzteteam veranschaulichte Koller in den Räumen der Kardiologe den Ablauf der Kälteballonverödung; am Monitor wurde die anatomische Herzaktivität rekonstruiert. Koller zeigte, wie anhand modernster Systeme, einem GPS ähnlich, der Entstehungsort der Herz-Rhythmusstörung lokalisiert und zusammen mit der eingesetzten Katheterspitze dreidimensional dargestellt werden kann.

Aufmerksam und mit Erstaunen folgten die Besucher auch der Demonstration des manuell aufblasbaren Kälteballons, dessen eisige Kälte sie selbst erfühlen konnten. Überrascht waren die chinesischen Gäste auch von den Kosten solch einer Behandlung, die pro Einsatz 10.000 Euro beträgt, die aber, so konnte Koller zur sichtlichen Erleichterung der Anwesenden beitragen, von der deutschen Krankenkasse übernommen werde (in China werden viele medizinische Behandlungen von der dortigen Krankenversicherung nur teilweise bezahlt, Anm. d. Red.).

Circa 80 Prozent der Patienten mit Herzrhythmusstörung profitieren laut dem Chefarzt von dieser Behandlung. Eine Ethikkommission, so klärte Koller auf, gebe dazu außerdem strenge Auflagen vor, die auch eine genaue Aufklärung der Patienten über Erfolgschancen und Risiken beinhalte.

Die chinesische Delegation, die auch die Gelegenheit und den Raum für Fragen nutzte, bedankte sich mit einem kleinen Geschenk beim Chefarzt, der sich wiederum über das rege Interesse und darüber, dass sie „den Weg nach Kaufbeuren gefunden haben“ freute, und den „wertvollen und hilfreichen Austausch mit Kollegen aus anderen Ländern“ positiv hervorhob.

Von Mahi Kola

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